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Deutscher Wirtschaftsbuchpreis So könnte eine grundlegende Rentenreform aussehen

Ein Journalist erzählt, warum ein längeres Arbeitsleben nötig ist und keine Qual sein muss: ein Sieben-Punkte-Plan für eine faire Rentenreform.
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„Weil die Deutschen im Alter immer mehr können, können sie auch länger arbeiten“, schreibt Alexander Hagelüken in seinem Buch. Quelle: dpa
Arbeiten im Alter

„Weil die Deutschen im Alter immer mehr können, können sie auch länger arbeiten“, schreibt Alexander Hagelüken in seinem Buch.

(Foto: dpa)

Berlin Wer hat 2019 das beste Wirtschaftsbuch geschrieben? Das bedeutendste Werk wird auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet. Die zehn Finalisten auf der Shortlist werden in den Wochen vor der Buchmesse vorgestellt. Heute: „Lasst uns länger arbeiten!“ von Alexander Hagelüken.

Darum geht es

Vier von fünf Arbeitnehmern fürchten, dass ihre Rente im Alter nicht reicht. Gleichzeitig wird der Bundeszuschuss zur Rentenversicherung 2020 wohl erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro durchbrechen. Und die schwierigen Jahre, in denen die Babyboomer das Rentenalter erreichen, kommen erst noch. Vor diesem Hintergrund entwirft Alexander Hagelüken seinen Appell für eine grundlegende Rentenreform, „die die Bürger nicht mehr für dumm verkauft“.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission, die bis März 2020 Vorschläge für eine zukunftsfeste Rente vorlegen soll, findet in Hagelükens „7-Punkte-Plan für eine faire Rentenreform“ zahlreiche Denkanstöße, die aber alle nicht neu sind.

Der Autor empfiehlt etwa, teure Wahlgeschenke wie die Rente mit 63 wieder einzusammeln, auch Selbstständige und Beamte in die gesetzliche Rente einzubeziehen und Altersarmut gezielt zu bekämpfen. Das Geld für seine Reformpläne will er unter anderem von Besserverdienern und Unternehmen einsammeln.

Das ist der Autor

Der Journalist Hagelüken, Jahrgang 1968, hat fast sein gesamtes Berufsleben bei der „Süddeutschen Zeitung“ verbracht, zunächst als Hauptstadtkorrespondent mit den Schwerpunkten Arbeit, Soziales, Bildung und Umwelt, später als EU-Korrespondent in Brüssel und als Leiter des Geldteils der SZ.

Heute ist der Volkswirt leitender Redakteur für Wirtschaftspolitik. Der Münchener hat den Vermittlungsskandal bei der einstigen Bundesanstalt für Arbeit oder die TTIP-Verhandlungspapiere enthüllt. Als Autor ist Hagelüken zuvor mit seinem 2017 erschienenen Buch „Das gespaltene Land“ über die Ungleichheit in Deutschland in Erscheinung getreten.

Das überrascht

Der Verlag kündigt einen „provokativen Debattenbeitrag“ an. Und tatsächlich ist die Forderung „Lasst uns länger arbeiten!“ nichts, womit man Sympathiepunkte gewinnt. Doch Hagelüken will nicht, dass jetzt einfach alle bis 70 arbeiten.

Alexander Hagelüken: Lasst uns länger arbeiten!
Droemer, München 2019
224 Seiten
16,99 Euro
ISBN: 978-3-426-27778-2

Er hält nur den Rigorismus für verfehlt, mit dem sich Unternehmen, Politiker und meist auch Arbeitnehmer trotz ständig steigender Lebenserwartung und größerer Fitness bis heute an ein festes Rentenalter klammern: „Es funktioniert wie eine soziale Norm“, schreibt der Autor: „Mit 65 fällt der Hammer.“

Dabei gibt es durchaus Menschen, die – wie Hagelüken etwa am Beispiel des eigenen Vaters erzählt – nach Erreichen der Regelaltersgrenze nicht einfach aussortiert werden, sondern weiter Sinnvolles leisten wollen.

Auch wenn er sich bei der SPD und den Gewerkschaften so gewiss keine Freunde machen wird, ist Hagelükens Argumentation überzeugend: „Weil die Deutschen im Alter immer mehr können, können sie auch länger arbeiten“, schreibt er. „Bis 30 studieren und bis 90 leben, aber nur bis 60 arbeiten – das kann dagegen nicht funktionieren.“

Das Arbeitsleben zu strecken könnte dabei auch für Entspannung in der Mitte des Lebens sorgen, wenn Beschäftigte gerne kürzertreten wollen, weil Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu versorgen sind.

Dass für Dachdecker, Fließbandarbeiter oder Pflegekräfte dabei andere Regeln gelten, weiß auch Hagelüken. Auch hier ließen sich aber Lösungen finden: Statt etwa den Maurer mit Mitte 50 in die Erwerbsminderungsrente zu schicken, könnte er ja nach einer Umschulung noch im Büro der Baufirma weiterarbeiten.

So viel versteht man

Das Buch hält sich nicht mit Versicherungsmathematik und Rentenformeln auf, sondern richtet sich an den interessierten Laien. Hagelüken hat mit zahlreichen Rentenexperten gesprochen, beschreibt fehlgeleitete Rentenreformen oder die Gründe für das wachsende Risiko von Altersarmut.

Er lässt aber auch die alleinerziehende Mutter, den Lehrer im ungewollten Zwangsruhestand oder den Schauspieler Dieter Hallervorden zu Wort kommen, der mit über 70 ein Berliner Traditionstheater sanierte und wiedereröffnete. Sie alle stehen als Kronzeugen für die Kernthese: „Länger arbeiten ist keine neoliberale Ausbeutung. Sondern ein Weg zu einem zufriedenen Leben.“

Mehr: Wer hat 2019 das beste Wirtschaftsbuch geschrieben? Das sind die zehn besten Werke des Jahres.

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