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Werner Schneyder Einer der Großen des Kabaretts ist für immer verstummt

Mit 82 Jahren ist der österreichische Kabarettist Werner Schneyder am Samstag in Wien verstorben. Zahlreiche Politiker der Alpenrepublik trauern um den Künstler.
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Der Kabarettist verstand sich stets als politischen und kritischen Kopf. Quelle: dpa
Werner Schneyder

Der Kabarettist verstand sich stets als politischen und kritischen Kopf.

(Foto: dpa)

WienWerner Schneyder war eine imposante Erscheinung. Wenn der österreichische Satiriker in seinem Lieblingsbeisl, dem „Stadtwirt“ in Wien-Mitte, einkehrte, war er nicht zu übersehen. Schließlich war der Steirer fast zwei Meter groß. Sein Stammplatz in dem Traditionswirtshaus wird künftig verwaist sein. Denn Werner Schneyder ist im Alter von 82 Jahren am Samstag in Wien gestorben.

In Deutschland ist der, im besten Sinne des Wortes, unberechenbare Satiriker vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Dieter Hildebrandt und der Münchener „Lach- und Schießgesellschaft“ bekannt geworden. Bereits ihr erstes gemeinsames Programm „Talk täglich“ wurde 1974 ein gewaltiger Publikumserfolg.

Legendär waren auch seine Kommentare als Moderator von Boxkämpfen und des „Aktuellen Sportstudios“ im ZDF. Schneyder, der sich selbst kokett als „Universaldilettant“ bezeichnete, war ein Wandler zwischen den medialen Welten.

Vor allem aber war der in Klagenfurt aufgewachsene Schneyder ein Menschenfreund. Einer seiner letzten öffentliche Auftritte war die Verleihung des „Goldenen Ehrenzeichens des Landes Wien“ an den jüdischen Emigranten, Filmmanager und österreichischen Fußballnationalspieler Hans Menasse, Vater der Bestsellerautoren Eva und Robert Menasse, im Wiener Rathaus.

Schneyders Freude über die Auszeichnung des 89-Jährigen kam vom Herzen. Der Kabarettist hatte in seinem langen Leben selbst genügend Ehrungen erhalten: Darunter sind beispielsweise das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse, der Theodor-Körner- und der Karl-Renner-Förderpreis.

In der Alpenrepublik war Schneyder – quasi gegen seinen Willen – längst zu einer Art kulturellem Nationalheiligtum aufgestiegen. Entsprechend groß ist die Betroffenheit und die Trauer in der Alpenrepublik. „Mit dem heutigen Tag hat Österreich ein wichtiges Vorbild (...) verloren“, resümierte Peter Kaiser, Landeshauptmann (Ministerpräsident) der Steiermark.

„Mit Werner Schneyder verliert Österreich einen seiner vielfältigsten und beliebtesten Künstler“, rief ihm Bundespräsident Alexander Van der Bellen nach. „Oft spöttisch, zornig, polemisch, politisch – aber nie banal.“ Es sei ein „scharfzüngiger politischer Kommentator gestorben“, formulierte das Staatsoberhaupt am Sonntag.

Der ehemalige Grünen-Chef Van der Bellen ist Schneyder auch persönlich zum Dank verpflichtet. Denn im knallharten und verbissenen Wahlkampf um das höchste Staatsamt unterstützte Schneyder zum Ärger des damaligen rechtspopulistischen FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer den heutigen Amtsinhaber.

Kabarettist, Schauspieler, Journalist, Regisseur

Schneyder verstand sich stets als politischer und kritischer Kopf. Er war ein liberaler Konservativer mit Herz und Verstand für die kleinen Leute. Vor allem war er ein hartnäckiger und unerbittlicher Feind des Populismus, der zu Schneyders Glanzzeit noch Stammtischpolitik hieß.

Der promovierte Kommunikationswissenschaftler kämpfte dabei nie mit dem Schwert, sondern stets mit dem Degen. Das machte den vielseitigen Grazer auf der Bühne und im Fernsehen so gefährlich.

In eine Schublade ließ er sich nie stecken. Er war ein außergewöhnliches Allroundtalent – Kabarettist, Schauspieler, Drehbuchautor, Journalist, Schriftsteller und Regisseur.

Gerade in der heutigen Zeit, in der der Populismus zu einem ungeahnten Höhenflug ansetzt und sein Heimatland unter der Regierungsbeteiligung der früheren Haider-Partei FPÖ immer stärker nach rechts rückt, dürfte ein pointenreiches und kluges Korrektiv wie Schneyder fehlen.

Schneyder war zudem im besten Sinne bescheiden. Er nahm sich trotz seiner großen Bedeutung nie zu wichtig. Sein letztes Kabarettprogramm vor zwei Jahren nannte er daher lakonisch „Das war’s von mir“. Niemand ahnte 2017, außer vielleicht Schneyder selbst, dass es tatsächlich sein letztes Bühnenprogramm werden sollte.

Schneyders scharfer Blick auf gesellschaftliche Schieflage, sein großer Mut gegenüber den Mächtigen und seine messerscharfe Kritik werden nicht nur in Österreich fehlen. Einer der Großen des deutschsprachigen Kabaretts ist für immer verstummt.

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