Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Donald Trump

Über den US-Präsidenten gibt es mittlerweile viele Bücher. Ernsthaften Schaden richtete bislang keines aus.

(Foto: AP)

Einblicke ins Weiße Haus „Wir sind am Ort der Verrückten“ – Bücher über US-Präsident Trump

Über keinen US-Präsidenten sind in so kurzer Zeit mehr kritische Bücher geschrieben worden. Ernsthaft schaden konnte Donald Trump bislang keines. Ein Überblick über die Literatur.
Kommentieren

WashingtonIrgendein Buch über Donald Trump findet sich immer in den Top Ten der Bestsellerliste der „New York Times“. Manchmal sind es mehrere auf einmal. Kein Präsident hat die Buchlandschaft während seiner Amtszeit so dominiert wie Trump. Das liegt vor allem daran, dass die Skandale, Rücktritte und Provokationen seiner Regierung viel Angriffsfläche bieten. Wer bei den Eilmeldungen und Berichten über Trump nicht mehr hinterherkommt, dem stehen viele aktuelle Bücher zur Verfügung.

Das erste Trump-Buch, das nach seinem Einzug ins Weiße Haus für größeren Aufruhr sorgte, war Michael Wolffs „Fire and Fury“. Er schrieb die Trump-Regierung in die erste Krise des Jahres 2018, und vielleicht brauchte es einen hemmungslosen und eitlen Society-Journalisten wie Wolff, um der Welt einen intensiven Einblick in Trumps Alltag zu bieten. Der Präsident prüfte erfolglos ein Verbot, brach später mit seinem früheren Chefstrategen Steve Bannon, ein Kronzeuge in Wolffs Buch.

Dem Präsidenten fehle die kognitive Fähigkeit, sein Amt auszuüben, schreibt Wolff, er sei umgeben von Emporkömmlingen, Schmeichlern, Egomanen. Das Buch nährte Zweifel an Trumps Integrität: Wolff beschrieb, wie Trump das Weiße Haus in eine Art Horrorschloss voll Dilettantismus und Misstrauen verwandelt habe. Allerdings wurden dem Autor zum Teil schlampige Recherche und Schreibfehler vorgeworfen.

Glaubwürdiger ist „Furcht“ der Reporterlegende Bob Woodward, dessen deutsche Fassung in dieser Woche herauskommt. Es liest sich wie das Drehbuch eines Experimentalfilms, in dem viel gesprochen und geflucht wird, allein das Wort „fuck“ kommt 102-mal vor. Der Sound passt zum erratischen und impulsiven US-Regierungsstil. Vier Präsidentschaften hat der 75-jährige Woodward mit Enthüllungsbüchern begleitet, seine Recherchen zur Watergate-Affäre kosteten Richard Nixon in den Siebzigern das Amt.

„Furcht“ ist die bislang umfassendste Analyse des Weißen Hauses unter Trump und stellt die Loyalität führender Mitarbeiter infrage. „Trump ist ein Idiot“, soll John Kelly gesagt haben, als Stabschef einer der wichtigsten Berater des Präsidenten. „Wir sind am Ort der Verrückten.“ Auch für außenpolitisch Interessierte lohnt sich das Buch.

Bob Woodward: Furcht
Rowohlt
2018
525 Seiten
22,95 Euro

Woodward rekonstruiert die Kriegsgefahr mit Nordkorea, die Annäherung der USA an Saudi-Arabien, den Beinaheabzug aus Afghanistan und Trumps frühes Drängen auf ein Aus des Iran-Abkommens. „Furcht“ ist ein zentraler Teil im Trump-Bücherkanon und wird dabei helfen, die Präsidentschaft historisch einzuordnen.

Mafiaboss mit schwacher Libido

In die Reihe der glaubwürdigeren Trump-Bücher fällt auch „Größer als das Amt“ von James Comey. Wobei der Autor kein unabhängiger Journalist ist, sondern ehemaliger FBI-Chef, der im Mai 2017 von Trump gefeuert wurde. Comey schildert, wie Trump von ihm verlangte, die in der Verfassung verankerte Unabhängigkeit der Justiz zu begraben. „Ich brauche Loyalität. Ich erwarte Loyalität“, sagte er laut Comey.

Im Mittelpunkt des Buchs steht die sogenannte Russland-Affäre. FBI-Sonderermittler Robert Mueller untersucht seit einiger Zeit den russischen Einfluss auf die Präsidentschaftswahl und geht der Frage nach, ob Trump die Aufklärung darüber vereiteln wollte. Comey ist ein wichtiger Zeitzeuge, er bescheinigt dem US-Präsidenten „ethisch fragwürdiges“ Verhalten und vergleicht ihn gar mit Mafiabossen.

Comey ist ein exzellenter Beobachter, der den Leser gefühlt mit ins Oval Office nimmt. Allerdings fragt man sich nach der Lektüre, ob die Veröffentlichung zu einem späteren Zeitpunkt – nachdem Mueller seine Ermittlungen abschließen konnte – nicht angemessener gewesen wäre.

Verhältnismäßig neu in der Bücherliste ist die Autobiografie von Stephanie Cliffords („In aller Offenheit“), Star der amerikanischen Pornoindustrie, wo sie unter dem Namen Stormy Daniels bekannt ist. Ihre Person ist zentral für Trumps Zerwürfnis mit seinem langjährigen Anwalt Michael Cohen.

Das sind die Bücher über Donald Trump
Contra Trump: „Furcht“
1 von 8

Bob Woodward: Furcht

Rowohlt 2018, 525 Seiten, 22,95 Euro

Contra Trump: „Feuer und Zorn“
2 von 8

Michael Wolff: Feuer und Zorn

Rowohlt 2018, 480 Seiten, 19,95 Euro

Contra Trump: „Größer als das Amt“
3 von 8

James Comey: Größer als das Amt

Droemer 2018, 384 Seiten, 19,99 Euro

Contra Trump: „Entgleisung“
4 von 8

Omarosa Manigault Newman: Entgleisung

Piper 2018, 384 Seiten, 20,00 Euro

Contra Trump: „In aller Offenheit“
5 von 8

Stormy Daniels: In aller Offenheit

Knaur HC, 2018, 326 Seiten 18 Euro

Pro Trump: „The Briefing“
6 von 8

Sean Spicer: The Briefing

Regnery Publishing 2018, 256 Seiten, 28.99 Dollar

Pro Trump: „Liars, Leakers, and Liberals“
7 von 8

Jeanine Pirro: Liars, Leakers, and Liberals

Center Street 2018, 288 Seiten, 15 Euro

Trump und Cliffords trafen sich auf einem Golfturnier 2006, wenige Monate nachdem Melania Trump ihren Sohn Barron auf die Welt gebracht hatte. Laut Cliffords kam es zum One-Night-Stand, Cohen zahlte mutmaßlich 130 000 Dollar Schweigegeld. Aus einem Disput wurde ein Rechtsstreit, dazu steht der Verdacht des illegalen Einsatzes von Wahlkampfmitteln im Raum.

Cliffords Buch ist die interessante Lebensgeschichte einer smarten Frau aus armen Verhältnissen, die als 17-Jährige über Go-go-Auftritte in die Branche fand. „Okay, du hast wahrscheinlich die anderen Kapitel übersprungen?“, beginnt sie Kapitel 3, in dem sie besagte Nacht mit Trump beschreibt.

Dort erfährt der Leser mehr über Libidoschwächeleien des heute 72-Jährigen. Oder dass der Milliardär ein eher günstiges Shampoo verwendet. Wer Trumps Auftreten als Superreicher und die Gerüchte um seine außerehelichen Affären überblicken will, kann das Buch gut kaufen. Spätestens wenn Cliffords Anwalt, Michael Avenatti, tatsächlich – wie derzeit spekuliert wird – als Präsidentschaftskandidat für die US-Demokraten 2020 antritt, wird man es wieder ausgraben.

„Art of the Deal“ statt Bibel

Ein Rachebuch ist „Unhinged“ (zu Deutsch: „Entgleisung“) von Omarosa Manigault Newman, die mit Trump bei der Fernsehshow „The Apprentice“ zusammenarbeitete, im Weißen Haus einen nicht näher definierten Beraterjob ergatterte und gefeuert wurde. Sie beschreibt Trump als Rassisten, Frauenfeind und Narzissten. „Was denkst du, wie sie im Bett ist?“, soll Trump in Drehpausen gefragt haben.

Außerdem wollte er offenbar zum US-Präsidenten nicht mit der Bibel vereidigt werden, sondern mit seinem eigenen Bestseller „The Art of the Deal“. Viele chaotische Schilderungen über den Alltag im Weißen Haus finden sich im Buch, bei einigen Begegnungen ließ Manigault Newman das Tonband mitlaufen.

Omarosa Manigault Newman: Entgleisung
Piper
2018
384 Seiten
20 Euro

Trump schoss scharf gegen seinen einstigen Schützling, bezeichnete sie als „irre Omarosa“, was die Verkäufe ankurbelte. Komplett unglaubwürdig ist das Buch nicht, immerhin kennt Manigault Newman Trump seit 15 Jahren. Das Buch erklärt zum Teil, warum Trump-Kritiker an dessen Seite bleiben: Solange die Symbiose funktioniert, ist sie opportun, selbst wenn Trump ein Ekel sein sollte.

Bei so viel Kritik kommen wohlwollende Bücher über Trump fast interessant daher. Allerdings werden die Hoffnungen schnell zerstört. Autoren sind die Fox-Kommentatoren Jeanine Pirro („Liars, Leakers and Liberals“) und Gregg Jarrett („The Russia Hoax“). Der Tenor von Jarretts Buch: Alles, was mit Hillary Clinton zu tun habe, verdiene eine Untersuchung, alle Vorwürfe gegen Trump seien Quatsch. Man würde gern ein kluges Buch lesen, das die Russland-Affäre in Relation rückt oder gar die Trump-Kampagne entlastet. Doch Jarrett diskreditiert sich mit Unwahrheiten und juristischen Patzern.

Er behauptet einfach, dass Trump die Russland-Ermittlungen nicht habe behindern können, weil er schlichtweg unschuldig sei: „Er wusste, dass er nichts falsch gemacht hat.“ Belege bringt Jarrett allerdings nicht. Pirro konzentriert sich auf die von Trump verdammte Lügenpresse und den sogenannten „Deep State“ – eine angebliche geheime Einheit der Justizbehörden, die Trump torpediere.

Der Präsident pries beide Bücher über Twitter an, sie verraten einiges über die Verschwörungstheorien von Trump und seinen treuesten Fans. Man sollte die Wirkung nicht unterschätzen, beide Bücher halten sich in den Bestsellerlisten.

Lobeshymnen

Die rechtskonservative Bewegung ist viel organisierter als etwa zu Zeiten des Nixon-Skandals und publiziert, was das Zeug hält. Wer Trumps Gefolgschaft verstehen will, sollte in jedem Fall ein paar Pro-Trump-Bücher einplanen. Auch „The Briefing“ vom Ex-Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, fällt in diese Kategorie.

Sean Spicer: The Briefing
Regnery Publishing
2018
256 Seiten
28,99 Euro

Bekannt wurde der durch die erste Pressekonferenz von Trump, in der Spicer die Personenanzahl bei der Vereidigung hochjubelte. Im Buch finden sich allerdings Lückenfüllersätze wie: „Die Air Force One stieg in die Höhe, 5000, 10.000, 20.000 Fuß.“ Seine Memoiren strotzen vor peinlichen Lobeshymnen wie „Trump ist wie ein aufblasbarer Ball in einem Schwimmbecken. Nichts kann ihn versenken.“ Zum Kichern am Abend taugt das Buch allemal.

Die Fülle an kritischen Büchern hält den Druck auf Trump konstant hoch, ernsthaft geschadet haben sie ihm bislang nicht. Handfeste, juristisch heikle Vorwürfe finden sich in keinem der Bücher. Und um ihn des Amtes entheben zu können, etwa wegen erheblicher Zweifel an seiner Integrität, bräuchte es einen politischen Stimmungswechsel.

Doch die US-Demokraten kämpfen mit einem Comeback, auch, weil Trump politische Erfolge feiert. Der US-Wirtschaft geht es blendend, die Republikaner haben sich hinter Trump versammelt. Auch körperlich ist der in Hochform, reist bis zu viermal die Woche zu Kundgebungen. Eine Amtsenthebung ist nicht in Sicht, und die Zahl der Trump-Bücher wird steigen. Sie alle sind literarische Puzzlestücke einer Präsidentschaft, die viel Verwirrung stiftet und intensiver Erklärung bedarf.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Einblicke ins Weiße Haus - „Wir sind am Ort der Verrückten“ – Bücher über US-Präsident Trump

0 Kommentare zu "Einblicke ins Weiße Haus: „Wir sind am Ort der Verrückten“ – Bücher über US-Präsident Trump"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.