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Buchrezension Bietet die Krise Chancen für eine neue Aufklärung?

Marcel Fratzscher will, dass die Europäer die Pandemie als Weckruf begreifen. In seinem Buch verbindet er zur Problemlösung Ökonomie, Philosophie und Politik.
17.09.2020 - 20:14 Uhr 1 Kommentar
Marcel Fratzscher sieht in der Krise die Chance für Europa, eine neue Aufklärung einzuleiten. Quelle: dpa
Pandemie als Weckruf

Marcel Fratzscher sieht in der Krise die Chance für Europa, eine neue Aufklärung einzuleiten.

(Foto: dpa)

Berlin Aus dem Dunkel der Pandemie nicht bloß zurück zum nächsten Wirtschaftsboom, sondern ins Licht einer humaneren Welt: Der Ökonom Marcel Fratzscher hat den Mut, groß und weit über die Grenzen seines Fachs hinaus zu denken. Sein Anspruch: Europa kann die tiefste Wirtschaftskrise seit 75 Jahren nutzen, um ein neues Zeitalter der Aufklärung einzuläuten.

Die Europäer können die Pandemie als Weckruf begreifen, um endlich die schon länger viele Menschen quälenden Probleme von Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandel zu lösen – und die vielen Konflikte an Europas Außengrenzen gleich mit.

Wem das auf den ersten Blick zu viel der Weltverbesserei erscheint, sollte trotzdem das neue Buch des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung lesen. Denn es regt zum Denken darüber an, wie wir künftig leben wollen, und ist damit mehr als ein Wirtschaftssachbuch.

Die Ideale der Aufklärung – Freiheit, Gerechtigkeit und Humanismus –, auf denen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Demokratie und Marktwirtschaft beruhen, dienen Fratzscher als Leitsterne, um Lebensbedingungen zu verbessern.

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    Das Coronavirus, das die Weltwirtschaft in einen Kollaps stürzte, ist für Fratzscher nur der Höhepunkt einer Reihe von Konflikten und Krisen seit dem Ende des Kalten Krieges. Diese drei Jahrzehnte brachten weltweit beispiellosen Wohlstand, auch in die ärmsten Länder. Und sie brachten beispiellosen technologischen Fortschritt.

    Doch Globalisierung und Digitalisierung hatten – vor allem für die ärmere Hälfte der Bevölkerung in den reichen Industriestaaten – auch eine Kehrseite: Weniger Jobsicherheit, das zunehmende Gefühl, nicht mithalten zu können, den regierenden Eliten egal zu sein. Populismus, Protektionismus und gesellschaftliche Paralyse haben darin laut Fratzscher ihre Wurzeln.

    Marcel Fratzscher: Die neue Aufklärung. Wirtschaft und Gesellschaft nach der Corona-Krise.
    Berlin Verlag
    224 Seiten
    22 Euro

    „Gesellschaften, die Wert auf den Schutz der Schwächsten legen, sind bisher besser durch die Krise gekommen“, schreibt Fratzscher. Die Europäer müssten an diese Stärke anknüpfen und eine neue Balance finden zwischen Staat und Markt, zwischen Sozialsystemen und innovativer Wirtschaft, zwischen Wissenschaft, Medien und Politik.

    Corona habe gezeigt, „dass in Krisenzeiten der Staat die einzige Instanz ist, die wirtschaftliches, soziales und politisches Chaos verhindern kann“, schreibt Fratzscher. Aber jetzt, nach der Rezession, brauche es vor allem einen gut funktionierenden Markt, damit sich die Wirtschaft nachhaltig erholen könne.

    Das sei kein Selbstläufer: Die Gefahr, dass aus dieser Krise eine Depression entstehe, sei real. Die Regierungen dürften nicht übersehen, dass sich Ungleichheiten verschärft hätten, etwa zwischen gut gesicherten tariflich Beschäftigten und Soloselbstständigen, aber auch zwischen reichen und armen Staaten.

    Die Rettungspolitik der Bundesregierung hält Fratzscher für richtig, aber sie sei noch zu wenig auf Transformation und Investitionen ausgerichtet. Genauso wichtig wie erfolgreicher technologischer Wandel ist ihm die Modernisierung des Sozialstaats für das digitale Zeitalter. Nur so könne das Gefühl vieler Menschen schwinden, dass der Staat nur für die Eliten da sei und für alle anderen unzuverlässig funktioniere.

    Das Buch ist darum auch kein Plädoyer für mehr Staat, sondern für einen besseren Staat, der Krisen nicht nur managed, sondern löst. Wie in früheren Fratzscher-Büchern zählt dazu, dass der Staat endlich Schulen, Straßen, Schienen, Strom- und Internetnetze zu den besten der Welt ausbaut.

    Fratzscher ist überzeugt: Wir können die Welt verbessern. Er begründet seinen Optimismus damit, dass die Pandemie vor allem das Gute im Menschen hervorgebracht habe: Empathie, Großzügigkeit - und eine Hinwendung zur Wissenschaft.

    Welches ist das beste Wirtschaftsbuch des Jahres? Zehn Finalisten gehen ins Rennen um den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis, der im Rahmen der Frankfurter Buchmesse im Oktober verliehen wird. Bis dahin werden die zehn Finalisten der Shortlist vorgestellt.

    Mehr: An wen geht der Deutsche Wirtschaftsbuchpreis 2020? Lesen Sie hier, welche Werke in diesem Jahr noch auf der Shortlist stehen.

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    1 Kommentar zu "Buchrezension: Bietet die Krise Chancen für eine neue Aufklärung?"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Herr Fratzscher vertritt die Meinung der Bundesregierung. Das macht sein Buch nicht zwingend interessant. Soweit aus dem Artikel ersichtlich sind auch keine wegweisenden Vorschläge für eine Gesellschaftsreform ersichtlich, Die darf von Herrn Fratzscher eigentlich auch nicht erwartet werden, denn er ist ein Befürworter der unbegrenzten Verschuldung und damit aber auch des unbegrenzten Wachstums, welche sich beide in einem unauflöslichen Zielkonflikt befinden. Mehr Wachstum bedeutet immer zwingend ein Verfehlen der globalen Klimaziele.

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