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Kolumne: Auf ein Buch Diese Bücher bringen Optimismus in den Corona-Alltag

Krise, Kurzarbeit, Insolvenz: Wer zur Abwechslung Lust auf positive Nachrichten hat, könnte bei der Lektüre von zwei aktuellen Büchern landen.
07.05.2020 - 17:11 Uhr Kommentieren
Ein bisschen Optimismus kann zwischen all den Schreckensnachrichten nicht schaden. Quelle: Kinga Cichewicz/Unsplash
Lektüre in Corona-Zeiten

Ein bisschen Optimismus kann zwischen all den Schreckensnachrichten nicht schaden.

(Foto: Kinga Cichewicz/Unsplash)

Während ich diese Zeilen schreibe, scrolle ich parallel durch aktuelle Überschriften. Ich bin auf der Suche nach positiven Zeilen, werde jedoch erwartungsgemäß enttäuscht. „Erst die Kurzarbeit, dann der Rauswurf? – Die große Jobangst“ heißt es beispielsweise. Eine Überschrift, die exemplarisch für viele andere steht.

Der „Negativity Bias“, also unsere verzerrte Wahrnehmung für das Negative, hat sich wieder einmal durchgesetzt. Journalisten wissen schon seit Jahrzehnten, was im vergangenen Jahr durch Forscher der University of Michigan bestätigt wurde: Die meisten Menschen reagieren körperlich stärker auf schlechte Nachrichten als auf gute.

Beim Messen der Leitfähigkeit der Haut und des Herzschlags stellten die Wissenschaftler aber auch fest, dass nicht alle Probanden gleich stark reagierten. Es gibt also vermutlich eine Grenze, ab der man keine Lust mehr hat, die nächste Schreckensnachricht zu konsumieren.

Zur Abwechslung also nun eine positive Nachricht: Im Grunde ist die Menschheit gut. Zumindest nach Meinung des niederländischen Autors und Historikers Rutger Bregman, dessen neuestes Buch „Im Grunde gut: Eine neue Geschichte der Menschheit“ gerade erschienen ist.

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    Bregman will damit eine positive Geschichte der Menschheit schreiben. Er hat sich durch unzählige Bücher und wissenschaftliche Studien gelesen. Er hat Interviews geführt und ist weit in der Geschichte zurückgereist. Alles mit der Frage im Hinterkopf: „Ist der Mensch wirklich so egoistisch, schlecht und grausam, wie er in den Medien häufig dargestellt wird?“

    Altruismus statt Egoismus

    Seine Ergebnisse sind erstaunlich: Wir sprechen immer vom „survival of the fittest“, Bregman hingegen nennt es „survival of the friendliest“. „Wir sind ja als Tierart weder besonders intelligent – die Neandertaler hatten zum Beispiel größere Gehirne als wir –, noch sind wir besonders stark. Wir sind nicht einmal besonders geschickt darin, auf Bäume zu klettern“, sagt der Autor. „Aber wir haben diese versteckte Supermacht entwickelt, nämlich zusammenarbeiten zu können.“

    Seine Theorie manifestiert sich in verschiedenen menschlichen Eigenschaften. Am interessantesten fand ich aber den Fakt, dass wir die einzige Spezies sind, die errötet. Warum sollte es einen evolutionären Vorteil bieten, zu erröten und damit unwillkürlich etwas von seinen Gefühlen preiszugeben?

    Die Biologen sind zur Ansicht gelangt, dass diese Eigenschaft dazu diente, Vertrauen und Zusammenarbeit zu fördern. Aus diesem Grund können wir sagen, dass es nicht zum Überleben des Stärksten, sondern zum Überleben der freundlichsten Art beigetragen hat.

    Rutger Bregman: Im Grunde gut. Eine neue Geschichte der Menschheit.
    Rowohlt
    480 Seiten
    24 Euro

    In einem Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur zieht Bregman natürlich auch die Parallele zur Coronakrise. Er sagt, dass das Wesen des Menschen uns gerade bei Naturkatastrophen oder in Kriegen enger zusammenrücken lässt. „Es kommt dann geradezu zu einer Explosion des Altruismus und des Einanderhelfens.“

    Wenn das in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wird, liegt das Bregman zufolge vor allem an einigen Medien. Denn diese nähmen solche Ereignisse zum Anlass, um über Plündereien von außer Rand und Band geratenen Massen zu berichten. Wenn Wissenschaftler jedoch solide Forschungen vor Ort anstellen, stellt sich heraus, dass es gerade bei Naturkatastrophen zu einem Aufblühen von altruistischem Verhalten kommt.

    Als hätte er die aktuelle Diskussion über das richtige Ende des Lockdowns vorhergesehen, erwähnt er zum Schluss auch mahnende Stimmen: „Wir sollten aufpassen, dass unsere Freundschaftlichkeit nicht in blinde Gefolgschaft umschlägt. Denn dann kann es durchaus passieren, dass Menschen Böses tun. Nicht weil sie sadistisch veranlagt wären, sondern weil sie der Gruppe etwas Gutes tun wollen und Befehle befolgen.“

    Ein Buch, das gleichzeitig positiv stimmt und zum Nachdenken anregt. Der perfekte Ersatz für negative Nachrichten und ein Plädoyer für eine neue Geschichte der Menschheit.

    Gestärkt aus der Krise gehen

    Jetzt sind wir aber nun einmal mitten in einer Krise – ob wir wollen oder nicht. Deshalb möchte ich Ihnen noch eine zweite Buchempfehlung mitgeben. Das Buch stammt von Mark Wallert und heißt: „Stark durch Krisen: Von der Kunst, nicht den Kopf zu verlieren“.

    Vielleicht haben Sie es vor 20 Jahren mitbekommen? Mark Wallert wurde gemeinsam mit seinen Eltern und anderen Touristen auf den Philippinen entführt. 140 Tage hielten sie ihn gefangen, bevor er als eine der letzten Geiseln endlich freigelassen wurde.

    Nach verschiedenen Stationen als Führungskraft ist Wallert heute Krisen- und Resilienz-Trainer. Auch wenn er den Corona-Ausbruch nicht ahnen konnte, hätte er kein besseres Timing für die Veröffentlichung seines Buches wählen können.

    Marc Wallert: Stark durch Krisen. Von der Kunst, nicht den Kopf zu verlieren.
    Econ Verlag
    304 Seiten
    18 Euro

    Es beginnt mit einer detaillierten Beschreibung seiner Entführung: Er lag nach dem letzten Tauchgang mit Cocktails im Sonnenuntergang. Neben ihm seine Eltern und weitere Touristen – dann plötzlich Schüsse. Bewaffnete Männer standen hinter ihnen, Raketenwerfer über der Schulter. Alle Touristen mussten in ein kleines Boot klettern und sie fuhren auf das offene, dunkle Meer hinaus. Stundenlang fuhren sie, bis sie schließlich auf einer kleinen Insel ankamen und dort, von Kindersoldaten bewacht, zusammengepfercht wurden.

    Neben der bildhaften Beschreibung, bei der man manchmal das Gefühl hat, selbst dabei gewesen zu sein, geht Wallert natürlich vor allem darauf ein, was er daraus gelernt hat. Positive Gedanken und Bilder haben ihm damals viel Kraft gegeben. Er hat sich immer wieder ausgemalt, wie er nach der Freilassung seinen Bruder wiedersehen und in die Arme schließen würde.

    Geholfen hat Wallert dabei eine tägliche Routine. Vor dem Zubettgehen stellte er sich immer die Frage: „Was sind heute drei Dinge gewesen, für die ich trotz der Lage dankbar sein kann?“. Diese Dankbarkeit steigert die Resilienz und lässt uns den Glauben an das Gute nicht verlieren.

    Bis heute ist ihm dieser Optimismus wichtig und er legt dabei viel Wert auf kleine Feinheiten. So wird er zum Beispiel immer wieder als „Entführungsopfer“ bezeichnet. Dieser Titel gefällt ihm jedoch gar nicht. Er sieht sich eher als „Entführungsüberlebender“. Wer sich Opfer nennt, zementiert den Zustand des Problems. Mark Wallert jedoch hat diese schwierige Situation vor 20 Jahren überlebt und ist gestärkt daraus hervor gegangen.

    Lassen Sie auch uns aus dieser Krise gestärkt hervorgehen. Jeder einzelne von uns kann dazu beitragen, mehr Optimismus und gute Nachrichten zu verbreiten. Ich zähle auf Sie!

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