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Ratgeberbücher Geldanlage in Corona-Zeiten: Worauf es für Börsianer jetzt ankommt

Drei neue Ratgeber zeigen: Für erfolgreiches Investieren braucht es Disziplin, eine Strategie und ein Grundwissen über die Finanzmärkte. Gerade in Zeiten wie diesen.
30.01.2021 - 10:00 Uhr Kommentieren
Der Niedrigzins macht die Anlage in Aktien unausweichlich. Quelle: Getty Images
Investieren in Krisenzeiten

Der Niedrigzins macht die Anlage in Aktien unausweichlich.

(Foto: Getty Images)

Düsseldorf Ob Krise, Crash oder Boom: Sein Erspartes mit Aktien innovativer Unternehmen für sich arbeiten zu lassen, kann richtig Spaß machen. Nebenbei entsteht im Idealfall auch noch ein Vermögen. Wenn Profis es dann auch noch menscheln lassen, indem sie eigene Anfängerfehler nicht verschweigen, wird daraus ein richtig guter Ratgeber. Drei Neuerscheinungen buhlen diesbezüglich um die Gunst der Leser.

Am besten springt der Spaß- und Spannungsfunken bei Pirmin Hotz über, und das sofort mit den ersten Sätzen. Sprachlich gut und stilistisch elegant gibt der erfahrene Vermögensverwalter persönliche Einblicke in seine ersten Anlageversuche. Er berichtet etwa, wie er 1987 in seiner Studentenwohngemeinschaft frühmorgens im Pyjama seinen ersten Kunden in der frisch gegründeten Firma für Investment Consulting begrüßt. Ein peinlicher Auftakt ins Berufsleben.

Ähnlich die ersten Erfahrungen an der Börse: Er kaufte Kodak-Anteilsscheine zum Preis von rund 1000 Schweizer Franken. Eine vermeintlich unterbewertete Aktie, die eigentlich nur steigen konnte, fortan aber an Kurswert verlor. Die liebe Mutter kaufte aus Mitleid die zehn Aktien zum Einstandskurs ab. „Was für ein erbärmlicher Einstieg in meiner Karriere als Börsianer!“

Die zwei misslungenen Auftritte heben den – am Ende natürlich erfolgreichen – Börsianer vom Podest. So entsteht Nähe zu erfahrenen wie unerfahrenen Lesern, und die kurzweiligen Beispiele machen Lust auf mehr. Weitere Anfängerfehler folgten. Schon bald endeten im Schnitt acht von zehn Börsengeschäften nach Eigeneinschätzung des Autors mit einem Gewinn. Das hätte richtig gut sein können. Können.

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    Aber wie viele Neulinge hält sich Hotz anfangs zu sehr an die Devise: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand arm geworden.“ Vorschnell verkauft er erfolgreiche Aktien mit einem Gewinn von zehn, vielleicht 20 Prozent. Währenddessen gehen einige wenige Geschäfte voll daneben, was die Gesamtbilanz empfindlich trübt.

    Pirmin Hotz: Über die Gier, die Angst und den Herdentrieb der Anleger. Welche Anlagestrategien wirklich zu empfehlen sind.
    Finanzbuch Verlag
    München 2021
    368 Seiten
    24,99 Euro

    Als Konsequenz vertraut Hotz dem erstbesten Vollblutprofi und investiert auf Anraten eines selbstbewussten Merrill-Lynch-Brokers in hochriskante Optionsscheine. So werden aus 75.000 Dollar vorübergehend mehr als 90.000, am Ende aber knapp 2500 Dollar. Und das mit dem geliehenen Geld des Vaters.

    All diese Erlebnisse will Hotz seinen Lesern ersparen und beschreibt sie deshalb detailreich, ehe er die Leser in die große, weite und erfolgversprechendere Anlegerwelt führt. Gekonnt spannt Hotz den Bogen zwischen Passiv- und Aktivanlagen an der Börse und gefährlichen Klumpenrisiken am gar nicht sicheren Anleihemarkt.

    Suche nach der richtigen Strategie

    Eindrucksvoll liest sich seine Entzauberung verlockend erscheinender variabler Hedgefonds-Strategien. Sie lösen ihre Versprechungen mit zweistelligen Jahresrenditen selten ein und bleiben meistens erfolgloser als simple Beteiligungen am Dax in Form eines kostengünstigen ETFs.

    Hotz’ Blick gilt dem Großen – einschließlich der Crashs in der Vergangenheit und der immensen Risiken, kurzzeitig viel Geld zu verlieren. Dennoch schlägt sein Herz fürs aktive Investieren in Einzelaktien. „Ich genieße es, Miteigentümer vieler toller Unternehmen zu sein“, schwärmt er. „Mit Aktien von Apple finanziere ich mein iPhone und mit Dividendenpapieren der Swisscom meine Telefonrechnung. Wenn ich krank bin, decke ich mich mit pharmazeutischen Produkten von Novar‧tis, Roche oder Johnson & Johnson ein, an denen ich ebenfalls beteiligt bin.“

    Doch welche Einzelaktien versprechen die beste Rendite? Wer es derart konkret haben möchte, dem sei „Die besten Aktien der Welt“ von Peter Seilern empfohlen. Es ist die erweiterte Übersetzung des im Herbst 2019 erschienenen Titels „Only The Best Will Do“.

    Peter Seilern: Die besten Aktien der Welt. Mit hochwertigen Wachstumsunternehmen langfristig Rendite erzielen.
    Finanzbuch Verlag
    München 2021
    272 Seiten
    24,99 Euro

    Fast solange, wie es Aktien gibt, streiten Börsengurus darüber, ob „Growth“ oder „Value“ besser ist. Also darüber, ob Anleger mit Aktien rasant wachsender (Growth-)Unternehmen, deren Kurse oft schon stark gestiegen sind, besser fahren – oder mit niedrig bewerteten, werthaltigen (Value-)Aktien, die meistens langsam ihre Gewinne steigern, dafür aber hohe und verlässliche Dividenden ausschütten. Seilern, von Haus aus Investmentmanager, entscheidet sich für eine Kombination beider Anlagephilosophien. Er belegt, dass daraus kein durchschnittliches Allerlei, sondern ein Mehrwert resultiert. Eine optimale Balance aus Ertrag und Risiko.

    Stilistisch und argumentativ brillant stehen sich beide Werke in nichts nach. Gekonnt widerlegt Seilern die weitverbreitete These, wonach Anleger Aktien von Unternehmen mit hohen Dividenden und niedriger Bewertung vorziehen sollen.

    Das Gegenteil erweise sich oft als richtig. Der Grund: Hohe Ausschüttungen zeugen von Ideenlosigkeit in gesättigten Märkten, niedrige Bewertungen signalisieren den drohenden Abstieg mit anschließenden Gewinneinbußen. Nach Seilerns Überzeugung ein verhängnisvoller Kreislauf, der vielen Wachstumsunternehmen im Laufe ihres Daseins bevorsteht – auch dem weltweit wertvollsten Unternehmen Apple angesichts zunehmend gesättigter Märkte und qualitativ wie preislich attraktiver Angebote vieler Wettbewerber.

    Der von Seilern kreierte „Quality-Growth-Investor“ legt sein Geld in Aktien von Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen und starkem organischen Wachstum an. Die Firmen müssen ihr Geschäftsmodell möglichst stetig erweitern können und in einer überdurchschnittlich stark wachsenden Branche beheimatet sein. Deshalb scheiden Bereiche wie Versorger, Banken, Telekommunikation, Rohstoffe und Fluggesellschaften für ihn aus.

    Es geht um Unternehmen, die es frühzeitig geschafft haben, ihre Marktposition zu festigen, indem sie eine Art Burggraben um sich herum geschaffen haben, um Wettbewerber fernhalten. Am ehesten gelingt das in Branchen wie IT, Konsumgüter und Gesundheit. Von insgesamt 50.000 Unternehmen aus den 36 OECD-Ländern – den Staaten, die auf Marktwirtschaft und Demokratie setzen – erfüllen nach Ansicht von Seilern nur fünf bis sechs Dutzend Firmen diese Kriterien.

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    Darunter sind nach seiner Erkenntnis auffällig viele familiengeführte Unternehmen. Schließlich benennt er einige Unternehmen, die es in seine strenge Auswahl geschafft haben. Etwa den amerikanischen Zahlungsdienstleister Mastercard, der nachhaltig vom sinkenden Bargeld- und steigenden elektronischen Zahlungsverkehr profitiere. Oder Estée Lauder in der Beautybranche angesichts der stetig wachsenden asiatischen Mittelschicht samt dem Trend, mehr Make-up zu benutzen.

    Am Ende des lesenswerten Buches tauchen einige weitere Aktien auf, darunter Adidas und Beiersdorf. Warum sie es ebenfalls in das illustre Ranking schaffen, erschließt sich dem Leser nicht vollends. Doch das soll den Gesamteindruck nur wenig schmälern. Der größere Gewinn liegt zweifellos darin, wie sich solche langfristigen Gewinneraktien finden lassen.

    Dass es dazu ausreichender Vorkenntnisse und womöglich profunder Datenbanken bedarf, steht außer Frage. Deshalb erscheint die Kritik von Christoph R. Kanzler angemessen, wonach kein weiteres Buch über Kapitalmärkte und Finanzen vonnöten ist, das von Fachleuten für Fachleute geschrieben wurde und somit den größten Teil der Menschen außen vor lässt. Der Anlageberater nimmt für sich in Anspruch, zum ersten Mal die Funktionsweise von Kapitalmärkten in einer Sprache zu erklären, die die Menschen verstehen: „Dieses Buch ist für Laien geschrieben.“

    Christoph R. Kanzler: Selfmade-Aktionär. Warum der Kapitalmarkt dein Freund ist.
    Campus
    Frankfurt 2021
    208 Seiten
    22,95 Euro
    Das Buch erscheint am 10. Februar.

    Wie versprochen verzichtet Kanzler dann auch auf Fremdworte, Fachchinesisch und Anglizismen. Viele Ratschläge kommen erfrischend einfach rüber, etwa wenn es um A wie Anlageprodukt, K wie Kapital und Z wie Zeit geht. Nah am Verbraucher ist die vom Autor favorisierte Geldanlage in Fondssparplänen schon ab 25 Euro im Monat. Wohltuend auch seine Regeln wie „Widerstehe Verlockungen“ und „Verzichte auf wildes Kaufen und Verkaufen“.

    Doch insgesamt wird Kanzler seinem selbst auferlegten Anspruch nicht vollends gerecht. Zum einen gibt es realiter bereits viele Börsenbücher für Laien in einfacher Sprache. Und insgesamt verbergen sich bei Kanzler dahinter zu viele Wiederholungen und Allgemeinplätze. Etwa dass die Finanzindustrie an den Menschen vorbeischreibe, oder Sätze wie: „Es geht um Dich als Mensch. Du musst kein Bankkaufmann sein.“

    Vieles bleibt oberflächlich, etwa wenn es um Aktien- und Anleihe-ETFs geht, „die Du schnell und günstig kaufen kannst“. Ihre Funktionsweise erklärt Kanzler zwar, bleibt aber mit Einordnungen wie „Lass Dir sagen, das Gros dieser Produkte kannst Du getrost ignorieren“ zu unkonkret, weil er nicht näher beleuchtet, welche Produkte gut und welche schlecht sind. So dient Kanzlers Buch vor allem als erster Überblick für Börsenneulinge.

    Zutreffend ist in jedem Fall sein Mantra: „Es kann nicht weitergehen wie bisher.“ Diese von ihm auf die Pandemie bezogene Aussage betrifft die gesamte Geldanlage angesichts der zinslosen Zeiten. Diese bestehen zwar schon seit der Finanz- und Schuldenkrise. Bereits vor gut einem Jahrzehnt fühlten sich die Notenbanken verpflichtet, die Leitzinsen auf null zu senken und den Staaten fortgesetzt ihre Schuldscheine abzukaufen – mit dem Resultat, dass Anleger nichts mehr für ihr Erspartes bekommen.

    Doch erst Corona und der tiefe Einbruch der Weltwirtschaft führen bei immer mehr Anlegern zu der Überzeugung, dass die Zinsen noch sehr lange sehr niedrig bleiben werden. Das wiederum macht die Anlage in Aktien unausweichlich und entsprechende Ratgeber so wertvoll.

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