100. Jubiläum Kunst, Grafik, Architektur: Die Bauhaus-Highlights sechs kluger Köpfe

Experten kuratieren zum Jubiläum für das Handelsblatt Magazin klassische wie zeitgenössische Bauhaus-Beispiele. Wir zeigen hier eine kurze Auswahl.
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Marc Newson: „Ein starkes und ikonisches Möbel, das glücklicherweise immer noch zu haben ist.“ Quelle: Le Corbusier/Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret, Cassina 19
LC4 Chaiselongue

Marc Newson: „Ein starkes und ikonisches Möbel, das glücklicherweise immer noch zu haben ist.“

(Foto: Le Corbusier/Charlotte Perriand und Pierre Jeanneret, Cassina 19)

Düsseldorf Kaum eine Woche vergeht ohne TV-Movie, Ausstellungs-Premiere oder Feierstunde: Das 1919 von Walter Gropius als Kunstschule gegründete Staatliche Bauhaus ist 100 Jahre danach präsenter denn je – und prägt Künstler, Architekten, Produktdesigner und Modemacher bis heute. Das Handelsblatt Magazin bat sechs kluge Köpfe aus unterschiedlichen Disziplinen, ihre ganz persönlichen Highlights in Wort und Bild vorzustellen – in Gänze nachzulesen im Heft 3/2019. Hier stellen wir Ihnen die sechs Experten vor.

Kunst: Christiane Lange

Christiane Lange leitet seit 2013 als Direktorin die Staatsgalerie in Stuttgart und verknüpft so praktische Museumsarbeit mit einer Honorarprofessur an der Akademie der Bildenden Künste München. Die Kunsthistorikern ist Expertin auf ihrem Gebiet, sorgte bis 2012 als Direktorin der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung für bestbesuchte Kunstausstellungen. Gerade die Staatsgalerie in Stuttgart ist dabei eng mit den Bauhäuslern verbunden, denn es beherbergt das Archiv des Bauhaus-Künstlers Oska Schlemmer.

Fürs Handelsblatt Magazin suchte Lange ihre Bauhaus-Highlights heraus und bespricht sie, darunter Werke von Oskar Schlemmer (Figurinen zum Triadischen Ballett, 1922), Paul Klee (Die Heilige vom innern Licht, 1921) oder Johannes Itten (Spruch, 1921). Ittens Vorkurs war zentral für die Lehre am Bauhaus. Sein revolutionärer, auf die Praxis in Bau und Design zielender Ansatz ging von einem einheitlichen Menschen- und Weltbild aus.

Grafik: Erik Spiekermann

Erik Spiekermann hat viele Berufe und Berufungen: Setzer, Drucker, Kunsthistoriker, Fachautor – 1979 gründete Spiekermann MetaDesign. 1989 folgte FontShop, weltweit der erste Vertrieb für elektronische Schriften. Zudem fungiert er als Aufsichtsrat und Senior Partner von Edenspiekermann in Berlin, Amsterdam, San Francisco, Los Angeles, Singapur. Seine Typografische Werkstatt p98a.berlin verbindet Digitaltechnik mit analogem Buchdruck.

Da der Umgang mit Schriften und anderen Stilelementen aus den Setzkästen der Drucker ebenfalls für den Erfolg der Bauhaus-Schule wichtig war, beschreibt Spiekermann für das Handelsblatt Magazin, welchen Einfluss die vom Bauhaus entwickelten Typographien und Schriften auch heute noch haben.

Interior Design: Mateo Kries

Der Direktor des Vitra Design Museums in Weil am Rhein hat über Le Corbusier promoviert, war Kurator etlicher Designausstellungen und hat zahlreiche Bücher zum Thema „Bauhaus“ herausgegeben. Diesen Herbst erscheint der von ihm kuratierte „Atlas des Möbeldesigns“, das bisher größte Sammelwerk zur Geschichte des modernen Möbels. Das Vitra Design Museum, das Mateo Kries leitet, wurde nicht zuletzt auch durch seinen spektakulären Bau von Frank Gehry bekannt. Es zählt mittlerweile zu den wichtigsten Designsammlungen weltweit.

Einfache Handhabung, Multifunktionalität, gesellschaftliche Relevanz, Nachhaltigkeit – das sind mehr denn je Werte, denen sich die Nachkommen des Bauhauses heute verpflichtet fühlen. Als seine Highlights beschreibt Kries unter anderem den Flax Chair (Christien Meindertsma, 2015), Dirk Vander Kooijs Endless Chair (2010) oder The Current Table von Marjan van Aubel (2014). Letzterer gehört zu einer Möbelserie, die Energie speichert und dann als Ladestation dienen kann – „ein großartiger Entwurf“, schreibt Mateo Kries.

Mode: Christiane Arp

Seit 2003 prägt Christiane Arp die deutsche „Vogue“ als Chefredakteurin und hat der Marke in der internationalen Modewelt neue Relevanz verliehen. Trotz ihrer Führungsaufgaben begleitet sie viele ihrer internationalen Modeproduktionen noch selbst als Stylistin. Zurzeit bereitet sie eine „Vogue“-Ausstellung in der Villa Stuck in München vor. Bei aller Internationalität ihres Magazins fördert sie aber auch den Modestandort Deutschland auf vielfältige Weise. Christiane Arp studierte einst Modedesign an der Fachhochschule für Gestaltung in Hamburg.

Als eines ihrer Highlights nennt die Modeexpertin das „Triadische Ballett“ von Oskar Schlemmer, denn der Bauhaus-Künstler setze mit seinen Kostümen bis heute Zeichen. „Anders als die Tänze“, schreibt Christina Arp dazu im Handelsblatt Magazin, „überdauerten die Kostüme – und inspirieren internationale Modemacher bis heute. Von Valentino bis Jil Sander und von Yves Saint Laurent bis Thom Browne – vielerorts finden sich Reminiszenzen.“

Produktdesign: Marc Newson

Der Industrial Designer, ein gebürtige Australier, liebt die Geschwindigkeit. Marc Newson entwirft Flugzeuginterieurs für Qantas Airways, Raumschiffe für EADS Astrium, Fahrzeugkonzepte für Ford, Schuhe für Nike oder Bekleidung für G-Star. Für Apple war er an der Entwicklung der Apple Watch beteiligt. Auf seinem ersten Möbelstück, der silbern glänzenden Liege Lockheed Lounge aus dem Jahr 1986, räkelte sich Madonna im Video „Rain“ und katapultierte den gelernten Silberschmied in den Designhimmel.

In den Setzkästen beim Bauhaus gab es etliche Größen der Schrift – siehe diese Einladung zu einem Lichtbildvortrag. Quelle:    PR/ Spiekermann
Scheltersche Grotesk

In den Setzkästen beim Bauhaus gab es etliche Größen der Schrift – siehe diese Einladung zu einem Lichtbildvortrag.

(Foto:  PR/ Spiekermann)

„Reduce to the Max“, warb Smart einst für seine Kleinstwagen. Einfachheit und Klarheit verbinden all jene Produkte, deren Designer – in welcher Weise auch immer – vom Bauhaus inspiriert wurden.

„Die Apple Watch“, schreibt Marc Newson zum Beispiel in seinem Beitrag fürs Handelsblatt Magazin, „könnte ein perfektes Bauhaus-Produkt sein. Natürlich war an die heutige Technologie vor 100 Jahren nicht zu denken. Doch wahrscheinlich hätten Walter Gropius oder Marcel Breuer eine solche Uhr sehr ähnlich gestaltet. Sie passt einfach perfekt zur Ästhetik des Bauhauses.“

Architektur: David Chipperfield

Der Architekt und Designer entwirft Gebäude von beeindruckender Ruhe und Anmut. Mit seinen Büros in London, Berlin, Mailand und Schanghai entwickelt David Chipperfield derzeit nicht nur das neue Eingangsgebäude für die Berliner Museumsinsel, das am 12. Juli eröffnen wird. Der gebürtige Londoner hat auch den Wettbewerb für den 233 Meter hohen Elbtower in Hamburg gewonnen und leitet zurzeit die Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin. 2012 kuratierte der mittlerweile 65-Jährige die 13. Architekturbiennale von Venedig.

Am Bauhaus wurde die Architektur als Mutter aller Künste betrachtet. David Chipperfield präsentiert für das Handelsblatt Magazin wichtige Bauhaus-Gebäude und erklärt, warum es bei ihnen vor allem auf die Haltung ankommt - zum Beispiel beim Isokon Building (London, 1934), beim Haus 33 der Weissenhof-Siedlung (Stuttgart, 1927) oder der Casa Barragán (Mexiko-Stadt, 1947).

Den vollständigen Bauhaus-Text finden Sie im Handelsblatt Magazin N°3/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 26. April 2019 am Kiosk erwerben.

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