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Deutscher Wirtschaftsbuchpreis Wie Künstliche Intelligenz unsere Weltordnung verändern wird

Während die USA und China um die KI-Vorherrschaft ringen, hinkt Europa weit hinterher. Der Ex-Google-China-Chef erklärt die möglichen Konsequenzen.
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Bis 2030 will die Volksrepublik zur weltgrößten KI-Macht aufsteigen. Quelle: dpa
Roboter-Wettbewerb in China

Bis 2030 will die Volksrepublik zur weltgrößten KI-Macht aufsteigen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Wer hat 2019 das beste Wirtschaftsbuch geschrieben? Das bedeutendste Werk wird auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet. Die zehn Finalisten auf der Shortlist werden in den Wochen vor der Buchmesse vorgestellt. Heute: „AI Superpowers“ von Kai-Fu Lee.

Darum geht es:

Wer ist die größte Supermacht in Sachen Künstliche Intelligenz (KI) – China oder die USA? Geht es nach Kai-Fu Lee, lautet die Antwort: beide. Während die USA lange als KI-Vorreiter galten, sei China aktuell auf der technologischen Überholspur, meint der Autor. Als „Sputnik-Moment“ der KI hat er einen Tag im Mai 2017 ausgemacht. Damals besiegte ein von Google finanzierter Supercomputer erstmals den Weltmeister im chinesischen Traditionsspiel Go.

Die Schmach in der Volksrepublik war offenbar so groß, dass knapp zwei Monate später die Pekinger Zentralregierung verkündete, bis 2030 zur weltgrößten KI-Macht aufsteigen zu wollen. Seither sind KI-Investitionen in der Volksrepublik massiv gestiegen – und könnten bis zum Schlüsseljahr 2030 Chinas Bruttoinlandsprodukt um mehr als ein Viertel steigern, wie die Beratungsfirma PwC kürzlich prognostizierte.

Zum Vergleich: Für die USA würde der Zuwachs bis dahin nur halb so hoch ausfallen. Ginge es um die reine Innovationskraft, seien die USA noch immer führend, urteilt Lee. Doch gerade im Bereich Big Data – der Grundlage, um sämtliche Algorithmen zu füttern – verwandele sich China in „ein Saudi-Arabien der Daten“. Nicht zuletzt geschieht dies mittels reduzierter Persönlichkeitsrechte in der autoritär geführten Volksrepublik, was Lee im Buch aber nicht so klar anspricht.

Folgt man seinem Zukunftsszenario, dürften die beiden Supermächte den Globus der Künstlichen Intelligenz wie folgt unter sich aufteilen: „US-amerikanische Unternehmen werden vermutlich viele Märkte in den entwickelten Ländern für sich beanspruchen; gleichzeitig haben die chinesischen KI-Giganten bessere Chancen auf die Marktführerschaft in Südostasien, Afrika und dem Nahen Osten“, prognostiziert Lee.

Kai-Fu Lee: AI Superpowers. China, Silicon Valley und die neue Weltordnung
Campus Verlag
320 Seiten
26 Euro
ISBN-13: 978-1328546395

Das ist der Autor:

Lee, in Taiwan geboren, in den USA ausgebildet, hat für Microsoft und Apple gearbeitet und war bis 2009 Präsident von Google China, deren Dienste in der Volksrepublik heute weitgehend zensiert sind. Der 57-Jährige lebt aktuell in Peking und hat mit seiner Firma Sinovation Ventures in mehr als 300 Portfoliofirmen investiert – vor allem in China.

Das überrascht:

Auffällig – und ein wenig desillusionierend – ist, dass Europa und Deutschland im weltweiten KI-Wettbewerb kaum eine Rolle spielen. Darin sieht Lee durchaus eine Gefahr: „Während KI-reiche Staaten erstaunliche Profite einheimsen, werden Länder, die eine bestimmte technologische und ökonomische Schwelle nicht überschritten haben, in einen immer größeren Rückstand geraten.“ Welche Länder das exakt sind, sagt Lee nicht.

„Zu den KI-Giganten aufzuschließen“, schreibt Lee im Vorwort der deutschen Ausgabe, „ist ein mühsames Unterfangen und ein Wettlauf gegen die Zeit.“ Europa müsse Arbeitsplätze für seine talentierten KI-Ingenieure schaffen, die andernfalls nach China oder in die USA gingen.

So viel versteht man:

Das Buch ist durchaus Einstiegsliteratur zum Thema und in weiten Teilen auch so geschrieben. Dennoch stören in der deutschen Ausgabe ungelenke Übersetzungskrücken wie „Wagnisfinanzierung“, „Algorithmen-Ingenieur“ oder „KI-basierte Unterrichtsmedien“. Die vielen Quellen im Anhang des Buchs, die sowohl die westliche als auch die chinesische Sicht widerspiegeln, machen „AI Superpowers“ jedoch zu einem extrem wertvollen KI-Sachbuch.

Mehr: Wer hat 2019 das beste Wirtschaftsbuch geschrieben? Das sind die zehn besten Werke des Jahres.

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