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(Foto: Janko Ferlic on Unsplash)

Quergelesen In diese Bauhaus-Bücher lohnt sich mehr als ein Blick

Viele unterschiedliche Bücher landen auf unseren Schreibtischen. Wir wählen aus, lesen und bewerten – diesmal sind es Werke zum Bauhaus-Jubiläum.
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Magdalena Droste: bauhaus
Taschen
Aktualisierte Ausgabe
400 Seiten
40 Euro
ISBN: 978-3836572798

Darum geht es: Das Bauhaus feiert in diesem Jahr den 100. Geburtstag. Und alles, was von 1919 bis 1933 zunächst in Weimar, dann in Dessau und Berlin ersonnen, entworfen und umgesetzt wurde, hat auch heute noch den Nimbus des Modernen, manches wirkt geradezu zeitlos. Den Bauhaus-Künstlern ging es in ihrem ganzheitlichen Ansatz darum, alle Bereiche des Lebens zu reformieren, und das mithilfe einer neuen Pädagogik und der Fusion von Kunst, Handwerk und Technik. Am Anfang stand folgerichtig die Gründung der Bauhaus-Hochschule, in der die interdisziplinären Ideen, die dann die Welt veränderten, entwickelt und ausgeführt werden konnten.

Das meinen wir: Das opulente Buch von Magdalena Droste mit dem typisch bauhäuslerisch kleingeschriebenen Titel „bauhaus“ aus dem Taschen-Verlag war schon bei seiner Ersterscheinung vor 30 Jahren ein Standardwerk. Es ist es nun, in dieser stark erweiterten und aktualisierten Ausgabe, umso mehr. Es erzählt die Geschichte von den Anfängen in Weimar, wo es wegen der rechtskonservativen Politik ab 1924 die Zelte abbrach, über die Zeit in Dessau und Berlin bis zum jähen Ende 1933.

Und es stellt die Protagonisten vor: Walter Gropius, der das Bauhausmanifest verfasste und die Institution in den ersten Jahren leitete, Johannes Itten, den so begnadeten wie exzentrischen Lehrer, Paul Klee, Wassily Kandinsky und viele mehr. Die vielen Hundert Abbildungen zeigen, was dieser neue Ansatz hervorbrachte – natürlich die Gebäude, denn Architektur ist die Königsdisziplin, aber eben auch Möbel, Tapeten, Kannen und Lampen, Fotografie, Druckgrafik und Bühnen- und Kostümentwürfe fürs Theater.

In diesem Buch zu blättern ist eine wahre Freude und ein Genuss. Man begreift, dass Form und Funktion hier in ein neues, mustergültiges Verhältnis gebracht wurden und die damaligen Fragestellungen auch 2019 weiter relevant sind und inspirieren.

Nicholas Fox Weber: Die Bauhaus-Bande. Meister der Moderne
Dom publishers
2018
544 Seiten
48 Euro
ISBN: 978-3869224800

Darum geht es: Das Bauhaus ist bis heute in Gebäuden und Gegenständen manifest, die jedoch nichts über diejenigen verraten, die sie entworfen und realisiert haben. Wer aber waren diese Menschen? Was trieb sie an? Wie war das Verhältnis dieser Persönlichkeiten untereinander? Der amerikanische Forscher Nicholas Fox Weber, der lange die Albers Foundation leitete und die beiden Bauhaus-Protagonisten Josef und Anni Albers persönlich kannte, geht diesen Fragen nach.

Das meinen wir: Das Buch „Die Bauhaus-Bande“ erzählt die Geschichten von sechs Menschen – neben den Albers Walter Gropius, Paul Klee, Wassily Kandinsky und Ludwig Mies van der Rohe –, die das Bauhaus prägten, jeder auf seine Weise. Der Autor gewährt in seiner Gruppenbiografie mitunter sehr persönliche Einblicke in deren Leben und macht auch nachvollziehbar, wie sie arbeiteten, lehrten und für ihre Sache kämpften.

Es macht Spaß, seinen anekdotenreichen Erzählungen zu folgen, den Kreativen quasi über die Schulter zu schauen und dem Geist und intellektuellen Furor jener Zeit nachzuspüren. Köstlich ist etwa vieles, was er zu Walter Gropius zum Besten geben kann, „der nach seinen eigenen Regeln lebte“ und immer darauf bedacht war, „der Erste zu sein“.

Nachdenklich stimmt dagegen die Beschreibung seines Kampfs am Ende der Weimarer Zeit, als nationalistische Kräfte in Thüringen das Bauhaus anfeindeten und ihm „seine Offenheit gegenüber Menschen und Ideen aus dem Ausland“ vorwarfen. Konrad Adenauer versuchte zu intervenieren – vergeblich. Nach gewonnener Wahl beendeten die Nationalisten das Experiment Bauhaus in Weimar. Das kleine Dessau zeigte sich weltstädtischer und bot ihm mit Freuden eine neue Heimstatt.

Fox Weber erzählt all dies in einer lebendigen Sprache, der man jedoch eine sorgfältigere Übersetzung gewünscht hätte. Stilistisch ist hier einiges im Argen, Bauhaus-typische Sorgfalt wäre angemessen gewesen. Insgesamt ist dieses Buch dennoch sehr empfehlenswert, denn nirgendwo sonst kommt man diesen sechs Protagonisten des Bauhauses so nahe wie hier.

Patrick Rössler: bauhaus mädels
Taschen
2019
480 Seiten
30 Euro
ISBN: 978-3836563536

Darum geht es: Als das Bauhaus 1919 gegründet wurde, war es kurz nach dem unrühmlichen Kriegsende ein vielversprechender Aufbruch in eine neue Zeit. Es sollte nicht weniger als alles neu gestaltet werden. Doch in einem Punkt erwies sich die männergeführte Schule dann doch als zu sehr infiziert vom alten Geist: Frauen waren zwar willkommen, sollten sich aber, bitte, auf „ihre“ Bereiche wie Weben oder Töpfern beschränken.

Doch die jungen Frauen jener Zeit wollten mehr und ließen sich von den verehrten Meistern nicht beschränken und von den teils repressiven Regularien nicht entmutigen. Schon im ersten Jahr war knapp die Hälfte der Studierenden weiblich. Patrick Rössler spricht in seinem Buch „bauhaus mädels“ von 400 Einzelschicksalen und er zitiert einen Satz aus einer Fotoreportage der Zeitschrift „Die Woche“ über diesen neuen Typus Frau: „Sie weiß, was sie will, und wird es auch zu etwas bringen.“

Das meinen wir: Rösslers Buch – das ist der Eindruck, der nach der Lektüre bleibt – war lange überfällig. Aus zwei Gründen: Zum einen standen die Frauen des Bauhauses und ihre Leistung doch zu sehr im Schatten der großen Namen Gropius, Kandinsky, Mies van der Rohe. Man wusste, dass es sie gab, aber doch zu wenig über ihre Arbeit und wer sie waren.

Vor allem aber gibt Rössler ihnen dank der vielen Fotografien ein Gesicht. In jedem von ihnen findet man den unbedingten Willen, an diesem grandiosen Projekt Bauhaus produktiv teilzunehmen, und ein so starkes Selbstbewusstsein, das signalisiert: Die Hürden werden bald überwunden sein.

Der zwölfjährige Nazi-Spuk zerstörte diesen Optimismus nachhaltig, und man fragt sich unweigerlich, was aus Deutschland wohl geworden wäre, wenn diese Frauengeneration sich ungehindert hätte entfalten und selber Schule machen können.

Bauhaus Reisebuch. Weimar, Dessau, Berlin
Prestel Verlag
Nachauflage
304 Seiten
19,95 Euro
ISBN: 978-3791382449

Darum geht es: Die Kunsthistoriker Christian Welzbacher und Susanne Knorr sowie der Kulturjournalist und ehemalige Sprecher der Stiftung Bauhaus Dessau, Ingolf Kern, haben einen ungewöhnlichen Architekturführer herausgegeben. Das „Bauhaus Reisebuch“ stellt circa 70 Bauhaus-Orte ganz unterschiedlicher Art in Deutschland vor. Das sind von Bauhäuslern gestaltete Gebäude, aber auch Bauten, in denen man die Gestaltungsschule oder einzelne Künstler besser kennenlernen kann.

Zwar existierte das Bauhaus nur 14 Jahre, doch die Mitglieder dieser bedeutenden Ideenschmiede für Architektur, Kunst, Design und Pädagogik waren sehr produktiv. Die Bauhaus-Reise durch die Republik führt vor allem, aber nicht nur zu den drei wichtigsten Wirkungsstätten des Bauhauses in Deutschland – Weimar, Dessau und Berlin.

Das meinen wir: Ein spezialisiertes Reisebuch wie dieses ist für den, der zu den wichtigsten Orten des Bauhauses reisen und sie erkunden will, eine große Hilfe, wenn nicht sogar ein Muss. Akribisch haben die Autoren recherchiert. Sie führen uns zu öffentlichen Gebäuden wie zu Wohnsiedlungen und frei stehenden Häusern und stellen uns deren Geschichte und heutige Nutzung in kurzen Porträts vor.

Allerdings ist das Buch nicht auf dem neuesten Stand: Zu dem in diesem Jahr eröffneten neuen Bauhaus-Museum in Weimar gibt es in dieser Nachauflage des zuletzt 2017 überarbeiteten Buches nur einen kurzen Hinweis – ein Manko, gerade im Jubiläumsjahr! Die Beschreibung der Routen ist topographisch genau und lenkt den Blick immer wieder auf das, worauf es jeweils ankommt.

In farblich abgesetzten Kurzessays erfährt der Leser Wissenswertes – etwa über den erbarmungswerten Zustand der Meisterhäuser in Dessau nach der Wende und wie die Bemühungen, sie originalgetreu zu restaurieren, Überraschendes über Gestaltung und Materialien hervorbrachten.

Jedem der drei großen Kapitel über Weimar, Dessau und Berlin ist ein umfassender Serviceteil angehängt mit Informationen zu Öffnungszeiten, öffentlichen Verkehrsmitteln, anderen Sehenswürdigkeiten und sogar genauen Angaben, wie lange man zu Fuß von A nach B braucht. Dieses Reisebuch hält, was es verspricht. Absolut empfehlenswert!

Jean Molitor, Kaija Voss: Bauhaus: Eine fotografische Weltreise
Bebra Verlag
2018
240 Seiten
46 Euro
ISBN: 978-3898091527

Darum geht es: Der Fotograf Jean Molitor spürt in einer Reise rund um die Welt den architektonischen Entwicklungslinien und den Einflüssen des Bauhauses nach. Er findet dabei Bauwerke, die man an diesem und jenem Ort wohl nicht erwartet hätte, deren Qualität oftmals überrascht und oft auf den ersten Blick auch nicht erkennbar ist, weil das Gebäude, etwa ein Kino in Kabul, kriegsbedingt in einem schlechten Zustand ist.

Die Reise beginnt – naheliegend – in Deutschland, führt Molitor dann durch Europa, Afrika, Asien und auf den amerikanischen Kontinent. Das Bauhaus, das wird hier ein weiteres Mal klar, ist eine Weltmarke.

Das meinen wir: Ein wenig wirkt dieses Buch im ersten Moment wie eine Mogelpackung, denn einiges, was es uns zeigt, trägt nicht ganz zu Recht das Etikett „Bauhaus“. Wichtig ist es daher, sich beim Betrachten der Fotos die einleitenden Worte von Kaija Voss, Dozentin für Architekturgeschichte, die den gesamten Textteil des Buchs verfasst hat, in Erinnerung zu rufen: „Einen einheitlichen Bauhaus-Stil gibt es nicht. … Man begreift das Bauhaus am besten als Prozess, als eine Art zu entwerfen und zu bauen, als eine Methode. Es handelt sich um eine interdisziplinäre und globale Ideenwerkstatt.“

Und so spannt sich der Bogen dieses „Neuen Bauens“ – so der passendere Oberbegriff – weit: von den „klassischen“ Bauhaus-Bauwerken etwa in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung über Tel Aviv bis nach Marokko, Russland und selbst nach Kambodscha.

Keine Frage: Dieses Buch schärft und verändert den Blick, denn selbst eine unscheinbare Tankstelle oder ein heruntergekommenes Fabrikgebäude verrät mit einem Mal eine Handschrift, die den Einfluss eines Meisters aus Dessau erkennen lässt. Faszinierend!

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