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Kapitalismusdebatte „Die Lösung sind mehr große Unternehmen, nicht weniger“

Der US-Ökonom Tyler Cowen spricht im Interview über den Trend zur Kapitalismusschelte – und darüber, warum Volkswirtschaften Großunternehmen brauchen.
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In seinem aktuellen Buch verteidigt der US-Ökonom Großkonzerne wie Facebook und Amazon. Quelle: DREW ANGERER/The New York Times/
Tyler Cowen

In seinem aktuellen Buch verteidigt der US-Ökonom Großkonzerne wie Facebook und Amazon.

(Foto: DREW ANGERER/The New York Times/)

New YorkTyler Cowen, 57, ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der George Mason University im US-Bundesstaat Virginia. Inmitten von Kapitalismus- und Verteilungsdebatten hat der Ökonom ein Liebesbrief-Buch an Großkonzerne verfasst. Der einprägsame Titel: „Big Business“.

Herr Professor Cowen, weltweit mehrt sich die Kritik am Kapitalismus. Haben Sie eine Erklärung für diesen Unmut?
Wir haben fundamentale wirtschaftliche Probleme wegen der Globalisierung. Das hat in einigen Ländern negative Auswirkungen und die Ungleichheit verstärkt. Auch für die deutsche Mittelklasse haben sich die Gehälter schon lange nicht mehr erhöht. Aber es ist nicht fair, dass die Großunternehmen dafür verantwortlich gemacht werden.

Warum nicht?
Wir erwarten, dass große Unternehmen sich verhalten wie ein Freund oder ein Verwandter. Aber das können sie nicht. Ein Unternehmen ist ein unpersönliches Regelwerk, das Profit generieren muss. Manchmal geben sich Unternehmen zwar als Freund in ihrer Werbung und mit ihrem Kundenservice. Einige verhalten sich auch besser als andere. Aber dahinter stehen nicht die gleichen Motive wie bei einem echten Freund oder Verwandten.

Gibt es nicht gute Gründe, einige Großunternehmen zu kritisieren?
Großunternehmen sind nicht perfekt, und die Regierungen müssen sie mit Gesetzen regulieren. Aber sie sind innovativ und sie schaffen Jobs. Sie sind unsere Gans, die die goldenen Eier legt.

In Amerika wird das Wort „Sozialismus“ wieder salonfähig.
In den USA reden viele vom Sozialismus. Aber damit meinen sie etwas ganz anderes. Meistens handelt es sich um Kritik an bestimmten Unternehmen.

Tyler Cowen: Big Business
Macmillan USA
2019
259 Seiten
13,99 Euro
ISBN-13: 978-1250110541

Selbst Kapitalismus-Jünger wie der US-Hedgefonds-Manager Ray Dalio haben sich zuletzt kapitalismuskritisch geäußert. Wie kommt das?
Einige von diesen Finanzvertretern sind ernsthaft besorgt. Andere kritisieren aus Kalkül, als eine Art PR-Maßnahme, um zu zeigen, dass sie die Sorgen der Menschen ernst nehmen – in der Hoffnung, dass sie selbst nicht so stark belangt werden.

Aber gibt es nicht doch Grund zur Sorge?
Natürlich ist es schlecht, wenn gerade die Mittelklasse wichtige Jobs verliert. Aber die Lösung sind mehr große, innovative Unternehmen, nicht weniger. Außerdem muss man immer bedenken, dass die Globalisierung zwar die Ungleichheit innerhalb der Länder verstärkt hat. Doch die Ungleichheit zwischen den Ländern ist gesunken. China und seiner Bevölkerung geht es heute etwa deutlich besser als noch vor einigen Jahren.

In den USA wird auch über höhere Steuern für Superreiche diskutiert. Verschiedene Milliardäre wie Warren Buffett haben sich dafür ausgesprochen.
Ich glaube, dass eine höhere Besteuerung der Topverdiener unausweichlich ist, da die USA derzeit so ein hohes Defizit fahren und bei den Topverdienern Geld zu holen ist. Aber es geht nicht darum, die Reichen zu bestrafen wie bei der Französischen Revolution. Es geht darum, unser Budget wieder in Ordnung zu bekommen.

Kann das Modell einer Sozialen Marktwirtschaft eine Lösung sein?
Ich denke, dass jene Länder, die Kapitalismus mit einem sozialen Netz verbinden, am besten fahren. Dazu zähle ich Deutschland, Großbritannien, Kanada und Australien ebenso wie die USA. Auch wenn das im Ausland nicht immer so ankommt: Wir geben in Amerika sehr viel Geld für unser soziales Netz aus. Bloß tun wir das nicht gerade effizient. Aber damit diese Modelle funktionieren, brauchen diese Länder große Unternehmen. Nur sie bringen die nötige Innovation.

Herr Cowen, vielen Dank für das Interview!

Mehr: Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert spricht von Sozialismus – und die Republik steht kopf. Die Debatte zeigt: Wer die Marktwirtschaft retten will, muss sie erneuern.

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