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(Foto: Wu Yi on Unsplash)

Quergelesen In diese Bücher lohnt sich mehr als ein Blick

Viele unterschiedliche Bücher landen auf unseren Schreibtischen. Wir wählen aus, lesen und bewerten – quer durch die Genres.
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John Lennon, Yoko Ono: Imagine John Yoko
Edel Books
2018
320 Seiten
49,95 Euro
ISBN 978-3841906637373

Darum geht es: Die Beatles gelten als die erfolgreichste Band der Musikgeschichte. 1970 trennte sich die Liverpooler Formation, Mitgründer, Sänger, Gitarrist und Komponist John Lennon startete eine erfolgreiche Solokarriere. Im Herbst 1971 erschien „Imagine“, Lennons zweites Solo-Studioalbum.

Es wurde zum erfolgreichsten Album des Engländers, der im Dezember 1980 in New York im Beisein seiner zweiten Ehefrau Yoko Ono Opfer eines Attentats wurde. „Imagine“ ist ein ikonisches Stück Musikgeschichte, der Bildband „Imagine John Yoko“ beschreibt die Entstehungsgeschichte des Albums, das Lennon und Ono gemeinsam konzipierten.
Das meinen wir: John Lennon ist seit fast 40 Jahren tot – aber keineswegs vergessen. Dafür sorgt auch seine mittlerweile 85 Jahre alte Witwe Yoko Ono, eine bekannte Künstlerin, Filmemacherin, Komponistin und Aktivistin. „All die Menschen, die an ,Imagine’ gearbeitet haben“, schreibt Ono im Vorwort des Bandes, „waren Menschen des Friedens, und es war so erhellend und aufregend, auf dem gesamten Weg einer von ihnen zu sein.“

Dieser Weg wird im Bildband beschrieben, und dafür öffnete die Künstlerin unter anderem ihr Privatarchiv mit Fotos und Artefakten. Aufgenommen wurde das Album, das Kunstaktionen und Filmprojekte begleiteten, im Wesentlichen an fünf Tagen des Mai 1971 im Studio auf dem eigenen Landsitz Tittenhurst in Berkshire. Namhafte Musiker wie Ex-Beatles-Mitstreiter George Harrison, Klaus Voorman oder Alan White waren dabei.

Das Buch zeigt die absolute Insidersicht auf „Imagine“, mit vielen unveröffentlichten Fotos, allerlei Dokumenten und O-Tönen der mehr als 40 Beteiligten. „Imagine John Yoko“ vermittelt hautnah ein gewaltiges Stück Musikgeschichte. Fans der Beatles und John Lennons sollten es genießen. Michael Raschke

Adam Fletcher: So sorry. Ein Brite erklärt sein komisches Land
C. H. Beck
2018
208 Seiten
12 Euro
ISBN 978-3-406-72107-6

Darum geht es: Briten sagen dauernd „sorry“, brillieren im Smalltalk ebenso wie im obszönen Fluchen. Ein Engländer erklärt, wie das alles zusammenhängt, und führt ein in die zehn Gebote des englischen Humors.
Das meinen wir: Selten so viel gelacht beim Dazulernen! Wer britische Freunde hat oder auch nur einmal neben einer Londonerin auf den Bus gewartet, ach was: einen englischen Fußballfan im Müngersdorfer Stadion getroffen hat, erkennt diese Menschen irgendwo zwischen den Zeilen wieder. Fletcher, Jahrgang 1983, seit 2010 in Berlin zu Hause, schreibt locker, mitreißend – und höchst treffsicher. Er erklärt uns britischen Humor und „banter“ – dieses witzig-geistreiche Hin und Her, Tea Time und Rugby, den Wahnsinn des National Health Service und die Sache mit dem Understatement. Vor allem aber, und deshalb ist dieses Buch in diesen Tagen eine echte Bereicherung: Er erklärt uns den Brexit. Nicht die Notwendigkeit – die verstehen die Briten ja selbst nicht. Aber den Weg dorthin samt allen bizarren Versprechen, Rücktritten, Forderungen, Verquickungen. Kostprobe gefällig? „Dieses ganze Brexit-Debakel ist ungefähr so, als würde man zu einer Hochzeit eingeladen, und dann stellt sich heraus, dass es gar keine Braut gib, und keinen Bräutigam, und keinen Veranstaltungsort, und kein Sommerwetter, und keinen Kuchen, und keinen Alkohol umsonst, und überhaupt ist das Ganze eher eine Scheidung.“ Besser kann das keiner umschreiben. Corinna Nohn

Hans Werner Holzwarth, Eleanor Nairne: Jean-Michel Basquiat
Taschen
2018
500 Seiten
150 Euro
ISBN 978-3836574877

Darum geht es: Jean-Michel Basquiat setzte einen Meilenstein: Als erster afroamerikanischer Künstler gelang ihm der Durchbruch in der hauptsächlich weißen Kunstwelt und schon mit Anfang 20 der Sprung in die wichtigsten Galerien. Der New Yorker wurde keine 28 Jahre alt, die Drogensucht beendete sein Leben frühzeitig. Basquiats Kunst lehnt sich an seine Anfänge auf der Straße an, als er graffity-artig sarkastische Kommentare und fragmentierte Gedichte an die Häuserwände sprühte. Nach seinen Themen befragt, antwortete er einmal: „Könige, Heldentum und die Straße“. Dabei war er eher ein Kind der aufstrebenden Mittelschicht als der Straße, mit Andy Warhol befreundet, auf dem Cover des „Times Magazine“ zu sehen und in Deutschland auch mit Joseph Beuys unterwegs. Seine Gemälde lesen sich wie – politische – Tagebücher und spiegeln seine Erfahrungen als schwarzer Künstler. Der Band ist die bislang umfassendste Monografie von Basquiats Werk.

Das meinen wir: Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, da brachte Basquiats Bild „Air Power“ bei der Versteigerung von David Bowies Kunstsammlung 8,1 Millionen Euro – erwartet worden war höchstens die Hälfte. Auch Bowie gehörte zu den Bewunderern Basquiats, dem wie dem Schwarzen der Sprung aus einer Untergrundszene in die etablierten Kunstkreise gelungen war. Beiden Künstlern hätte man eine noch längere Schaffenszeit gewünscht; Basquiats sehr kurze mag Herausgeber Hans Werner Holzwarth dazu animiert haben, das Werk in dieser Monografie in chronologischer Abfolge zu zeigen. Kapitel 1 (1978 bis 1980) heißt „Samo is coming“ – Samo war anfangs Basquiats Pseudonym -, Kapitel 8 (1977 bis 1978) „Das Werk eines Lebens“. Jedes Kapitel beginnt mit einem einordnenden Text von Autorin Eleanor Nairne, der der Freude an den Bildern den Weg bereitet. Das große Format des Bandes lässt sie in all ihrer Intensität und Vitalität erleben. Wieder mal ein echter Taschen. Michael Raschke

Timm Kruse: Weder geschüttelt noch gerührt. Mein Jahr ohne Alkohol.
Herder
2018
240 Seiten
18 Euro
ISBN 978-3451600562


Darum geht es: TV-Journalist Timm Kruse hat schon einige kurzweilige Bücher geschrieben: über Meditation, Fasten oder sein temporäres Leben als Chauffeur eines indischen Gurus auf Weltreise. Immer spielt dabei der Autor selbst eine große Rolle – doch den radikalsten Blick auf sich selbst wirft er sicher in „Weder geschüttelt noch gerührt“. Kruse beschreibt seine selbst verordneten zwölf Monate ohne Alkohol, die ihn vom berauschten Lebemann mit Alkoholproblem zu dem gemacht haben, was er heute ist: ein Abstinenzler, der nie wieder so leben möchte wie früher.
Das meinen wir: Timm Kruses Buch hat hohes Tempo – so temporeich, wie er auch sein Leben als stets besoffener oder verkaterter Partymensch gelebt hat, der nichts ausließ und immer und überall dabei sein wollte, wo es was zu feiern gab. Der 48-Jährige schreibt frei von der Leber weg; seine Sprache ist rau, manchmal grob, aber immer sehr direkt.

Der Ich-Erzähler beschreibt mit seinem Selbstversuch sehr schonungslos ein Problem, das viele Menschen in Deutschland mehr oder weniger stark plagt, Manager wie Arbeiter, Mann wie Frau, manchmal schon Kinder. So schonungslos, wie auch die Droge Alkohol jahrzehntelang mit ihm umging, die ihn in Schach hielt, ihm ein ewiges schlechtes Gewissen bereitete, Ängste und Suizidgedanken bescherte.

„Weder geschüttelt noch gerührt“ ist kein Buch für literarische Feinschmecker, aber ein ungemein verdienst- und wertvolles: weil Kruse in einer Sprache, die jeder versteht, sehr anschaulich und ohne Larmoyanz aufzeigt, was der Alkohol mit einem Menschen macht, was aber vor allem ein befreites Leben ohne Alkohol bedeuten kann. Michael Raschke

Peter Littger – Lost in Trainstation – wir versteh'n nur Bahnhof
KiWi-Taschenbuch
2018
256 Seiten
12 Euro
ISBN: 978-3462051674

Darum geht es: Peter Littger ist „Der Denglishe Patient“ – so heißt seine gleichnamige Sprachkolumne. In Beiträgen wie „Are you finished? No, we are from Germany“ oder „When English goes in the trouser“ beschäftigt sich der frühere Journalist von „Zeit“ und „Cicero“ recht unterhaltsam mit deutsch-englischen Sprachverwirrungen. Seine Buchreihe „The Devil lies in the Detail – Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblingsfremdsprache“ führte viele Wochen die Taschenbuch-Bestsellerlisten an. Nun also „Lost in Trainstation“, das allerdings weniger zum Lesen, dafür mehr zum Gucken bietet.

Das meinen wir: Genau das richtige Buch für Menschen, denen beim Lesen von chinesischen Speisekarten der Appetit vergeht. Kaum zu glauben, dass die Weltsprache Nummer eins im Deutschen derart heftig verhunzt – gibt es dafür ein englisches Wort? – werden kann. Der deutsch-englische Sprachmix nimmt in der Öffentlichkeit immer breiteren Raum ein, auf Schildern, Speisekarten, in der Werbung.

Littgers Bilderbuch präsentiert diese Verwirrungen auch mit Schenkelklopfern wie dem „Emperor’s Nonsense“ (für Kaiserschmarrn), doch die Hauptdarsteller sind die etwas subtileren Verwirrungen, bei denen man auch mal etwas nachdenken muss, um zu erkennen, was Sprache anrichten kann. Littger kommentiert sie lakonisch und hilft, auf die richtige Fährte zu kommen. Wer dann noch mit etwas Sprachgefühl ausgestattet ist, dem bietet „Lost in Trainstation“ ein feines Lesevergnügen. Michael Raschke

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