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Literatur „Eine kurze Geschichte der Trunkenheit“ – Alkohol-Geschichten von der Steinzeit bis heute

Der Fall Strache zeigt, wozu sich Menschen unter Alkoholeinfluss hinreißen lassen. Ein Buch von Mark Forsyth lässt historische Parallelen zu.
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Der britische Sprachwissenschaftler sammelt in seinem Buch mehrere Alkohol-Geschichten. Quelle: ddp images/CAMERA PRESS/Guy Bell
Mark Forsyth

Der britische Sprachwissenschaftler sammelt in seinem Buch mehrere Alkohol-Geschichten.

(Foto: ddp images/CAMERA PRESS/Guy Bell)

MünchenDass Alkohol Politiker-Karrieren schwer lädieren und ein ganzes Land in eine Staatskrise stürzen kann, haben Heinz-Christian Strache und die sogenannte Ibiza-Affäre jüngst eindrucksvoll gezeigt. Das Video von der Partyinsel, auf dem der damalige FPÖ-Chef einer vermeintlichen russischen Oligarchin Staatsaufträge als Gegengefallen für Wahlkampfhilfen in Aussicht stellt, sei „dumm“ gewesen, „unverantwortlich“, „ein Fehler“, so Strache.

Aber, so entschuldigte sich der FPÖ-Mann öffentlich, es sei noch etwas gewesen: eine, Zitat, „b’soffne G’schicht“.

Der britische Sprachwissenschaftler Mark Forsyth hat in seinem Buch „Eine kurze Geschichte der Trunkenheit. Der „Homo alcoholicus“ von der Steinzeit bis heute“ mehrere solcher Geschichten gesammelt. Demnach waren wir Trinker, bevor wir Menschen wurden. Vor Jahrmilliarden schwappten unsere Vorgänger, einzellige Mikroben, selig in einer ethanolhaltigen Ursuppe.

Später, bei den alten Griechen, so erzählt es der Autor, zeichnete sich etwa Sokrates dadurch aus, Unmengen von Alkohol konsumieren zu können, „ohne je einen im Tee zu haben“. Was man laut Forsyth auch Konfuzius nachsagte.

Die Römer betranken sich im „Convivium“, einem Bankett der Eitelkeiten, bei dem regelmäßig die Kelche flogen.
Und selbst Jesus erlebte seinen Karrieredurchbruch so richtig, als er bei der Hochzeit zu Kana Wasser in Wein verwandelte.

Auch anderswo wurde gebraut, gebrannt und gekeltert: Die Azteken machten „Pulque“ aus dem fermentierten Sirup der Agave, vom Alkoholgehalt her etwa mit Cidre vergleichbar.

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Die Wikinger tranken Met, fermentierten Honig. Wer es übertrieb, konnte direkt in Walhalla landen. Dort traf man im besten Fall auf Heidrun, die heilige Ziege, aus deren Euter „ohne Unterlass gutes, starkes Bier floss“. Oder auf Odin. Als Chefgott der Wikinger trank dieser aber nur Wein.

Sehr viel später kamen die moderneren Spirituosen auf. „Ab der Mitte des 17. Jahrhunderts war Westeuropa vollkommen verrückt danach“, schreibt der Linguist Forsyth. Die Franzosen tranken Brandy, die Holländer Jenever, ein Wacholder-Getränk und Vorgänger des Gin.

Forsyths „Geschichte der Trunkenheit“ liest sich unterhaltsam, auch wenn der Witz bisweilen arg gequält daherkommt und historische Details oft in Albernheit versinken. Sie handelt zugleich von Verboten, von Kasteiung, vom vergeblichen Versuch, Mensch und Alkohol zu entzweien. Die Prohibition in den USA währte immerhin 13 Jahre – in der Zeit entwickelten sich allerdings Cocktailkultur und illegale „Flüsterkneipen“, in denen Männer und Frauen gemeinsam tranken. So weit, so bekannt.

Was weniger Leute wissen dürften: 1914 erklärte Zar Nikolaus II. den Verkauf von Wodka in Russland für ungesetzlich. Allzu lang hatte er danach nicht zu leben.

Schließlich trinken die Russen, so steht es in Forsyths Buch, nicht nur gern, sie sind auch „Meister darin, andere zum Trinken zu überreden“, wie schon ein Gesandter des Heiligen Römischen Reiches im 16. Jahrhundert notiert haben soll. Das gilt offenbar auch für vermeintliche russische Oligarchinnen.

Mehr: Der zurückgetretene österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat eine „Mitschuld“ an der Ibiza-Affäre eingeräumt. Sehen Sie hier sein Statement im Video.

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