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Rezension zu „Rothschild: Glanz und Untergang“ Die Biografie der Bankiersfamilie ist auch eine Warnung an die Zukunft

Der Linzer Historiker Roman Sandgruber schildert Aufstieg und Fall der Finanziers der Habsburger – und beleuchtet ein schwieriges Geschichtskapitel.
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Die Wiener Rothschilds: Erfolgreich, verantwortungsvoll, verhasst Quelle: mauritius images
Baron und Baroness Guy de Rothschild im Mai 1963

„Die österreichischen Rotschilds sind nicht nur ausgestorben, sondern wurden ausgelöscht“, schreibt Auto Roman Sandgruber.

(Foto: mauritius images)

WienWirtschaftshistorische Bücher haben es im Markt nicht leicht. Doch Roman Sandgruber hat mit seiner umfassenden Biografie der österreichischen Wiener Linie der legendären Banker- und Unternehmerfamilie Rothschild Glück. Denn parallel zum Erscheinen seines über 500 Seiten starken Werks haben sich die Nachkommen der einstigen Financiers der Habsburger nach zwei Jahrhunderten endgültig aus Österreich verabschiedet.

Das beschert dem Thema Aufmerksamkeit. Im Auftrag ihrer Familie verkaufte die Nachfahrin Bettina Burr die letzte Länderei, 7.000 Hektar Wald in Niederösterreich. Burrs Mutter, Bettina Jemima Looram, hatte bis zu ihrem Tod 2012 auf dem Besitz der Familie gelebt. Die Wälder hatte einst Baron Albert von Rothschild 1875 erworben. 1938 wurden die Ländereien von den Nazis enteignet und nach Kriegsende wieder an die Nachkommen der jüdischen Familie aus Wien zurückgegeben.

Es ist Sandgrubers Verdienst, die österreichischen Rothschilds mit seiner minutiösen Biografie vor dem endgültigen Vergessen gerettet zu haben. Die ursprünglich aus Frankfurt stammende Familie Rothschild spielte im 19. und 20. Jahrhundert unter den Habsburgern eine bedeutende Rolle. Mayer Amschel Rothschild sandte zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine fünf Söhne in verschiedene europäische Metropolen, darunter auch nach Wien.

Salomon Mayer Rothschild begann 1820 mit der Aufnahme seiner Geschäfte in der Donaumetropole. Die Familie stieg zum wichtigsten Financier der Kaiserfamilie auf und investierte ein Vermögen in den Ausbau des Eisenbahnnetzes im Habsburger Reich. Daneben erwarben die Rothschilds großen Grundbesitz.

19 Seiten mit Anmerkungen hat Sandgruber am Ende seines Buchs aufgelistet. Es ist der Nachweis einer verdienstvollen Fleißarbeit in den Archiven, vor allem im Londoner Rothschild-Archiv. Das Ergebnis: ein Standardwerk zu den Rothschilds.

Roman Sangruber: Rothschild. Glanz und Untergang des Wiener Welthauses
Molden Verlag
Wien
526 Seiten
37,00 Euro
ISBN: 9783222150241

Noch heute klafft in der feinen Wiener Prinz-Eugen-Straße eine architektonische Lücke. Am gleichen Tag, als Louis Rothschild, Onkel von Bettina Burr, ertrank, wurde sein prächtiger Stadtpalast, den er mit der Bedingung eines Pensionsfonds für seine ehemaligen Mitarbeiter großzügig Österreich überlassen hatte, 1954 in die Luft gesprengt. Darauf entstand der hässliche Bau der Arbeiterkammer. „Die österreichischen Rothschilds sind nicht nur ausgestorben, sondern wurden ausgelöscht“, bilanziert Sandgruber.

Der Linzer Historiker schildert Aufstieg und Fall einer Unternehmerfamilie, die bereits früh erkannt hatte, dass Eigentum verpflichtet. Die Rothschilds waren Unternehmer mit sozialem Gewissen. Gedankt hat es ihnen Österreich nicht. Früh geriet die Rothschild-Familie ins Visier von Populisten und Antisemiten. Die Biografie der Bankiersfamilie ist auch ein Zeugnis von Neid, Missgunst und Hass und zugleich eine Warnung für die Zukunft.

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