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Literaturtipp: Zukunftsblind Warnung vor Risiken des digitalen Umbruchs – Weckruf eines Tech-Investors

Der Kapitalgeber Benedikt Herles glaubt, dass der immer schneller werdende Fortschritt in unserer Welt vor allem eins hervorbringt: Verlierer.
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Der Autor möchte den Blick seiner Leser nicht nur schärfen, sondern dafür sorgen, dass sie überhaupt sehen. Quelle: Kölnmesse GmbH
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Der Autor möchte den Blick seiner Leser nicht nur schärfen, sondern dafür sorgen, dass sie überhaupt sehen.

(Foto: Kölnmesse GmbH)

DüsseldorfIch bin kein Prophet, schreibt Benedikt Herles. Voraussagen, wie die Welt in 100 Jahren aussehen würde, könne er nicht. Also ist er Brillenmacher geworden. Zumindest im übertragenen Sinne. Der Autor möchte den Blick seiner Leser auf die Zukunft nicht nur schärfen, er möchte dafür sorgen, dass sie sie überhaupt sehen: „Zukunftsblind“ heißt sein neues Buch. Untertitel: „Wie wir die Kontrolle über den Fortschritt verlieren.“

Herles ist eigentlich Risikokapitalinvestor, arbeitet viel mit Unternehmen und Start-ups aus dem Technologiebereich zusammen. Was er dabei beobachtet: Die Wirtschaft Deutschlands arbeite längst mit Hochdruck an ihrer digitalen Erneuerung, schreibt der Ökonom. „Aber die sozialen und technologischen Risiken der technologischen Umbrüche nehmen wir hin, als könnten wir nichts unternehmen.“ Und das, obwohl wir gerade am „vielleicht wichtigsten Wendepunkt der Zivilisationsgeschichte“ stehen.

Um seinen Punkt zu betonen, geht Herles auch kurz zurück zur ersten ökonomischen Revolution der Menschheitsgeschichte im Jahr 10.000 vor Christus, als die Menschen mit dem Ackerbau begannen.

Es ist der Ausgangspunkt eines zunehmend gehetzten Laufs durch die Geschichte: Es geht um die Industrialisierung, Kapitalismus, Leben mit und ohne Schrift, mit und ohne Thermomix, mit und ohne Internet, die Idee des Fortschritts, die Enthumanisierung der Ökonomie, Edge-Computing, Künstliche Intelligenz und Genmanipulation. Zwischendurch atmet der Autor kurz durch und erzählt kleine Anekdoten, Erfahrungen, Beobachtungen.

Fast scheint es, als wolle Benedikt Herles dem Leser seine These zum Kontrollverlust beweisen, indem er den Leser mit so vielen Details überschüttet, dass der gar nicht mehr weiß, wo er als Erstes hinschauen soll.

Benedikt Herles: Zukunftsblind
Droemer Knaur
München 2018
304 Seiten
20 Euro
ISBN: 978-3426277317

Aber Herles weiß es. Er beschreibt drei wesentliche Risiken der Zukunft: das Spaltungsrisiko, das Herrschaftsrisiko und das Gesinnungsrisiko. Die technologisch-wissenschaftlichen Entwicklungen werden mehr Verlierer als Gewinner produzieren. Das könnte unter anderem die Mittelschicht dezimieren, durch Genmanipulation Bio-Eliten entstehen lassen und langfristig die sozialen Belastungsgrenzen der Gesellschaft sprengen.

Gleichzeitig überlassen wir immer mehr Entscheidungen Algorithmen, deren Besitzern wir große Macht zugestehen. Das Ganze wird begleitet von einer Gesellschaft, die sich zunehmend die Sinn-Frage stellt. Die etablierten Politiker haben darauf kaum Antworten, was Populisten zu Vormachtstellungen verhilft.

So weit, so bedrückend. Doch nun kommt der Teil, an dem Herles nicht nur Brillen verteilt, um die Zukunft sehen zu können, er bietet auch Lösungen für die Probleme an. Seine Kernforderung: Die Fortschrittsrendite muss gerecht verteilt werden. Künstliche Intelligenz wird den Wohlstand der Nationen befeuern, schreibt er.

Die Frage ist nur: Wer bekommt das Geld. Also fordert der Autor unter anderem Löhne und Kapital gleich hoch zu besteuern, ein bedingtes, statt ein bedingungsloses Grundeinkommen, eine Bildungsrevolution, Aktien für alle Mitarbeiter, mehr Transparenz bei Steuerzahlungen, einen Staatsfonds, der in Technologieunternehmen investiert und ein Zukunftsministerium.

Mit vielen Beobachtungen liegt Benedikt Herles richtig. Über seine Interpretationen lässt sich diskutieren. Sein Buch soll ein „Weckruf“ sein – und so liest es sich auch.

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