„Ich kann nun leider gar nicht singen, nicht mal unter der Dusche."

Anzug: Tom Ford by Breuninger, Pullover: John Smedley.

(Foto: Thomas Rabsch für Handelsblatt Magazin)

Handelsblatt Magazin Warum Moritz Bleibtreu nicht für Netflix & Co. drehen will

Den Siegeszug der Streaming-Portale sieht der Schauspieler kritisch. Es würden viele Nischen bedient, doch Höhepunkte fehlten. Bleibtreu warnt vor einer Abwertung seines Berufes.
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Der Schauspielstar Moritz Bleibtreu warnt vorm großen Kinosterben: „Jedes Jahr sinken die Zuschauerzahlen weiter. Die Genrevielfalt ebbt ab, was dazu führt, dass man aus lauter Angst vor dem Risiko nur noch das produziert, was eh gut läuft“, sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt Magazin. Das Kino werde „seinen Platz in der Mitte der Gesellschaft sicher noch stärker einbüßen, als wir das in den vergangenen Jahren schon beobachten konnten“.

Bleibtreu war einst schon in „Knockin’ on Heaven’s Door“ zu sehen und in „Lola rennt“, später in Steven Spielbergs „München“, in Uli Edels „Der Baader Meinhof Komplex“ und Fatih Akins „Soul Kitchen“. Er ist seit Jahrzehnten ein echter deutscher Kinostar und will dem Genre auch treu bleiben – trotz des Siegeszugs der Streaming-Portale von Netflix bis Apple TV+.

Deren Boom bedeute zwar „zusätzliche Chancen“ für Schauspieler wie ihn. „Kritischer sehe ich, dass mittelfristig durch die schiere Masse das Produkt an Begehrlichkeit und Relevanz verliert“, mahnt Bleibtreu gegenüber dem Handelsblatt Magazin.

„Auf dem Buchmarkt ist das ja auch schon zu sehen: Viele, viele Neuerscheinungen, aber kaum noch etwas, das zum Ereignis, zum gesamtgesellschaftlichen Gesprächsstoff wird. Stattdessen viele Nischen und Special Interests, immer mehr Sub-Genres und Zielgruppen, aber immer weniger Höhepunkte“, sagt der 48-Jährige.

Außerdem betrieben die Streaming-Riesen „durchaus mit Vorsatz die Abschaffung des alten Star-Systems: Warum soll ich einem Johnny Depp 20 Millionen Dollar zahlen, wenn ein anderer mit 300.000 zufrieden ist?“

Genau das passiere gerade: „Und wenn sich diese Entwicklung weiter fortsetzt, wird die Schauspielerei im Film die gleiche Entwicklung nehmen wie der Beruf der Stewardess: Vor 30 Jahren galt das noch als cool, heute ist es vielfach nur noch ein schlecht bezahlter Dienstleistungsberuf mit eher miesen Arbeitszeiten.“

Mit dem Handelsblatt Magazin sprach Moritz Bleibtreu aber nicht nur über die Zukunft des Films, sondern auch über die Planbarkeit von Karrieren und die Frage, warum er zwar auf Instagram aktiv ist, von der Plattform aber trotzdem nichts hält. Obendrein verrät er die Hintergründe seiner Leidenschaft für teure mechanische Uhren und erzählt von seinem ambivalenten Verhältnis zu Geld.

Das vollständige Interview mit Moritz Bleibtreu finden Sie im Handelsblatt Magazin N°7/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 8. November 2019 am Kiosk erwerben.

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1 Kommentar zu "Handelsblatt Magazin: Warum Moritz Bleibtreu nicht für Netflix & Co. drehen will"

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  • Klar doch! Wenn das richtige Angebot kommt wird er schon nicken. Die pauschale Ablehnung von Netflix&Co. empfinde ich als ein wenig vorschnell. War da nicht mal ein Werbespot für Mcdonalds ? Er hat, wie ich mich zu erinnern glaube, früher auch mehrfach behauptet, nicht für das Fernsehen arbeiten zu wollen. Da ist er allerdings inzwischen nicht mehr so fest im Glauben. Warten wir ab wie die Halbwertzeit der Netflix&Co. Aussage ist. Richtig ist die neuen Steaming Portale geben Schauspielern mehr Arbeits und Verdienstmöglichkeiten. An beidem gebricht es vielen Schauspielern, die meisten, auch die gut beschäftigten, leben im Grunde von der Hand in den Mund und in eher prekären Verhältnissen.