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Buchtipp Warum die Erinnerung an die Schrecken des Holocaust nicht verblassen darf

Holocaust-Überlebende erzählen in einem neuen Buch über ihre Zeit im Konzentrationslager. Die Sammlung der Porträts mahnt und macht demütig.
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In Zeiten wachsender Intoleranz darf die Erinnerung an den Holocaust nicht ausbleiben. Quelle: Reuters
Gedenkkarten in Auschwitz

In Zeiten wachsender Intoleranz darf die Erinnerung an den Holocaust nicht ausbleiben.

(Foto: Reuters)

Wien Im langen Leben von Viktor Klein war die Vorstellung des Buchs „Unfassbare Wunder“ im Jüdischen Museum in Wien kein gewöhnlicher Moment. Er, einer der letzten Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, sollte über das Unvorstellbare ausführlich berichten. In der ersten Reihe saß aufmerksam der Regierungssprecher der rechtskonservativen Koalition.

Solche Momente werden immer seltener. Denn die Zeit wird knapp, um noch aus erster Hand Zeitzeugenberichte über die Massenvernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten zu hören. Die Täter, sofern sie noch leben, schweigen meist. Und auch die Überlebenden des Naziterrors sind inzwischen jenseits der 90 – genau wie Klein.

Die österreichische Journalistin Alexandra Föderl-Schmid, die aus Israel für die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, und der bekannte deutsche Fotograf Konrad Rufus Müller haben die dahinschwindende Gelegenheit genutzt und mit vielen Holocaust-Überlebenden gesprochen.

Herausgekommen sind 24 persönliche, nahezu intime Porträts von Menschen, die den Konzentrationslagern (KZ) der Nazis entkommen sind. Ihre Geschichten sind gerade in Zeiten wieder aufkeimender antisemitischer Tendenzen – auch in Deutschland – eine wichtige und mahnende Dokumentation fürchterlichster Erinnerung.

„Der menschliche Verstand kann gar nicht begreifen, dass man so eine Masse an Menschen vernichten kann in so kurzer Zeit. Das ist nicht fassbar“, sagt Viktor Klein, der 1927 im heute zur Ukraine gehörenden Karpatenstädtchen Munkacs geboren wurde. Mit 17 Jahren kam er nach Auschwitz-Birkenau. An der berüchtigten Rampe seien er, sein Vater, sein Bruder Shlomo und zwei Onkel nach rechts zum Arbeitseinsatz geschickt worden. Seine Mutter, seine beiden Geschwister und alle Verwandten der Eltern kamen nach links – in die Gaskammern.

Alexandra Föderl-Schmid, Konrad Rufus Müller: Unfassbare Wunder – Gespräche mit Holocaust-Überlebenden
Böhlau Wien
2019
184 Seiten
35 Euro
ISBN-13: 978-3205232261

Klein überlebte und wurde schließlich in einem Außenlager des österreichischen KZs Mauthausen von den Amerikanern befreit. Nach einer Odyssee über Ungarn und Israel brachte er den Mut auf, wieder in das Land der Mörder zurückzukehren. Seit den Fünfzigern lebt er in Wien und ist noch heute im Schmuckhandel tätig.

In ihren Porträts zeichnet Föderl-Schmid in einer sensiblen und dennoch nüchternen Sprache die Lebensläufe nach, die den Leser sprachlos und demütig machen. Unter den Porträtierten sind bis auf ein paar Ausnahmen – wie der Maler Arik Brauer, ein wichtiger Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus – die meisten Gesprächspartner unbekannte Namen, die mit ihrer Lebensbilanz eine eindrucksvolle Mahnung darstellen.

Als die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München, Charlotte Knobloch, vor Kurzem im Bayerischen Landtag die AfD als verfassungsfeindlich kritisierte, verließen die rechtspopulistischen Abgeordneten das Maximilianeum. Seitdem wird die Holocaust-Überlebende bedroht, beleidigt, beschimpft.

Schon allein dieser bislang einmalige Eklat in einem deutschen Landesparlament zeigt, wie wichtig dieses berührende Buch in Zeiten wachsender Intoleranz ist. Auch Knobloch wird in dem Buch porträtiert. „Der Holocaust ist nicht nur Geschichte, sondern Warnung“, sagt Föderl-Schmid. Vor allem für die Gegenwart.

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