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US-Sicherheitsbehörde Die Jagd nach Tatsachen: Zwei Insider liefern Einblicke in die Arbeit des FBI

Die Krawalle im Kapitol haben die Verwundbarkeit der westlichen Welt gezeigt. Dass zeitgleich zwei Bücher über die US-Bundespolizei FBI erscheinen, ist kein Zufall.
24.01.2021 - 08:57 Uhr Kommentieren
Das FBI kämpft gegen eine Bewegung des Misstrauens. Quelle: AP
Sicherheitsvorkehrungen am Kapitol

Das FBI kämpft gegen eine Bewegung des Misstrauens.

(Foto: AP)

Washington Als Tausende Trump-Anhänger den Kongress in Washington stürmten, attackierten sie das Herz der amerikanischen Gesetzgebung. Etwa zeitgleich erschienen zwei Bücher über eine der wichtigsten Institutionen der USA, das Federal Bureau of Investigation (FBI).

Und auch wenn beide Bücher Monate vor den Ereignissen im Kapitol entstanden, behandeln sie ein Leitthema, das sich lange abzeichnete: Ein Teil der Bevölkerung wendet sich von der Demokratie ab oder kämpft sogar aktiv gegen sie. Die Bewegung des Misstrauens wurde durch die Präsidentschaft von Donald Trump, der den Wahlsieg seines Konkurrenten Joe Biden untergrub, beschleunigt.

In seinem neuen Buch „Nichts als die Wahrheit” beschreibt Ex-FBI-Chef James Comey, den Trump einst feuerte, die gesellschaftliche „Abkehr von einem strikten, auf Fakten basierenden Konsens“. Für ihn ist sein früherer Arbeitsplatz eine Organisation, „die schon immer die Wahrheit suchte und verteidigte“. Tatsächlich ist das FBI nicht nur die zentrale Strafverfolgungsbehörde der USA, sondern sie umfasst auch den Inlandsgeheimdienst. 36.000 Beamte und Agenten sind im Einsatz, der Etat liegt bei zehn Milliarden Dollar.

Die Jagd nach Tatsachen ist wortwörtlich das Kerngeschäft des FBI, auch die aktuelle Großfahndung nach den Kapitol-Tätern wird von der Prestige-Polizei durchgeführt. Doch ihr Ruf hat stark gelitten, auch wegen der politischen Schlammschlachten der Trump-Jahre. So war der Ex-Präsident einer der prominentesten Verfechter der sogenannten „Deep State“-Verschwörungstheorie. Rechtskonservative Medien unterstützten Trump mit Mutmaßungen über grassierende Korruption beim FBI und einen geheimen Parallelstaat.

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    Comey war dabei eine zentrale Figur, weil er in Trumps Umfeld zur Russland-Affäre ermitteln wollte und daraufhin entlassen wurde. Der Komplex drehte sich um den russischen Einfluss auf die Präsidentschaftswahlen 2016. Trump geriet in Verdacht, die Aufklärung vereiteln zu wollen; er wurde von dem Vorwurf nie vollständig entlastet. Comeys Konfrontation mit dem Präsidenten, in der Trump auf „Loyalität“ drängte, hat der FBI-Mann in seinen Memoiren „A Higher Loyalty“ von 2018 beschrieben.

    James Comey: Nichts als die Wahrheit. Der Ex-FBI-Direktor über die Unterwanderung des amerikanischen Justizsystems.
    Droemer HC
    München 2021
    288 Seiten
    20 Euro

    Sein neues Buch enthält keine Enthüllungen solchen Kalibers. Lesenswert ist es trotzdem, weil es sich dem Begriff der Wahrheit analytisch präzise und manchmal mit einem philosophischen Ansatz nähert. „Nichts als die Wahrheit“ fühlt sich dadurch an wie das Ende der Trump-Präsidentschaft: Der große Trubel ist für den Moment vorbei, jetzt kann man alles sacken lassen und tiefer nachdenken.

    Comey geht speziell der Frage nach, wie die US-Justiz in einer Demokratie überleben kann, in der eine große Anzahl von Menschen glaubt, die Wahlen 2020 seien ein Betrug. „Das, was in den vergangenen vier Jahren passiert ist, ist auch für die USA eine schmerzhafte Lektion“, sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir Amerikaner waren zu arrogant und glaubten, wir seien nicht anfällig für die großen Schwächen der Menschheit.“

    Nur mit seiner eigenen, umstrittenen Rolle bleibt Comey unkritisch. 2016 eröffnete er als FBI-Chef kurz vor den Präsidentschaftswahlen eine Untersuchung zu Hillary Clintons E-Mail-Skandal. Bis heute sind sich Demokraten-Anhänger sicher, dass auch dieser Umstand Clinton die Wahl kostete und den Populisten Trump ins Weiße Haus brachte. Comey verteidigt sich: Er habe nicht anders handeln können, Clinton sei „extrem nachlässig“ gewesen.

    Doch offenbar gibt es bei den Altlasten rund um das Drama von 2016 noch einiges aufzuarbeiten. Der frühere FBI-Vize Frank Figliuzzi geht in seinem Buch „The FBI Way“ hart mit Comey ins Gericht. „Wir haben wirklich genug von ihm gehört und gelesen“, sagt er dem Handelsblatt. Comey sei ein kluger, bekannter Mann. „Aber als FBI-Chef muss man unpolitisch und unparteiisch sein. Comey hat diese Linie mehrfach überschritten.“

    Dicht an konkreten Fällen

    Figliuzzi, der mehr als 25 Jahre bei der Bundespolizei arbeitete, ist nicht so prominent wie Comey. Die Einblicke aus seinem Buch haben aber den Vorteil, dass sie dicht dran sind an konkreten Fällen. Figliuzzi war zuletzt Leiter der Spionageabwehr und saß davor der Abteilung für interne Ermittlungen vor.

    Wer mehr über die praktische Arbeit des FBI erfahren will, wird von „The FBI Way“ gut informiert. Interessant sind Figliuzzis Betrachtungen zu ethischen Konflikten und Pannen, die zeigen, dass selbst ein durchkontrollierter Riesenapparat anfällig ist für menschliche Schwächen. So schreibt Figliuzzi über zwei FBI-Drogenfahnder in Miami, die nach einer Razzia beschlagnahmte Geldkoffer öffneten und mit einem Regen aus Dollarscheinen ein launiges Video filmten.

    Frank Figliuzzi: The FBI Way. Inside the Bureau‘s Code of Excellence.
    Custom House
    New York 2021
    272 Seiten
    23,99 Euro

    Figliuzzi ging nach seiner FBI-Karriere in die Privatwirtschaft und ist TV-Kommentator, sein Buch ist entsprechend unterhaltsam und typisch amerikanisch als Lebenshilfe für Top-Manager verpackt. Laut seiner Aussage könnten Laien so „Präzision, Ehrgeiz und Exzellenz“ lernen.

    Er bekomme in letzter Zeit immer mehr Anrufe von Vorstandschefs und anderen Wirtschaftsvertretern, sagt Figliuzzi. „Corona, Rekordarbeitslosigkeit und Stress lassen sie hinterfragen, welche Werte ihre Firma vertreten soll.“ Zuletzt hatten sich reihenweise US-Unternehmen von Trump abgewandt und Spenden an Republikaner eingefroren. Vor diesem Hintergrund ist die Frage, was sich Organisationen von einer Behörde wie dem FBI abgucken können, spannend.

    Die Stärke beider Bücher ist es, dass sie Einblicke in eine Behörde geben, die die meisten Menschen nur aus Fernsehserien kennen. Denn, so sagt Figliuzzi zum Thema FBI-Fiktion: „Ach ja, diese Serien sind nicht sehr realistisch.”

    Mehr: Ex-FBI-Chef James Comey im Interview: „Wir Amerikaner waren zu arrogant“

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