Quergelesen In diese Bücher lohnt mehr als ein Blick

Viele unterschiedliche Bücher landen auf unseren Schreibtischen. Wir wählen aus, lesen und bewerten – quer durch die Genres.
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Jürgen Müller, Thomas Schauerte: Pieter Bruegel. Das vollständige Werk
Taschen
2018
492 Seiten
150 Euro
ISBN 978-3-8365-5688-0

Darum geht es: Im nächsten Jahr jährt sich Pieter Bruegels Todestag zum 450. Mal. Zu diesem Anlass wird es im Wiener Kunsthistorischen Museum die erste monografische Ausstellung der Werke des niederländischen Renaissance-Malers geben. Monografisch ist auch der vorliegende Bildband des Taschen-Verlags: Erstmals werden die 39 Gemälde, 65 Zeichnungen und 89 Kupferstiche Bruegels – sein gesamtes überliefertes Werk – gesammelt präsentiert. In ihm hielt er ganz überwiegend das bäuerliche Leben im 16. Jahrhundert fest.
Das meinen wir: Taschen bestätigt seinen Ruf als erste Adresse für stilvoll gestaltete und großformatige Kunst-Bildbände. Für das vorliegende Werk wurden die Bilder Bruegels neu fotografiert, in Gesamt- und Detailaufnahmen. Der hervorragende Druck verdeutlicht, wie komplex die oft Wimmelbildern ähnelnden Bilderzählungen des Niederländers sind, in denen er sich mutig mit seiner Zeit auseinandersetzte. Auch wer das Werk Bruegels zu kennen glaubt: Gerade diese komprimierte Darstellung entlockt den Bildern immer wieder neue Details. Ein Bildband im besten Sinne, zum „immer-wieder-reinschauen“. M. Raschke

Rem Koolhaas: Elements of Architecture
Taschen
2018
2333 Seiten
100 Euro
ISBN 978-3-8365-5614-9

Darum geht es: 2019 wird das Weimarer Bauhaus, die legendäre Hochschule für Gestaltung, 100 Jahre alt. In kurzen Abständen kommen Bücher über Architektur neu auf den Markt, mit mehr oder weniger Bezug zum Bauhaus. Das Buch des niederländischen Architekten Rem Koolhaas, ein renommierter Vertreter zeitgenössischer Architektur, basiert auf seiner Ausstellung während der Architektur-Biennale des Jahres 2014 in Venedig. Eigentlich gilt Koolhaas als Vordenker von Metropolen. Hier aber widmet sich der Prizker-Preisträger eher dem Kleinteiligen, beschreibt Elemente des Bauens, die es teils seit mehr als 5.000 Jahren gibt.
Das meinen wir: Koolhaas sucht und beschreibt anschaulich die Geschichte von Stufen, Türen, Fenstern und Fluren, von Fahrstühlen, Rolltreppen oder Balkonen. Er zerlegt die Baukunst mit unzähligen Skizzen, Zeichnungen und Anmerkungen quasi in ihre Einzelteile und versucht, die Elemente in einen zeitgeschichtlichen Kontext zu stellen. „Ich war schockiert, wie wenig ich etwa auch über die Geschichte der Tür wusste“, sagt Koolhaas selbst. Wer Aha-Erlebnisse mag, sollte das Buch lesen: Beim Gang durch das eigene Haus sind sie danach garantiert. M. Raschke

Kate Young: Little Library Cookbook – 100 Rezepte aus den schönsten Romanen der Welt
Wunderraum Verlag
2018
320 Seiten
22 Euro
ISBN: 978-3-336-54799-9

Darum geht es: Backen, brutzeln, braten. Lesen. Genießen.
Das meinen wir: Dieses Buch verbindet zwei großartige, entspannende, bewusstseinserweiternde und tugendhafte Beschäftigungen: kochen und lesen. Ein Werk für Buchliebhaber, die gern kochen – oder für Hobbyköche, die gern lesen. Oder für jedermann. Denn die Autorin ist die in London lebende Australiern Kate Young, die mit großem Erfolg auf ihrem Food-Blog literarisch inspirierte Rezepte mit wunderschönen Fotos versehen aufbereitet und nun eine Auswahl getroffen hat, wo für jeglichen Literatur- und kulinarischen Geschmack etwas dabei ist: Rezepte zum Schmunzeln (Schwedische Pfannkuchen „Tunna Pannkakor“ aus Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“), Experimentieren („Jollof-Reis“ aus Chimamanda Ngozi Adichies Bestseller „Americanah“) oder wehmütig werden (Orangenmarmelade à la Michael Bonds „Paddington“); höchst Anspruchsvolles – „Dinner für zwei im Angleterre“ aus Lews Tolstois „Anna Karenina“ – oder auch Bodenständiges wie die „Würstchen im Blätterteig“ aus J. K. Rowlings „Harry Potter“. Jedes Rezept wird eingeleitet mit der entsprechenden Romanstelle, wird angereichert mit wunderschönen Bildern, persönlichen Erlebnissen und Tipps – alles in allem ein herrlicher Genuss. C. Nohn

Evi Simeoni, Isabell Werth: Vier Beine tragen meine Seele – meine Pferde und ich
Piper Verlag
2018
336 Seiten
22 Euro
ISBN 978-3-492-05908-4

Darum geht es: Ein Leben mit Pferden, aber nicht irgendeines – Isabell Werth, die ihre Medaillensammlung gerade bei den Weltreiterspielen im amerikanischen Tryon um zwei goldene erweitert hat, ist die erfolgreichste Reiterin der Welt und blickt zurück auf ihre Karriere.
Das meinen wir: Lassen Sie sich nicht durch das kitschige Cover und den etwas sentimentalen Titel abschrecken, sondern blättern Sie um. Hier erzählt zwar eine Reiterin – ja, es geht auch um Pferde und einen Hof am Niederrhein. Aber „Vier Beine tragen meine Seele“ ist keine Hommage an Kinderträume und Ponyhofgeschichten. Es ist die Geschichte der Weltbesten in einer knallharten Disziplin, ein Buch über Fleiß und Ausdauer, Mut und Leidenschaft, über Beziehungen im Beruf und Respekt vor der Konkurrenz sowie über Hindernisse und deren Überwindung. Jeder Leser – zumal jeder, der auf ein Ziel hinarbeitet, Wettbewerb erlebt oder gar andere führen möchte – kann aus dieser einzigartige Erfolgsgeschichte etwas herausziehen. Natürlich erfährt er auch einiges über unterschiedliche (Pferde-)Charaktere und den Umgang mit Sensibelchen und Ausnahmetalenten. Dafür, dass das alles spannend und doch verständlich erzählt wird, sorgt Werths Co-Autorin Evi Simeoni, die seit Jahrzehnten verständlich und versiert als Reporterin über (Reit-)Sport schreibt. C. Nohn

Frederik Pajunk: Mitte des Lebens
Kerber
2018
336 Seiten
40 Euro
ISBN 978-3735605153

Darum geht es: Zwei Jahre lang hat Frederik Pajunk für sein Fotobuch Menschen aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis begleitet und beobachtet. Überwiegend stammen sie aus einem wirtschaftsnahen Umfeld – das Umfeld, in dem Pajunk sich in seinem ersten Leben selbst bewegt hat. Als Jurist der Deutschen Bank war er am Ende Global Head mit 25 Mitarbeitern in drei Kontinenten. Die Bilder gewähren Einblicke in den Alltag der Protagonisten, Interviews versuchen einen Rückblick auf Gewesenes und Ausblick auf Kommendes.
Das meinen wir: Pajunks Vollgas-Job folgte ein bis heute andauerndes Sabbatical inklusive Bachelor-Studium und Vertiefung des Hobbys Fotografieren. Die Lebensmitte verortet Pajunk (Jahrgang 1970) in die Zeit zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr, in der er selbst innehielt. Ein klassischer Wendepunkt eines Lebens – und den arbeitet er auch bei vielen seiner Porträtierten gut heraus. Einen großen Sympathie-Pluspunkt bekommt Pajunk, weil er eben nicht nur die Erfolgsgeschichten zeigt, die in diesem Umfeld gern erzählt werden. Er verleiht ihnen eine Eindringlichkeit, die „Mitte des Lebens“ zu einem Buch macht, das zum Nachdenken über eigene – gewesene, bestehende, kommende – Wendepunkte animiert. M. Raschke

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