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Wirtschaftsbuchpreis 2019 Diese zehn Wirtschaftsbücher sollten Sie unbedingt im Regal haben

Eine renommierte Jury hat sich auf die zehn besten Wirtschaftsbücher dieses Jahres verständigt. Das sagen die Autoren über ihre eigenen Werke.
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Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse wurde zum 13. Mal das Wirtschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet. Quelle: Nick Hiller on Unsplash
Wirtschaftsbuch

Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse wurde zum 13. Mal das Wirtschaftsbuch des Jahres ausgezeichnet.

(Foto: Nick Hiller on Unsplash)

Düsseldorf Wer hat 2019 das beste Wirtschaftsbuch geschrieben? Auf der Frankfurter Buchmesse hat eine zehnköpfige Jury die zehn Gewinner gekürt. Der Preis für das beste Buch ging an den britischen Ökonomen Paul Collier, der in seinem Werk „Sozialer Kapitalismus“ eine neue Ethik für Unternehmertum und Gesellschaft einfordert.

Die Themen der Autoren sind vielfältig – und häufig auch beunruhigend: Der Zollstreit zwischen den USA und China, der Vorwurf der Währungsmanipulation an China, Brexit-Streitereien, der komplizierte Konflikt um den Persischen Golf und nicht zuletzt die Probleme durch die globale Erwärmung.

Auf der Bühne haben die Autoren oder Verlagsvertreter die Werke kurz vorgestellt. Was Sie von den Büchern erwarten können? Hier die Präsentation in Videos.

Heike Butcher

Heike Buchter: „Ölbeben“

Innerhalb weniger Jahre sind die USA vom größten Öl-Importeur zum größten Produzenten aufgestiegen. Die Autorin spricht vor Ort mit Arbeitern, Unternehmern und Lokalpolitikern, die vom Ölrausch profitieren. Sie zeichnet ihre Aufstiege akribisch nach und zeigt auch die engen Verflechtungen zwischen Weißem Haus und texanischen Ölförderern auf.

Heike Buchter arbeitet als freie Autorin und Korrespondentin im New Yorker Büro der „Zeit“ und berichtet seit 2001 von der Wall Street. Ihr Report zu komplexen Finanzinstrumenten, die die Finanzkrise ausgelöst haben – veröffentlicht drei Monate vor der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers –, war 2009 für den Henri-Nannen-Preis nominiert.

John Carreyrou

John Carreyrou: „Bad Blood“

Der Stoff in „Bad Blood“ ist Wirtschaftskrimi-Material pur. Dabei ist keine Zeile erfunden. Silicon-Valley-Gründerin Elizabeth Holmes ist Anfang der 2000er mit ihrer Firma „Theranos“ angetreten, um ein ferngesteuertes Bluttestgerät zu bauen. Mit ihrer Vision, Menschen könnten – mit nur einem Tröpfchen Blut – die verschiedensten Krankheiten diagnostizieren, hat die junge Frau alle fasziniert: Ingenieure, Wissenschaftler, Geschäftspartner, Investoren, Militärs, Politiker und Juristen von allerhöchstem Rang.

Das Problem: Ihr Versprechen war glatt gelogen. Auch Holmes wusste dies – doch sie wusste dies geschickt zu verstecken. Die Geschichte zeigt nicht nur die dramatische Geschichte einer manipulativen Gründerin, sondern gibt auch einen Einblick in das Silicon Valley und seine Fake-it-till-you-make-it-Kultur.

John Carreyrou ist Investigativjournalist beim „Wall Street Journal“ und hat den Theranos-Skandal aufgedeckt. Mit den ersten Hinweisen auf die Betrügereien und Lügen bei dem Start-up wurde „Bad Blood“ seine Geschichte.

Paul Collier

Paul Collier: „Sozialer Kapitalismus“

Der Kapitalismus ist in die Krise geraten. Die Gegensätze werden stärker: Reich gegen Arm, Gebildet gegen Ungebildet, Stadt gegen Land. Collier will diese Risse kitten. Dabei setzt er vor allem darauf, Gemeinschaften wieder zu beleben, die von gegenseitiger Verantwortung getragen werden. Die Gesellschaft ist seiner Meinung nach zu sehr in Individuen zerfallen, die einseitig Vorteile ausbeuten oder Rechtsansprüche stellen. Genossenschaften sind sein Leitbild.

Paul Collier ist ein britischer Ökonom deutscher Abstammung und lehrt in Oxford. Er wurde 1949 in Sheffield geboren, einer Stadt, die hart vom Niedergang der englischen Stahlindustrie getroffen wurde. Er bezeichnet sich als Sohn „ungebildeter“ Eltern. 1986 gründete er das Centre for the Study of African Economies (CSAE) und leitete es bis 2014.

Jörg Dräger / Ralph Müller-Eiselt

Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt: „Wir und die intelligenten Maschinen“

Algorithmen sind so etwas wie Allzweckreiniger für die blinden Flecken der großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit. Sie sollen Krebs erkennen, noch bevor Tumore wachsen, Verbrechen verhindern, ehe sie geschehen, und den Traumjob vermitteln, ohne zu diskriminieren. Doch wie das mit Versprechen so ist – sei es auf Putzmittelflaschen oder in Programmcodes: Vorsicht ist geboten.

Denn neben Gewinnern des digitalen Wandels wird es über kurz oder lang auch Verlierer in unserer „algorithmischen Gesellschaft“ geben, wie Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt erklären. Dem Autorenduo geht es dabei weniger um die Darstellung einzelner technischer Finessen, als vielmehr um die sozialen Folgen und Gestaltungsfragen beim Megathema KI.

Dräger und Müller-Eiselt stehen beide im Dienst der Bertelsmann Stiftung. Der eine – Dräger, 51 – war 2001 parteiloser Wissenschaftssenator in Hamburg und ist Bertelsmann-Vorstand für Bildung und Integration. Der andere – Müller-Eiselt, 37 – beschäftigt sich als Megatrend-Direktor mit Chancen und Risiken der Digitalisierung. Er verantwortet auch einen Blog zu ethischen Fragen von KI.

Daniel Goffart

Daniel Goffart: „Das Ende der Mittelschicht“

Wie war es möglich in der alten Bundesrepublik, als Durchschnittsverdiener mit einem Gehalt eine ganze Familie zu ernähren? Und warum ist es das heute kaum noch? Goffart argumentiert dabei sehr weitblickend – und stellt unter anderem fest: Während die Gehälter der Topmanager explodierten, stiegen die Realeinkommen der Arbeitnehmer in den vergangenen 30 Jahren nur sehr moderat. Der Durchschnittsverdiener musste danach sogar Stagnation oder Reallohnverluste verkraften.

Goffart spricht die relevanten Ursachen für die Sorgen der Menschen an. Seit einigen Jahren schießen die Mieten in die Höhe. Nur 45 Prozent der Deutschen besitzen derzeit Wohneigentum. Auch hier schien Goffart die Entwicklung vorausgeahnt zu haben. Schließlich war der umstrittene Berliner Mietendeckel bei Erscheinen des Buchs noch eine lokale Debatte.

Daniel Goffart ist einer der Vorzeigedenker unter den führenden Berliner Journalisten. Der 58-Jährige, der auch für die Telekom arbeitete, war Hauptstadtbüroleiter des Handelsblatts. Heute schreibt er kluge und erfrischende Covergeschichten als Chefkorrespondent beim Nachrichtenmagazin „Focus“. Seine Biografien über Peer Steinbrück und Ursula von der Leyen sind viel beachtet. Und auch das „Das Ende der Mittelschicht“ garantiert eine spannende Kontroverse.

Alexander Hagelüken

Alexander Hagelüken: „Lasst uns länger arbeiten!“

Vier von fünf Arbeitnehmern fürchten, dass ihre Rente im Alter nicht reicht. Gleichzeitig wird der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung 2020 wohl erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro durchbrechen. Und die schwierigen Jahre, in denen die Babyboomer das Rentenalter erreichen, kommen erst noch.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission, die bis März 2020 Vorschläge für eine zukunftsfeste Rente vorlegen soll, findet in Hagelükens „7-Punkte-Plan für eine faire Rentenreform“ zahlreiche Denkanstöße, die aber alle nicht neu sind. Der Autor empfiehlt etwa, teure Wahlgeschenke wie die Rente mit 63 wieder einzusammeln, auch Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rente einzubeziehen und Altersarmut gezielt zu bekämpfen.

Der Journalist Hagelüken, Jahrgang 1968, hat fast sein gesamtes Berufsleben bei der „Süddeutschen Zeitung“ verbracht, zunächst als Hauptstadtkorrespondent mit den Schwerpunkten Arbeit, Soziales, Bildung und Umwelt, später als EU-Korrespondent in Brüssel und als Leiter des Geldteils der „SZ“. Heute ist der Volkswirt leitender Redakteur für Wirtschaftspolitik.

Ernst-Wilhelm Händler

Ernst-Wilhelm Händler: „Das Geld spricht“

Wie funktioniert der Finanzkapitalismus? Was motiviert die Verantwortlichen? Die Auseinandersetzung damit muss nicht zwangsläufig nur Gegenstand von Sachbüchern sein. Auch ein Roman kann hier Fahrt aufnehmen, wie Ernst-Wilhelm Händler zeigt. Er lässt eine pragmatische Finanzfrau, einen mathematisch versierten Investor und einen Hedgefondsbesitzer („Nano-Mann“) um jene halbe Milliarde Dollar pitchen, die ein Gründer zwecks Vermögensvermehrung einer Bank gegeben hat.

Die Handlung streift um Essay-Inseln herum, in denen etwa die Führungsgremien der Zentralbanken die „Nachfolger der Götter“ sind oder „das moderne Schicksal Blase heißt“.

Offiziell ist Händler Diplom-Kaufmann mit Doktortitel – das war für ihn das Rüstzeug, um das familieneigene Unternehmen für Schaltschränke und Installationstechnik in der Oberpfalz zu übernehmen. Händler verkaufte es 2004 an Siemens. Zu dem Zeitpunkt war seine literarische Karriere schon fortgeschritten. Acht Romane sowie eine Vielzahl von Essays sind gefolgt. Händler, 66, hat auch Philosophie studiert, liebt Mathematik, ist Kunstsammler und richtet heute mit seinen Firmen in Thüringen und Sachsen Altbauten her.

Kai-Fu Lee

Kai-Fu Lee: „AI Superpowers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung“

Wer ist die größte Supermacht in Sachen Künstliche Intelligenz – China oder die USA? Geht es nach Kai-Fu Lee, lautet die Antwort: beide. Während die USA lange als KI-Vorreiter galten, sei China aktuell auf der technologischen Überholspur, meint der Autor. Als „Sputnik-Moment“ der KI hat er einen Tag im Mai 2017 ausgemacht. Damals besiegte ein von Google finanzierter Supercomputer erstmals den Weltmeister im chinesischen Traditionsspiel Go.

Folgt man seinem Zukunftsszenario, dürften die beiden Supermächte den Globus der Künstlichen Intelligenz wie folgt unter sich aufteilen: „US-amerikanische Unternehmen werden vermutlich viele Märkte in den entwickelten Ländern für sich beanspruchen; gleichzeitig haben die chinesischen KI-Giganten bessere Chancen auf die Marktführerschaft in Südostasien, Afrika und dem Nahen Osten“, prognostiziert Lee.

Lee, in Taiwan geboren, in den USA ausgebildet, hat für Microsoft und Apple gearbeitet und war bis 2009 Präsident von Google China, deren Dienste in der Volksrepublik heute weitgehend zensiert sind. Der 57-Jährige lebt aktuell in Peking und hat mit seiner Firma Sinovation Ventures in mehr als 300 Portfoliofirmen investiert – vor allem in China.

Nils Ole Obermann / Hans-Jürgen Wolff

Nils Ole Oermann & Hans-Jürgen Wolff: „Wirtschaftskriege – Geschichte und Gegenwart“

„Handelskriege sind leicht zu gewinnen“, twitterte US-Präsident Donald Trump im März vergangenen Jahres. Ein gutes Jahr später ist aus dem Konflikt mit China ein globaler Wirtschaftskrieg an mehreren Fronten geworden: Außer mit Strafzöllen bekämpfen sich Amerikaner und Chinesen mit Technologieverboten und Währungsmanipulationen. „Ich habe nie gesagt, dass es mit China einfach wird“, muss Trump heute einräumen.

Oermann und Wolff haben unter dem Titel „Wirtschaftskriege“ ein ganzes Buch darüber geschrieben, wie die Wirtschaft bereits früher zum Kriegsziel und zur Waffe in geopolitischen Machtkämpfen geworden ist. Wer über die flüchtige Zeitungslektüre hinaus wissen will, wo die Fronten heutiger Wirtschaftskriege verlaufen und wie man die Eskalation vielleicht noch stoppen kann, der findet bei Oermann und Wolff erste Antworten.

Die beiden sind ein eher ungewöhnliches Autorenduo. Der 46-jährige Oermann lehrt Ethik an der Universität in Lüneburg und an der Oxford University. In Oxford hat er auch über Kolonialgeschichte promoviert. Von 2004 bis 2007 beriet er als persönlicher Referent den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler.

Dort kreuzten sich auch die Wege von Oermann und Hans-Jürgen Wolff, der bis 2010 für Köhler das Bundespräsidialamt leitete. Promoviert hat der 61-Jährige über das Thema „Kriegserklärung und Kriegszustand nach Klassischem Völkerrecht“. Heute arbeitet der Jurist als Politikberater in Berlin.

Thomas Straubhaar

Thomas Straubhaar: „Die Stunde der Optimisten“

Der Ökonom wendet sich gegen die verbreitete Untergangsstimmung in Deutschland. Angesichts von Jobverlusten durch die digitale Revolution, von Klimawandel und Handelskriegen argumentiert der frühere Leiter des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts: Die historische Erfahrung spreche dafür, dass die menschliche Kreativität lernen werde, mit den derzeitigen Problemen umzugehen. Das habe sie bisher schließlich noch jedes Mal geschafft.

Thomas Straubhaar gehört zu den erfrischendsten Köpfen in der deutschsprachigen Ökonomenszene. Der 62-jährige Schweizer, der an der Universität Hamburg Volkswirtschaft lehrt, ist von marktwirtschaftlichen Grundüberzeugungen geprägt. Doch diese Ansichten führen ihn oft zu unkonventionellen Schlüssen. So gehörte er früh zu den Verfechtern eines bedingungslosen Grundeinkommens. Mit diesem Mix aus Positionen lässt er sich kaum in das gängige Links-rechts-Schema der deutschen Ökonomenzunft einordnen.

Den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis mit dem Motto „Wirtschaft verstehen“ haben die drei Partner Handelsblatt, Frankfurter Buchmesse und Goldman Sachs in diesem Jahr zum 13. Mal vergeben.

Mehr: Diese Entwicklungen auf der Frankfurter Buchmesse werden die Literaturszene im kommenden Jahr prägen.

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