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Buchtipps Widerstand gegen Nationalsozialismus: Die Rolle Stauffenbergs

Auf dem Buchmarkt ist der Deutungskampf über die Motive von Claus Schenk Graf von Stauffenberg neu entfacht. Die wichtigsten Neuerscheinungen zum 75. Jahrestag.
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In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin hängen die Porträts der Männer, die am Attentat an Adolf Hitler 1944 beteiligt waren. Quelle: AFP/Getty Images
Widerstandskämpfer

In der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin hängen die Porträts der Männer, die am Attentat an Adolf Hitler 1944 beteiligt waren.

(Foto: AFP/Getty Images)

Bonn An diesem Wochenende wird die Bundesregierung im Berliner Bendlerblock wieder einmal an das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 erinnern. Vom „Aufstand des Gewissens“ ist dann die Rede, ein Aufstand, der alibihaft für das „andere, bessere Deutschland“ herangezogen wird. Ein Deutschland, das es 1944 so noch nicht gab.

Selbst im militärischen Widerstand fand sich kein anderer als Oberst Claus Schenk von Stauffenberg, dem nach einer Kriegsverletzung die rechte Hand, die beiden letzten Finger der linken Hand und das linke Auge entfernt worden waren, um den komplizierten Sprengsatz in Hitlers Wolfsschanze zu zünden.

Stauffenberg selbst wusste, dass der Widerstand gegen Hitler ein Widerstand ohne Volk war. Sollte das Attentat erfolgreich sein, werde er „als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen“, sagte der Wehrmachtsoffizier. Tatsächlich überwog in der Bevölkerung Empörung über die „feige Tat“. Heute ist Stauffenberg höchstens noch für Rechtsextremisten ein echtes Feindbild.

Dennoch gibt es auf dem Buchmarkt derzeit einen neu entbrannten Meinungskampf um die Figur Stauffenberg. Das Spektrum der Neuerscheinungen und Narrative anlässlich des 75. Gedenktags reicht vom Helden- und Lichtgestaltenepos bis zu der These, dass Stauffenberg nicht mehr als ein rückwärtsgewandter Putschist gewesen sei. Welche neuen Perspektiven eröffnen sich dem Leser? Ein Kurzüberblick.

Sophie von Bechtolsheims „Stauffenberg“

Zu Recht sieht die Stauffenberg-Enkelin in ihrem Großvater die „treibende Kraft“ der „Operation Walküre“. Zu Unrecht insinuiert sie, Stauffenberg, der früh von Mordaktionen an Juden und von Verbrechen an der Zivilbevölkerung wusste, habe sich schon im Winter 1941/42 vom NS-Regime losgesagt und die Tötung Hitlers ins Auge gefasst.

Sophie von Bechtolsheim: Mein Großvater war kein Attentäter
Verlag Herder
144 Seiten
16 Euro
ISBN-13: 978-3451072178

Sie verschweigt, dass Stauffenberg Hitlers Entschluss vom Dezember 1941 lobte, den Oberbefehl über das Heer zu übernehmen und den „Führer“ im Januar 1942 als „überragende und willensstarke Persönlichkeit“ charakterisierte.

Stauffenberg wendete sich erst ab Herbst 1942 von der NS-Diktatur ab, im August 1943 weihte ihn Henning von Tresckow dann in die Umsturzpläne ein. Bechtolsheim räumt aber ein, ihr Großvater, der in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks erschossen wurde, habe mit seinem Tod „auch für eigene Schuld“ gebüßt.

Thomas Karlaufs „Stauffenberg“

Seine These lautet, die Verschwörer hätten sich nicht vom Entsetzen über die Verbrechen des Nationalsozialismus leiten lassen, sondern davon, „den Krieg möglichst rasch zu einem für Deutschland einigermaßen glimpflichen Ende zu bringen“. Die Militäropposition dürfe man „nicht mit dem viel zitierten Aufstand des Gewissens gleichsetzen“.

Thomas Karlauf: Porträt eines Attentäters
Karl Blessing Verlag
368 Seiten
24 Euro
ISBN-13: 978-3896674111

So überzeugend das Buch des Publizisten auch herausarbeitet, dass sich fast alle Verschwörer erst nach der absehbaren Kriegsniederlage vom Regime abwandten – den Männern des 20. Juli jedes ethische Motiv abzusprechen, hat dem Autor durchaus Kritik eingebracht (nicht zuletzt von Stauffenberg-Enkelin und Autorin von Bechtolsheim).

Karlauf hat auch eine Monografie über den 1933 gestorbenen Lyriker Stefan George geschrieben, Mittelpunkt eines ihn umgebenden elitären Kreises von Jüngern, zu denen auch die drei Stauffenberg-Brüder gehörten.

Offenkundig projiziert er Georges Postulat vom „Ethos der Tat“, die völlig wertfrei sei und nichts mit moralischen Kriterien zu tun habe, so stark auf Claus Schenk von Stauffenberg, dass dessen mutiger Versuch des Tyrannenmordes in völlige Schieflage gerät. Karlauf gesteht Stauffenberg lediglich zu, kein reiner Reaktionär gewesen zu sein, sondern den Kontakt zum SPD-Widerstandskämpfer Julius Leber gesucht zu haben.

Manfred Lütz' „Als der Wagen nicht kam“

Es lässt sich keiner der beiden Kategorien zuordnen, weil es im Kern um einen verschnürten Papierstapel von Lutz‘ verstorbenen Großonkel Paulus van Husen geht, den der Bestsellerautor in einem Schrank fand und jetzt publiziert hat.

Manfred Lütz: Als der Wagen nicht kam
Verlag Herder
384 Seiten
25 Euro
ISBN: 978-3-451-38421-9

Man liest die Lebenserinnerungen eines fast vergessenen Mannes, der im April 1945 das letzte Opfer des Volksgerichtshofs war, das Ende des Regimes im Zuchthaus erlebte und später erster Verfassungsgerichtspräsident Nordrhein-Westfalens wurde. Van Husen schildert ein Treffen am 14. Juli 1944 in seinem Berliner Haus. Stauffenberg war „ernster als sonst“, schreibt er, „ich bin überzeugt, dass er sich in dem Gespräch die innere Rechtfertigung suchen und hierfür geistigen Beistand haben wollte“.

Als Stauffenberg ging, waren seine letzten Worte: „Es bleibt also nichts übrig, als ihn umzubringen.“ Doch Hitler überlebte, der Krieg ging weiter, bis zum Mai 1945 starben noch Abermillionen von Soldaten und Zivilisten einen sinnlosen Tod.

Deshalb sollte man eines bei allen Kontroversen um den 20. Juli nicht vergessen: Stauffenberg, als Karrierist lange Zeit verstrickt in das NS-Regime, war einer der ganz wenigen, die mit ihrem Entschluss zum Staatsstreich aktiv Selbstkritik übten und das Unheil beenden wollten.

Mehr: Merkel hat die Akteure des Attentates auf Adolf Hitler als Vorbilder bezeichnet. Rechtsextremismus müsse man sich entschieden entgegenstellen.

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1 Kommentar zu "Buchtipps: Widerstand gegen Nationalsozialismus: Die Rolle Stauffenbergs"

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  • So ein Buch sollte man sich ersparen. Hier ging es lediglich darum, dass Hitler die deutsche Nation zu Grunde richtet; weniger um den Holocaust- Trotzdem sollte man den Stellenwert von Stauffenberg nicht herabsetzen.

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