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Buchtipps Einblicke ins Land der Superlative: Diese Bücher über China lohnen sich besonders

Werke zu China füllen in Buchhandlungen ganze Regale. Wer sich jetzt über die Supermacht schlau machen möchte, sollte mit diesen fünf aktuellen Büchern anfangen.
09.07.2020 - 18:16 Uhr Kommentieren
In der Metropole hatte das Coronavirus seinen Ursprung. Quelle: AFP
Mann mit Mundschutz in Wuhan

In der Metropole hatte das Coronavirus seinen Ursprung.

(Foto: AFP)

Peking Zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, wichtigster Handelspartner Deutschlands, das Land mit den meisten Internetnutzern weltweit und jenes mit der größten aktiven Armee.

Wer China beschreiben will, hat eine Vielzahl von Superlativen zur Auswahl – negative wie positive.

Denn China ist auch das Land mit den meisten Überwachungskameras, bei der Pressefreiheit auf dem drittletzten Platz und kein anderer Staatsführer hat so viel Macht auf sich vereint wie Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping.

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Bücher zu China erschienen. Verständlich, Themen gibt es genug: Das Land ist eine große Macht, schickt sich mit seinen Technologien an, zum Weltmarktführer zu werden und in politischer Hinsicht versucht die Kommunistische Partei Chinas (KP) ihren internationalen Einfluss mit teils aggressiven Methoden auszuweiten.

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    Die Lektüre dieser fünf kürzlich auf Deutsch erschienenen Bücher lohnt sich besonders:

    Mareike Ohlberg, Clive Hamilton: Die lautlose Eroberung

    Mareike Ohlberg, Clive Hamilton: Die lautlose Eroberung.
    DVA
    496 Seiten
    26 Euro

    In dem Buch beschreiben die Autoren mit vielen aktuellen Beispielen, wie die regierende KP versucht, international an Einfluss zu gewinnen. Dazu greift die Partei in fast allen Bereichen an: Kultur, Medien, Politik und vor allem in der Wirtschaftswelt.

    Mithilfe von gut vernetzten ehemaligen und aktiven Politikern, Diplomaten und Wirtschaftsvertretern übt sie Druck auf die Regionalregierungen aus und verbreitet ihre Narrative – oft mit Erfolg.

    So behaupte die KP, schreiben Mareike Ohlberg und Clive Hamilton, dass die Partei selbst das Volk sei. Folglich sei jede Kritik an der KP auch ein Angriff auf das chinesische Volk. „Es ist irritierend, dass so viele Menschen im Westen darauf hereinfallen und jene, die das in China herrschende Regime kritisieren, als Rassisten oder Chinahasser abstempeln.“

    Die Autoren erklären, warum die KP so viel Wert darauf legt, dass Kritik an ihr nur hinter verschlossenen Türen geäußert werden darf und warum Proteste gegen sie oft als vom Ausland gesteuert dargestellt werden.

    Co-Autorin Ohlberg arbeitet bereits seit vielen Jahren zu China und gilt als eine der renommiertesten Forscherinnen auf dem Gebiet. Derzeit ist sie Senior Fellow im Asien-Programm des German Marshall Funds, zuvor forschte sie beim international angesehenen Berliner China-Thinktank Merics.

    „Die Lautlose Eroberung“ hat sie gemeinsam mit Hamilton geschrieben, der bereits ein Buch zum Einfluss Chinas in Australien veröffentlicht hatte. Das Buch ist sehr dicht an Informationen, ohne aber den Leser zu überfordern. Etwa 20 Prozent der Seiten sind Quellenangaben gewidmet, die anregen, sich noch tiefer mit dem Thema zu beschäftigen.

    Elizabeth Economy: The Third Revolution

    Elizabeth Economy: The Third Revolution.
    Oxford University Press
    352 Seiten
    20 Dollar

    Mächtiger gehts kaum: Mit einer Änderung der Verfassung im Jahr 2018 hat sich Xi Jinping das Amt des Staatschefs auf Lebenszeit gesichert. Seitdem Xi an der Macht ist, erlebt das Land immer tiefere Einschnitte bei der Meinungs- und Pressefreiheit. Kritiker landen in Gefängnissen, Beiträge in sozialen Netzwerken werden zensiert.

    Elizabeth Economy beschreibt, wie förmlich eine ganze Armee an Zensoren die sozialen Netzwerke nach unerwünschten Beiträgen durchkämmen und wie eine feministische Gruppe nur deshalb verhaftetet wurde, weil sie für größere öffentliche Toiletten für Frauen demonstriert hatte.

    Economy beschreibt aber auch, wie China zur Weltmacht bei Innovationen aufsteigen will und welche Faktoren das Land derzeit daran hindern. Etwa das Bildungssystem, das vor allem auf Auswendiglernen basiert und kaum Kreativität ermöglicht. Oder die starken Zugangsbeschränkungen zum Internet.

    Nicht zuletzt: Eine Staatsführung, die vor allem Staatsunternehmen fördert und damit Ineffizienzen in Kauf nimmt. Auch Economys Buch belegt Annahmen, Ereignisse und Zitate akribisch mit Quellen und bietet so einen guten Überblick über Zusammenhänge.

    Fang Fang: Wuhan Diary

    Fang Fang: Wuhan Diary.
    Hoffmann und Campe
    352 Seiten
    25 Euro

    Wer sich für die aktuelle Lage in China interessiert, kommt an diesem Buch zu den Ereignissen in Wuhan nicht vorbei: „Wuhan Diary“. In der Elf-Millionen-Einwohner-Stadt hatte das Coronavirus seinen Ursprung. Ende Januar wurde die Metropole für 76 Tage lang komplett abgeschlossen – ein beispielloser Vorgang.

    „Wuhan Diary“ ist eine ins Deutsche übersetzte Sammlung von Blogeinträgen der Schriftstellerin Fang Fang, die über die Zeit des Lockdown in der zentralchinesischen Stadt Tagebuch geführt hat. In China sorgte ihr Blog für großes Aufsehen, Fang sah sich heftigen Anfeindungen von Nationalisten ausgesetzt, die ihr vorwarfen mit ihrer kritischen Betrachtung die Ehre ihres Landes zu beschmutzen.

    Fangs Werk bietet einen eindrucksvollen Einblick in das Leben der Betroffenen vor Ort. Die Autorin schreibt über ihre Sorgen, die verzweifelte Suche nach Masken und ihren Ärger über die lokalen Regierenden, die viel zu spät Maßnahmen ergriffen haben, um die Bevölkerung vor der Krankheit zu schützen. Immer wieder kritisiert sie auch die Zensur im Land, die dazu führt, dass ihre Einträge verschwinden.

    Über befreundete Ärzte, Nachbarn und das Internet informierte Fang sich während der Quarantäne. Sie berichtet von den überfüllten Krankenhäusern in der völlig überforderten Millionenmetropole, von kranken Menschen, die verzweifelt auf der Suche nach medizinischer Hilfe sind, von Tagen, an denen 100 Menschen in kurzer Zeit an dem Virus sterben. Und von der seltsamen Umgebung, in der sie sich plötzlich befindet, den leeren Straßen, den eingesperrten Nachbarn.

    Ihre Stimmung schwankt zwischen Freude über die Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen und düsteren Episoden. „Wir zählen nicht mehr genau, wie viele Tage die Abriegelung der Stadt schon andauert“, schreibt sie am 23. Februar, „wir warten ruhig, geduldig und leidenschaftslos in unseren Wohnungen.“

    Sechs Tage später heißt es: „Ich bin jetzt so lange in der Wohnung, dass ich nicht weiß, ob ich mich später wieder an das Ausgehen gewöhnen werde.“ Erst am 8. April wird der Lockdown von Wuhan aufgehoben. Offiziell zählt die Stadt bis zur Aufhebung der Kontaktsperren über 50.000 Infizierte und mehr als 2500 Tote.

    Antony Dapiran: City on Fire

    Antony Dapiran: City on Fire.
    Scribe Publications
    336 Seiten
    35 Dollar

    In diesem Jahr hat China den Griff um Hongkong nochmals verstärkt. Ein neues Sicherheitsgesetz verschafft Peking weitreichende Eingriffsmöglichkeiten in der Metropole. Doch schon lange zuvor hatte Peking immer wieder versucht, seinen Einfluss in der Stadt auszuweiten, wie Antony Dapiran in seinem Buch „Hongkong: City on Fire“ beschreibt.

    Dapiran hat einen besonderen Blick auf die Stadt: Seit 20 Jahren lebt der Jurist in der Finanzmetropole und berät chinesische Firmen bei Börsengängen in Hongkong. Viele seiner präzisen Beobachtungen hat er aus erster Hand. So beteiligte er sich im Juni 2009 an einem Protestmarsch von rund 3000 Anwälten gegen ein Gesetz, das es ermöglichen sollte, Verdächtige nach China auszuliefern.
    Der Autor beschreibt die aktuellen Proteste und zieht auch Parallelen zur Geschichte.

    So erinnert er daran, wie Tung Chee Hwa, das ist der Vorgänger der jetzigen Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam, schon 2003, und damit nur sechs Jahre nach der Rückgabe Hongkongs an China, ein Gesetz durchbringen wollte, das dem gerade verabschiedeten Nationalen Sicherheitsgesetz sehr ähnlich ist.

    Auch damals formierte sich Widerstand – mit dem Unterschied, dass der Gesetzesentwurf seinerzeit verworfen wurde. Das Buch schafft es, aus solch einzelnen Fragmenten eine zusammenhängende Geschichte abzubilden.

    Kai-Fu Lee: AI-Superpowers

    Kai-Fu Lee: AI Superpowers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung.
    Campus Verlag
    320 Seiten
    26 Euro

    Kai-Fu Lee ist ein begehrter Redner. Der ehemalige China-Chef von Google und heutige Chef des chinesischen Wagniskapitalgebers Sinovation spricht auf Konferenzen gern über Künstliche Intelligenz und die Möglichkeiten, die die Technologie mit sich bringt. Lee schreibt aber auch gern – wie das Buch „AI-Superpowers“ beweist. Es ist sein achtes Werk und in diesem Jahr auch auf Deutsch erschienen.

    Darin umreißt er, wie in China Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) vorangetrieben werden. Als Manager eines Fonds, der in die Technologie investiert, ist Lee qua Amt grenzenloser Optimist in Bezug auf KI.

    Er verhehlt auch nicht, dass er von Chinas Weg in Richtung KI restlos überzeugt ist. Lee glaubt, dass chinesische Start-up-Gründer härter arbeiten und die hiesige Regierung es besser versteht, KI zu fördern.

    Kritik an der heftigen Internetzensur, dem Aussperren westlicher Internetkonzerne oder fehlendem Datenschutz – das brauchen Leser in seinem Buch nicht zu erwarten. Dennoch bietet Lees Buch einen spannenden und zugleich anspornenden Überblick über Chinas Ambitionen auf dem Markt.

    Interessant wird es auch etwa, wenn Lee beschreibt, dass Chinas chaotische Städte etwa für Fahrdienste wie den Uber-Konkurrenten Didi wie geschaffen waren. Und dass die vielen eifrigen Arbeitsmigranten, die schon für wenig Geld einem Job nachgehen, den Weg bereitet haben für den Boom der Lieferdienste, die den Onlinehandel in China so erfolgreich machten.

    Lee entwirft mit großer Begeisterung aber auch neue Szenarien für den Einsatz von KI. So beschreibt er etwa wie hitzeresistente Drohnen mit Schwarmintelligenz nicht nur Waldbrände löschen können, sondern auch untertunnelte Städte dem autonomen Fahren neuen Auftrieb verleihen dürften.

    Mehr: Wie Künstliche Intelligenz unsere Weltordnung verändern wird

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