Kantinenkritik Die Huawei-Kantine muss den Geschmack der Masse treffen

Im Hauptquartier von Huawei gibt es auf fast 10.000 Quadratmetern eine große Auswahl an Speisen. Klassenlos ist die Gesellschaft dort allerdings nicht.
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Wer als Caterer schlechte Noten bekommt, verschwindet aus dem Programm der Huawei-Kantine. Quelle: Getty Images
Essen im Bereich „Düsseldorf“

Wer als Caterer schlechte Noten bekommt, verschwindet aus dem Programm der Huawei-Kantine.

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Shenzhen Die Kantine in der Zone F des Huawei-Hauptquartiers ist gewaltig. In dem fast 10.000 Quadratmeter großen Glasgebäude mit drei Ebenen bieten 21 Restaurants und sieben Stände Gerichte aus aller Welt an.

Zu Stoßzeiten sind sämtliche der mehr als 3200 Stühle besetzt. Zur Orientierung sind die einzelnen Bereiche in Ortsnamen eingeteilt, die auf Städte verweisen, in denen Huawei eine Niederlassung hat.

Wer zum Beispiel in „Düsseldorf“ Platz nimmt, isst unter dem grellen Licht dreier Bildschirme, auf denen Huawei-Slogans stehen: „Erkundungen hören nicht beim Scheitern auf.“ „Erkundungen beginnen damit, dass man Weisheiten teilt.“ „Erkundungen beleuchten den Pfad nach vorn.“

Während sonst in China die Mittagspause heilig ist und schon mal zwei Stunden lang zelebriert wird, schlingen einige Huawei-Mitarbeiter das Kantinenessen innerhalb weniger Minuten in sich hinein.

Wohl auch, weil es zwar nahrhaft, aber nicht sonderlich lecker ist. Der Blumenkohl, der Tofu und die Wintermelone sind allesamt ein bisschen überkocht und schmecken fad.

Es sei aber schon besser als früher, erzählen die Mitarbeiter. Inzwischen werden sie alle drei Monate befragt. Wer als Caterer schlechte Noten bekommt, verschwindet aus dem Programm. Man sei „marktorientiert“, erklärt das Unternehmen.

Die Kantine in der F-Zone ist dabei nur eine von vielen im Hauptquartier von Huawei. Allein auf dem Campus in Shenzhen gibt es insgesamt neun solcher Essenshallen. Eine Kantine auf dem Songshan-Lake-Campus, wo viele Kopien europäischer Prachtbauten stehen, ähnelt eher einem Diningroom im englischen Oxford als in China.

Das beste Essen, so sind sich die meisten einig, gibt es in Zone A. „Da essen nämlich die Chefs“, sagt eine Huawei-Mitarbeiterin lächelnd.

VIP-Gäste werden entweder in Pavillons mit Seeblick verköstigt oder in einen Privatraum geführt, vor dem junge Damen in traditioneller Tracht chinesische Instrumente spielen. Wer es westlicher mag, kann sich aber auch Chicken-Nuggets bei KFC holen.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°6/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 11. Oktober 2019 am Kiosk erwerben.

Mehr: In der Kantine der italienischen Schmuckgröße Bulgari bekommen die Mitarbeiter Essen wie bei „Mamma“ – nach einem streng festgelegten Zeitplan.

Foto: Handelsblatt Magazin

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