Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Deutscher Wirtschaftsbuchpreis Warum Banker besser sind als ihr Ruf

Die Geldbeträge, mit denen Finanzinstitute handeln, werden immer größer. Ernst-Wilhelm Händler ergründet Licht und Schatten der Bankenbranche – in Romanform.
Kommentieren
Das Bild des „bösen Bankers“ ist in vielen Köpfen präsent. Quelle: AFP
Verkleideter Protestant

Das Bild des „bösen Bankers“ ist in vielen Köpfen präsent.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Wer hat 2019 das beste Wirtschaftsbuch geschrieben? Das bedeutendste Werk wird auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet. Die zehn Finalisten auf der Shortlist werden in den Wochen vor der Buchmesse vorgestellt. Heute: „Das Geld spricht“ von Ernst-Wilhelm Händler.

Darum geht es:

Wie funktioniert der Finanzkapitalismus? Was motiviert die Verantwortlichen? Die Auseinandersetzung damit muss nicht zwangsläufig nur Gegenstand von Sachbüchern sein. Auch ein Roman kann hier Fahrt aufnehmen, wie Ernst-Wilhelm Händler zeigt. Er lässt eine pragmatische Finanzfrau, einen mathematisch versierten Investor und einen Hedgefondsbesitzer („Nano-Mann“) um jene halbe Milliarde Dollar pitchen, die ein Gründer zwecks Vermögensvermehrung einer Bank gegeben hat.

Die Handlung streift um Essay-Inseln herum, in denen etwa die Führungsgremien der Zentralbanken die „Nachfolger der Götter“ sind oder „das moderne Schicksal Blase heißt“.

Das ist der Autor:

Offiziell ist Händler Diplom-Kaufmann mit Doktortitel – das war für ihn das Rüstzeug, um das familieneigene Unternehmen für Schaltschränke und Installationstechnik in der Oberpfalz zu übernehmen. Händler verkaufte es 2004 an Siemens. Zu dem Zeitpunkt war seine literarische Karriere schon fortgeschritten.

1995 erschien der Erstling „Stadt mit Häusern“. Acht Romane sowie eine Vielzahl von Essays sind gefolgt. Händler, 66, hat auch Philosophie studiert, liebt Mathematik, ist Kunstsammler und richtet heute mit seinen Firmen in Thüringen und Sachsen Altbauten her.

Das überrascht:

Überaus ungewöhnlich kontrastiert eine knapp erzählte Geschichte, kühl wie ein Drehbuch zur TV-Serie „Bad Banks“, mit anspruchsvollen Abhandlungen über Wege und Umwege des globalen Finanzwesens. Das Geld spricht in diesem Roman zu sich selbst: „Vermehret Euch!“ Es ist die erfolgreichste Sprache der Welt, es schläft nie und lässt sein Leitungspersonal zu einsamen Kreaturen im Gedränge des Wettbewerbs werden.

Ernst-Wilhelm Händler: Das Geld spricht
S. Fischer
Frankfurt 2019
400 Seiten
22 Euro

Der Banker ist besser als sein Ruf. Im theoretischen, essayistischen Teil mokiert sich Händler über deutschen Idealismus: „Die Deutschen können Finance nicht, weil Finance böse ist.“ Es wollten aber nun mal viele „böse“ sein, weil Geld für sie Freiheit bedeute, weshalb es als Medium laufend neue Formen annehme, etwa im gehobenen Kunsthandel. Und so nebenbei erklärt Händler „Risk Parity“ und Ray Dalio.

Das ist problematisch:

„Blasen“ im engeren Sinne gibt es in diesem Buch nicht, alles ist ein Spiel der Kräfte und ein Ergebnis von Zins und Risikoprämie. Was aber, wenn der Markt durch manipulierte Zinsen und riesige Vermögensagglomerationen deformiert wird, wenn der unheimliche Siegeszug passiver Investmentfonds, von Algorithmen gelenkt, Auf- und Abschwünge überzeichnet? Eine qualitative Wirtschafts- und Finanzpolitik nach Theorien, deren Erfolgsversprechen der Autor anzweifelt, könnte notwendiger denn je gebraucht werden.

So viel versteht man:

Die Welt wird überspült von Liquiditäts- und Datenflut. Es gibt zu wenige gute Anlageobjekte, was die Handelnden der Finance-Branche noch schneller, noch rastloser macht, am Ende um sich selbst kreisen lässt. Wer Glück sucht, muss es außerhalb von Banktürmen finden.

Wer aber in diesem Geschäft bestehen will, hält sich lieber an Gesetze, zum Beispiel, dass „nicht Tatsachen zählen, sondern Meinungen über Tatsachen“. Dann kann er hohe Finanzgewinne machen, die im Übrigen am Ende natürlich purer Zufall sind. Finance als ultimatives Puzzle.

Mehr: Wer hat 2019 das beste Wirtschaftsbuch geschrieben? Das sind die zehn besten Werke des Jahres.

  • HB
Startseite

Mehr zu: Deutscher Wirtschaftsbuchpreis - Warum Banker besser sind als ihr Ruf

0 Kommentare zu "Deutscher Wirtschaftsbuchpreis: Warum Banker besser sind als ihr Ruf"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.

Serviceangebote