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Merchandising Die unrühmliche Geschichte – Anwälte streiten um Rechte an Ende-Roman

Michael Ende hat mit der „Unendlichen Geschichte“ einen Klassiker geschrieben. Nun streiten Anwälte um die Merchandisingrechte. Das Gericht entscheidet am Donnerstag.
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Noah Hathaway in seiner Rolle als Atreju neben dem Glücksdrachen Fuchur: Das Oberlandesgericht München beschäftigt sich mit einem Rechtsstreit um die Merchandisingrechte an „Die unendlichen Geschichte“. Quelle: dpa
Szene aus „Die unendliche Geschichte“

Noah Hathaway in seiner Rolle als Atreju neben dem Glücksdrachen Fuchur: Das Oberlandesgericht München beschäftigt sich mit einem Rechtsstreit um die Merchandisingrechte an „Die unendlichen Geschichte“.

(Foto: dpa)

DüsseldorfWer wissen will, wie sich Glück anhört, muss „Die unendliche Geschichte“ lesen. Sie handelt unter anderem von dem Glücksdrachen Fuchur, dessen Stimme wie „das Dröhnen einer Bronzeglocke“ klingt. Wer sie hört, heißt es in dem Buch, kann sie nie wieder vergessen. Fuchur vertraut immer auf sein Glück – und wird nie enttäuscht. Doch seinem Erschaffer Michael Ende hat Fuchur nur Unglück gebracht.

Der Autor hat die Filmrechte an dem Roman von 1979 schon ein Jahr nach Erscheinen freigegeben und das genauso schnell bereut. Ende missfiel, was die Produzenten aus Fuchur und dem Rest seiner Geschichte machten. Die erste Adaption von Star-Regisseur Wolfgang Petersen und Produzent Bernd Eichinger aus dem Jahr 1984 bezeichnete der Autor als „gigantisches Melodram aus Kitsch, Kommerz, Plüsch und Plastik“.

35 Jahre und zwei Fortsetzungen später sorgt Fuchur noch immer für Ärger. Endes Nachlassverwalter streitet derzeit mit einem Rechtsanwalt vor dem Oberlandesgericht. Es geht um die Merchandisingrechte an dem Glücksdrachen und der „unendlichen Geschichte“. Das Gericht will am Donnerstag ein Urteil sprechen.

Hintergrund des Streits sind mehrere Verträge, die die Verfilmungs- und Merchandisingrechte regeln sollten. Der älteste stammt aus dem Jahr 1980 und übertrug die Rechte an den Münchner Rechtsanwalt Klaus Kähler, der als „Associate Producer“ auch an dem 1984 erschienenen Film beteiligt war.

„Ende wollte zunächst gar kein Merchandise, weil er Angst vor Kitsch hatte und befürchtete, dass die Seriosität seines Werkes darunter leiden würde“, sagt Kähler. Er habe daraufhin mit dem Autor die Lucasfilm-Studios in San Francisco besucht, wo gerade ein Teil der Filmreihe „Star Wars“ gedreht wurde. „Was er dort gesehen hat, hat ihn tief beeindruckt und zu einem Sinneswandel geführt. Plötzlich hat Ende verstanden, worum es bei Merchandising geht“, sagt Kähler.

Ende war ein Kino-Fan und begeistert von den technischen Möglichkeiten. Er träumte von einer Verfilmung, die seinem künstlerischen Anspruch gerecht werden konnte. Doch die sollte es nie geben. Was Kähler zufolge als harmonische Dreharbeiten zur Verfilmung der „unendlichen Geschichte“ begann, endete in einer der spektakulärsten Auseinandersetzungen im deutschen Kulturbetrieb.

Ende fühlte sich während der Arbeit an dem Drehbuch ausgeschlossen, war entsetzt über den Cliffhanger, der eine Fortsetzung möglich machen sollte. Der Autor warf den Produzenten vor, ihn ausgetrickst und sein Werk entstellt zu haben. Der Film kam 1984 trotzdem in die Kinos – und wurde ein Erfolg. Für Ende aber war das kein Trost. Er ließ letztlich sogar seinen Namen aus dem Streifen streichen.

Filmrechte fallen in der Regel nach einer bestimmten Zeit an den Autor oder seinen Verlag zurück – im Falle des 1995 verstorbenen Endes an dessen Nachlass, den der Testamentsvollstrecker Wolf-Dieter von Gronau verwaltet. Der Wirtschaftsanwalt hütet seitdem das Ende-Werk und betont, dass es dabei nicht nur um Geld gehe. „Meine Hauptaufgabe ist es, Endes Werk lebendig zu halten“, sagt Gronau.

Sein Problem: Im Falle der „unendlichen Geschichte“ erheben auch andere Ansprüche, zum Beispiel Kähler. Der Münchner Anwalt ist der Meinung, dass nur die Filmrechte an Endes Nachlass zurückgefallen seien, nicht aber die Merchandisingrechte. Zudem behauptet er, dass Ende selbst ihm auch die Merchandisingrechte an der Romanvorlage zugesichert habe – und zwar ohne örtliche und zeitliche Begrenzung.

Kähler hat seine vermeintlichen Rechte an seinen Sohn abgetreten, der nun gegen Gronau klagt und sich auf mehrere Absprachen und Verträge beruft, die zwischen 1980 und 1992 getroffen wurden. Der Autor, so schildert es die Klägerseite, habe dringend Geld gebraucht und die Ansprüche deshalb so umfassend abgetreten.

Gleichzeitig wollte er Kähler zufolge sicherstellen, dass der Münchner Jurist auch in Zukunft ein relevantes Mitspracherecht im Sinne Endes ausüben kann. „Wir hatten immer ein gutes Verhältnis. Ende hat mich als kompetent eingestuft und wusste, dass ich sein Werk nicht verramschen würde“, sagt Kähler.

Der Hamburger Medienanwalt Ralph Oliver Graef, der Endes Testamentsvollstrecker Gronau vertritt, bezeichnet Kählers Schilderungen als „konstruiert und unglaubwürdig“. Merchandisingrechte bei Filmproduktionen würden immer nur an der konkret hergestellten Produktion eingeräumt – nicht aber an dem Buch, das als Vorlage dient.

Zudem sei es Ende immer um seine künstlerische und moralische Glaubwürdigkeit gegangen, Kähler sei deshalb ein „ein rotes Tuch“ für den Autor gewesen. Die professionelle Leistung des Münchner Anwalts habe im Wesentlichen darin bestanden, den Autor in Bezug auf „Realisierung und Qualität des Films zu täuschen“, sagt Graef.

Streit um die Rechte an künstlerischen Werken ist nicht ungewöhnlich, wie etwa die Pumuckl-Fehde gezeigt hat. Der von der Kinderbuchautorin Ellis Kaut erdachte Kobold existierte nur als Hörspielfigur – bis Kaut die Illustratorin Barbara von Johnson beauftragte, ihm eine Gestalt zu geben. Johnson illustrierte in den folgenden Jahren zehn Bücher. Später schaffte es Pumuckl auch ins Fernsehen, allerdings in einer abgeänderten Fassung, für die Kauts Schwiegersohn Brian Bagnall verantwortlich war.

Das löste eine Fehde zwischen Kaut und Johnson aus, die jahrelang darüber stritten, wer welche Urheberrechte hat. Der Konflikt war auch ein Grund dafür, dass Pumuckls Präsenz in den Medien mit der Zeit verblasste – unter anderem weil die Serie „Pumuckl TV“ 2007 wegen des Urheberrechtsstreits eingestellt werden musste. Ein Schicksal, das Nachlassverwalter Gronau den Figuren aus der „unendlichen Geschichte“ ersparen möchte.

Die Chancen dafür stehen gut. Das Landgericht München I hatte schon im Mai 2018 zugunsten des Nachlassverwalters entschieden. Es urteilte, dass weder Kähler noch seinem Sohn die Rechte an dem Werk zustehen – schon gar nicht an dem Roman selbst oder möglichen Filmproduktionen in der Zukunft (Az: 37 O 13142/17). Die erste Instanz folgte der Argumentation Graefs und stellte klar, dass es in dem Fall um die Rechte bezüglich des konkreten Spielfilmprojekts gegangen sei.

Kähler erklärte, dass er seine Klage gegen eine Zahlung von 50.000 Euro zurückziehen würde. Das kommt für Gronau aber nicht infrage. Das Oberlandesgericht München räumte dem Kläger bei der mündlichen Verhandlung zwar kaum Chancen ein. Der Vorsitzende Richter regte aber dennoch an, beide Parteien sollten sich auf einen Vergleich einigen. So solle verhindert werden, dass der Streit vor dem Bundesgerichtshof (BGH) landet – und selbst zur unendlichen Geschichte wird.

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