Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Interview Samu Haber: „Künstler sind heutzutage nicht dumm, sondern haben Ahnung vom Business“

Der Sunrise-Avenue-Frontmann war mit seiner Rockband erfolgreich. Trotzdem hat er die Band aufgelöst und investiert sein Geld nun in Start-ups und junge Künstler.
17.10.2020 - 13:42 Uhr Kommentieren
Der ehemalige Sänger investiert heute in Start-ups. Quelle: Lehtikuva
Samu Haber

Der ehemalige Sänger investiert heute in Start-ups.

(Foto: Lehtikuva)

Berlin Samu Haber hat das geschafft, wovon viele Träumen: Er ist als Frontman seiner Band Sunrise-Avenue erfolgreich und regelmäßig als Juror in großen deutschen TV-Produktionen zu sehen. Trotzdem entschied sich der Finne, seine Band aufzulösen und stattdessen in junge Künstler zu investieren.

Aber was genau macht gute Musik aus? „Das ist eine Frage, auf die es keine Antwort gibt“, erklärt Haber. „Ich verlasse mich da auf mein Bauchgefühl.“ 90 Prozent der Tapes, die er bekommt, seien schlecht. Zehn Prozent zumindest so gut, dass er die Instagram-Seite prüft und weitere Tracks anhört. „Weniger als ein Prozent der Künstler bleibt am Ende übrig, in die wir dann investieren.“

Seine Investitionen in Künstler seien trotzdem nicht unsicherer als die in Start-ups mit einem klaren Geschäftsplan. „Künstler sind heutzutage nicht so dumm, sondern haben ebenfalls Ahnung vom Business. Bei ihren Plänen steht nur eben nicht Geschäftsplan oben drauf“, erklärt Haber. Kürzlich ist Habers Autobiografie „Forever Yours“ erschienen (400 Seiten, Veröffentlichung: 14. Oktober 2020).

Geld verdient er mit seinen 20 Nachwuchskünstlern noch nicht. Doch das Spiel mit dem Risiko ist er gewohnt: Bevor der Sänger im Rampenlicht stand, war er vor allem mit zwielichtigen Geschäftsmodellen erfolgreich.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Lesen Sie hier das vollständige Interview:

    Wie würden Sie Ihre Rolle heute beschreiben? Musiker, Unternehmer, Entertainer?
    Das ist schwierig, weil irgendwie nichts davon so richtig zutrifft. Ich bin kein Profi-Musiker, weil ich insgesamt nur neun Gitarrenstunden in meinem Leben hatte. Ich bin kein ausgebildeter Unternehmer, weil ich nur kurze Zeit zur Finanzuniversität in Helsinki gegangen bin und dort relativ schnell versagt habe. Entertainer passt auch nicht.

    In Deutschland gibt es das Wort Lebenskünstler.
    Das klingt nach einem Typ, der seinen eigenen Wein macht und zwei Wochen lang mit der gleichen Unterwäsche zuhause sitzt. Ich bin Startup-Investor, ich manage junge Künstler, ich spiele gerne Musik und liebe es, als Juror in Castingshows zu sitzen. Ich weiß also nicht wirklich, was ich bin und ich möchte es auch nicht wissen.

    Ist es heutzutage überhaupt noch möglich nur eines dieser Standbeine zu haben?
    Ja. Ich habe letztes Jahr mit Sunrise Avenue nur acht Shows gespielt und bin nicht bei The Voice als Jury-Mitglied gewesen. Das hat funktioniert, aber es gibt natürlich noch 348 Tage im Jahr, an denen ich noch zwölf Stunden Zeit pro Tag habe für neue Projekte.

    Haben denn Ihre anderen Projekte kein Geld abgeworfen? Sie investieren schließlich in junge Künstler und Start-Ups.
    Damit verdiene ich kein Geld. Ich stecke Geld rein und das bleibt auch alles in den Projekten. Ich zahle mir da nichts aus, wenn ich beispielsweise mal nur acht Shows im Jahr spiele.

    In welche Künstler investieren Sie?
    Was macht gute Musik aus? Das ist eine Frage, auf die es keine Antwort gibt. Ich verlasse mich da auf mein Bauchgefühl. 90 Prozent der Tapes, die wir bekommen, sind schlecht. Zehn Prozent sind so gut, dass wir die Instagram-Seite prüfen und weitere Tracks hören. Weniger als ein Prozent der Künstler bleibt am Ende übrig, in die wir dann investieren. Da muss man seinen Instinkten folgen.

    Was bedeutet Ihr Investment in Künstler konkret? Zahlen Sie den Nachwuchsmusikern die Miete oder texten den nächsten Hit?
    Ich schreibe den zwanzig Künstlern, die ich unterstütze, definitiv keine Songs. Ich schaue eher, was sie brauchen. Das kann alles sein, von der Studiomiete über Kontakte zu den richtigen Produzenten bis hin zur Buchung von Songwriting-Sessions.

    Und bei den 20 Talenten springt noch bei keinem Geld für Sie ab?
    Natürlich würde ich mir gerne einen neuen Porsche kaufen, wenn jetzt einer von ihnen hundert Millionen pro Jahr verdient, aber so läuft mein Management nicht. Ich nehme keinen Cent von den Künstlern oder aus der Firma, sondern reinvestiere es.

    Selbst wenn jemand hundert Millionen pro Jahr verdient, bekommen Sie nichts?
    Doch, dann schon. Mir geht es aber eher darum, das große Ding gemeinsam zu erleben. Nach dem Motto: „Fuck yeah, we made it together!“.

    Bisher ist das noch nicht passiert. Sind Ihre Investitionen in Start-Ups da einfacher zu kalkulieren, weil die Firmen im Gegensatz zu Künstlern wenigstens einen Geschäftsplan vorlegen können?
    Das stimmt so nicht ganz. Künstler sind heutzutage nicht so dumm, sondern haben ebenfalls Ahnung vom Business. Bei ihren Plänen steht nur eben nicht Geschäftsplan oben drauf. Aber egal ob du in Firmen oder Menschen investierst, die ersten fünfzehn sind schrecklich und Sie verlieren Ihr ganzes Geld und Ihre ganze Zeit. Das ist die Lernkurve und alle sind zum Glück ohne Schaden rausgekommen.

    Was ist denn der finanziell ertragreichste Teil hinter der Marke Samu Haber?
    Ich habe mir die Zahlen nicht angesehen, aber wenn man Plattenverkäufe, Konzerte und Urheberrechte zusammenzieht wird es die Musik sein. Wobei man das teilweise auch nicht wirklich zuordnen kann. Markenpartnerschaften bauen beispielsweise auf meiner Musik- und Fernsehkarriere auf, wozu zählen dann die Einnahmen? Grundsätzlich stehe ich im Moment auf drei, vier guten Füßen.

    Sie waren 21 Jahre als, als Sie Ihr erstes großes Geld im Bereich Network Marketing verdient haben. Das ganze basierte auf einem Schneeballsystem. Wie sind Sie dort rein geraten?
    Oh, ein Typ in einer Bar hat mich damals angequatscht. Ich denke, ein Verlierer kann einen anderen Verlierer leicht erkennen und überzeugen. So war das auch bei mir. Der Typ hat mich dann zu Networking Treffen eingeladen. Ich war begeistert von der Energie dort und auch einfach noch sehr jung und unerfahren.

    Sie schreiben in Ihrem Buch, dass es eine selbstständige Friseurin gab, die ihren Laden aufgab, um Teil des Netzwerks zu werden. Mit welchen Methoden haben Sie die Menschen damals manipuliert?
    Manipulation ist ein hartes Wort. Ich habe nie jemanden manipuliert, sondern lediglich Leute mit Ideen bezaubert und inspiriert. Wo ist da die Lüge, wo die Manipulation? Das waren alles Erwachsene, die ihre eigenen Entscheidungen treffen konnten.

    Vielleicht wurden Sie selbst manipuliert? Sie haben schließlich geschrieben, dass es eine Weile gedauert hat, bis Sie gemerkt haben, dass mit dem Geschäftsmodell etwas nicht stimmt.
    Ich mag das Wort Manipulation einfach nicht. Das klingt nach Kim Jong Un oder Donald Trump. Ich war einfach entzückt von der Idee, viel Geld zu verdienen und habe die Dinge nicht objektiv betrachtet. Ich wollte nicht genau hinschauen, um dann zu entdecken, dass das alles Blödsinn ist.

    Damals haben Sie auch Ferienwohnrechte in Spanien für eine dubiose Firma an Touristen verkauft. Ihren Lohn haben Sie anschließend in einem Geldkoffer erhalten und so über Ländergrenzen transportiert. Wann waren Sie denn das letzte mal mit einem solchen Koffer unterwegs?
    Das passiert nicht mehr, weil Geld nun vor allem digitalen funktioniert. Das finde ich sehr langweilig. Mein Handy zahlt jetzt einfach für mich. Vor meiner Musikkarriere habe ich mein Gehalt in einem Koffer bekommen und mich damit in den Flieger zurückgesetzt. Das war spannend.

    Sie haben dafür sogar eine Offshore-Gesellschaft gegründet. Warum?
    Das war eher ein zusätzliches Abenteuer. Außerdem ist es nicht illegal eine Offshore-Gesellschaft zu gründen. Warum sollte das nur großen Firmen erlaubt sein und nicht mir?

    Heute sind Sie reich, berühmt und erfolgreich. Sie führen das Leben, was Sie sich damals erhofft haben. War die Musik nur das Mittel zum Zweck?
    Nein, die Musik war schon immer mein größter Traum. Aber der fehlende Erfolg war auch einer der Gründe, warum ich nach Spanien gegangen und in diese Geschäfte reingeraten bin. Ich wollte einfach mal raus, eine Atempause einlegen und habe dann diese komischen Leute kennengelernt. Heute kann ich sagen, dass es eine gute Erfahrung war und zum Glück niemand sein Geld verloren hat.

    Einige Kunden sind später vor Gericht gegangen, bis sie ihr Geld zurückbekommen haben.
    Aber nicht ich, sondern die Firmen, für die ich gearbeitet habe, haben Ihnen das Geld geschuldet und es ihnen dann zurückgezahlt.

    Bereuen Sie diese Phase?
    Keine Sekunde. Ich denke, es war eine sehr, sehr gute Erfahrung. Und ich bin fest davon überzeugt, dass ich heute hier nicht mit euch sitzen und über mein Leben sprechen würde, wenn ich damals in Helsinki geblieben wäre. In Spanien habe ich angefangen zu überlegen, was zum Teufel ich mit meinem Leben anstellen will.

    Welche Eigenschaften aus dieser Zeit haben Sie mitgenommen?
    Ich spreche Spanisch, das ist ziemlich cool. Und ich habe damals festgestellt, dass ich sehr energisch und unterhaltsam sein kann. Das war damals nützlich und ist es heute immer noch.

    Letztendlich konnten Sie sich mit Ihrer Band alle Träume erfüllen. Trotzdem haben Sie letztes Jahr das Ende bekannt gegeben. Gibt es eine neue Geschäftsidee, die Sie bezaubert hat?
    Nein, wenn ich Geld verdienen möchte, würde ich mit der Sunrise Avenue fortfahren. Das ist ein gutes Geschäftsmodell, das nach wie vor funktioniert. Ich brenne einfach nicht mehr für die Musik.

    Mehr: Der Ärzte-Drummer ist unter die Romanautoren gegangen – und direkt auf der Bestsellerliste gelandet. Schreiben, sagt Bela B., habe für ihn etwas Gottähnliches.

    Startseite
    Mehr zu: Interview - Samu Haber: „Künstler sind heutzutage nicht dumm, sondern haben Ahnung vom Business“
    0 Kommentare zu "Interview: Samu Haber: „Künstler sind heutzutage nicht dumm, sondern haben Ahnung vom Business“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%