Anna Ewers

„Ein hoher Wiedererkennungswert ist im Zweifel mehr wert als ein irgendwie gefälliges Aussehen“, sagt das Supermodel im Interview.

(Foto: Markus Jans für Handelsblatt Magazin)

Interview Superstar Anna Ewers: „Als Model sollte man selektiv sein“

Das deutsche Supermodel über Nachhaltigkeit im Fashion-Business, Konsequenzen aus der #MeToo-Debatte und Rollenbilder der Generation Instagram.
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Mode und Nachhaltigkeit? Das war bis vor kurzem keine sonderlich innige Beziehung. High Fashion ist auf schnelle Trends aus und noch schnelleren Konsum.

Doch „Fridays for Future“ und Klima-Debatten verändern selbst in dieser Branche allmählich das Bewusstsein. „Die Mode muss sicher mehr in Richtung Nachhaltigkeit gehen, wenn sie weiterhin geliebt und ernst genommen werden will“, sagt nun ausgerechnet das deutsche Supermodel Anna Ewers, Star großer Kampagnen und Dauergast auf den „Vogue“-Titeln.

In der Mode-Spezialausgabe des neuen Handelsblatt Magazins zieht die 26-jährige Freiburgerin das nüchterne Fazit: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, gibt’s unsere Welt in absehbarer Zeit nicht mehr.“ Ewers ist zugleich aber auch klug genug, das Dilemma zu erkennen, in dem nicht nur sie selbst steckt: „Das geht ja schon damit los, dass Modeleute einfach wahnsinnig viel reisen. Da kann ich andererseits nicht glaubwürdig behaupten, die Welt retten zu wollen.“

Mit dem Handelsblatt Magazin sprach Ewers daneben auch offen über andere Themen: wie die MeToo-Debatte die Modebranche verändert hat. Wie Social Media und die dort verhandelten Schönheitsideale den Nachwuchs gefährlich unter Druck setzen. Warum sie versucht, ihr eigenes Privatleben aus der Instagram-Welt herauszuhalten. Und weshalb Heidi Klums Casting-Bohei „Germany’s Next Topmodel“ nichts mit der Realität des Fashion Business zu tun hat.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Frau Ewers, was ist Schönheit?
Ich glaube, das muss heute jeder für sich selbst definieren, was er oder sie schön findet. Da geht es letztlich weniger um Äußerlichkeiten als um Charakter. Einen Menschen, den man nicht leiden kann, würde man nie „schön“ nennen, oder?

Sie arbeiten in einer Branche, in der Schönheit nun mal ein Geschäft ist. Wer definiert dort die Maßstäbe? Modemarken? Influencer? Klassische Medien?
Die Kunden, die Nutzer selbst. Allein bei Instagram können Sie heute Beispiele für jede Art von Schönheitsideal finden. Insofern bediene ich mit meiner Arbeit und meinem Typ auch nur eine Nische. Dass es generell einen großen Facettenreichtum gibt, finde ich durchaus gut. Das ist ja auch ein Beispiel für gelebte Diversity. Ein hoher Wiedererkennungswert ist im Zweifel mehr wert als ein irgendwie gefälliges Aussehen.

Kaum noch eine Instagram-Ikone, die ihrem Äußeren nicht schon mit kosmetischer Chirurgie nachgeholfen hat. Würden Sie an sich jemals „was machen lassen“?
Ich habe noch nichts „gemacht“ und auch nicht vor, etwas zu ändern. Eigentlich halte ich davon nicht viel, denn solche Eingriffe machen Menschen ja nicht unbedingt jünger … nur irgendwie anders.

Zurück zur Natur – mit Topmodel Anna Ewers
Biker in Blumen
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Mode und Nachhaltigkeit? Das passte bislang zusammen wie – sagen wir mal – Gucci und Jack Wolfskin. Genau, fand unser Guest Creative Director Donald Schneider, der darin keine Unmöglichkeit, sondern einen großen neuen Trend sieht: Highfashion entdeckt die Outdoor-Szene.

Kleid Giambattista Valli, Motorrad-Schutzjacke und Helm Dainese, Stiefel Kenzo, Halstuch Chanel, Ringe Lilian von Trapp, E-Bike Porsche Design, Bluse und Kleid Prada.

(Foto: Markus Jans für Handelsblatt Magazin)
SportScheck und Prada
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Nicht erst seit selbst Chanel im vergangenen Jahr werbewirksam Pelzen und Fellen abschwor, scheint jedenfalls klar: So verschwenderisch und sorglos wie früher kann die Branche nicht mehr weitermachen.

Cape Prada, Jacke Ganni x 66°North, Rollkragenpullover Louis Vuitton, Leggings Onzie (SportScheck), Socken Wolford, Turnschuhe Camper, Halskette Dior, Rucksack MCM.

(Foto: Markus Jans für Handelsblatt Magazin)
Louis Vuitton Racing Team
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Erst recht nicht in Zeiten von Klimawandeldebatten und „Fridays for Future“-Protesten, die von jenen Zielgruppen angeführt werden, die man doch gewinnen will: den Millennials und ihren Nachfolgern, der Generation Z.

Bomberjacke Louis Vuitton, Overall Bogner, Body Wolford, Ohrringe und Ring Lilian von Trapp.

(Foto: Markus Jans für Handelsblatt Magazin)
Nylon und Leder
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Also hat Creative Director Schneider die große Modestrecke dieser Spezialausgabe ganz dem Thema gewidmet – unterstützt vom deutschen Supermodel Anna Ewers, die mit uns überdies erstmals in einem großen Interview über ihre Karriere, aber auch ihre eigene Liebe zur Natur und die wachsende Öko-Kritik an der Branche sprach.

Nylonjacke Jet Set, Netz-T-Shirt KCA-Lab, Rollkragenpullover Wolford, Hose Dior, Socken Falke, Schuhe Camper, Ohrringe und Ringe Lilian von Trapp, Gürteltasche MCM

(Foto: Markus Jans für Handelsblatt Magazin)
Covergirl
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Das deutsche Supermodel sagt über Nachhaltigkeit in der Modebranche: „Wenn wir so weitermachen wie bisher, gibt’s unsere Welt in absehbarer Zeit nicht mehr.“

(Foto: Luigi & Iango (Vogue Deutschland, 03/2015)

Anna Ewers für Marc O' Polo
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„Mode muss mehr in Richtung Nachhaltigkeit gehen, wenn sie weiterhin geliebt und ernst genommen werden will“, ist sich die 26-jährige Freiburgerin sicher. Sie gilt als bestbezahlte deutsche Ich-AG seit Claudia Schiffer.

(Foto: Marc O' Polo)

Yoga im Smoking
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Anna Ewers wurde während eines Schüleraustauschs in Kolumbien entdeckt.

Smokingjacke Giorgio Armani, Hemd Paul Smith, Weste Arc’teryx, Krawatte Dries Van Noten, Hose Stone Island, Schuhe Bogner, Uhr Garmin (SportScheck), Gürtel Spibelt, Handschuhe Kjus, Jacke Balmain, Top und Biker Shorts ATH_W Wolford, Schuhe Dainese, Ohrringe Werkstatt München

(Foto: Markus Jans für Handelsblatt Magazin)

Wann empfinden Sie sich selbst als schön?
Nach einem Jetlag wie jetzt gerade nicht so sehr. Mit mir selbst im Reinen bin ich eher, wenn ich einem gewissen Dreiklang folge: viel schlafen, viel trinken – natürlich keinen Alkohol – und regelmäßig drei- bis viermal pro Woche Sport.

In Ihrem Fall begann das Modeln ausgerechnet im kolumbianischen Cali während eines Schüleraustauschs. Wie verschlägt es eine 16-jährige Freiburgerin ausgerechnet in die einstige südamerikanische Drogenmetropole?
Meine beiden älteren Schwestern durften während der Schulzeit für je ein Jahr ins Ausland. Die eine ging in die USA, die andere nach Japan. Über die gleiche Vermittlungsorganisation bekamen wir eine Austauschschülerin aus Kolumbien, die uns die Vorzüge ihrer Heimat näherbrachte. Das fand ich spannend. Also flog ich hin. Und weil eine Freundin dort mich ‧irgendwie schön fand, nahm sie mich mit zu ersten Modeljobs. Ich war ja für dortige Verhältnisse ziemlich groß und blond und insofern vielleicht exotisch.

Cali, Kolumbien, Modeljobs – Ihre Eltern sind Lehrer. Die hyperventilierten da nicht?
Wir lebten in Kolumbien in durchaus behüteten Mittelschichtsverhältnissen. Und an das Modeln glaubte ich ja selbst lange nicht.

Wann wurde es ernst?
Als ich wieder zurück in Freiburg war, bewarb ich mich beim einzigen dortigen Modelagenten, Enzio Maggiore. Zwei Wochen später nahm er mich mit nach Mailand.

Er sah damals mehr in Ihnen als Sie selbst?
So war das wohl. Aber auch er war sicher überrascht über die Reaktionen, die wir dann erlebten.

Wie lernten Sie, diese Mode- und Modelbranche zu verstehen?
Ach, man wird ins Wasser geworfen und versucht zu schwimmen. Einer meiner ersten Aufträge war gleich Prada. Und weil ich mich vor jedem Job ein bisschen über die Marke und den Fotografen informiere, war ich irritiert, dass ich plötzlich vor dem großen Steven Meisel stehen sollte …

… der als „Vogue“-Fotograf selbst eine Art Legende ist.
Ich dachte: Wieso muss dieser Star uns Laufstegmodels fotografieren? Bis man mir sagte, dass ich nicht eine von vielen bin, sondern das Gesicht der ganzen Kampagne werden soll. Da freut man sich dann schon.

Dutzende von Covern, Hunderte von Catwalks, globale Werbekampagnen – Ihre Karriere wurde schnell sehr groß.
Ich wundere mich auch ein bisschen, vor allem, dass ich jetzt schon sieben Jahre in dem Geschäft bin. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich.

Sie sind 26 und quasi „alte Model-Schule“?
Haha, genau!

„Vergleiche mit Claudia Schiffer halfen anfangs sehr“
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