Pamela Golbin

Die Kuratorin ist heute künstlerische Leiterin von Jacquard by Google.

(Foto: Stephanie Füssenich für Handelsblatt Magazin)

Porträt Wie Pamela Golbin Synergien zwischen Technologie, Kunst und Mode schaffen will

25 Jahre lang hat Pamela Golbin für den Louvre als Kuratorin gearbeitet. Jetzt will sie die großen Modemarken für Hightech öffnen – und arbeitet für Google.
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Paris Sie sprüht geradezu vor Zukunftseuphorie. Überpünktlich kommt Pamela Golbin ins Grand Hotel du Palais Royal im Herzen von Paris. Die Lobby hat sie als Treffpunkt vorgeschlagen, weil ihr neues Büro noch nicht fertig ist. Andere wären da vielleicht beleidigt. Golbin nimmt es als Zeichen auch des eigenen Aufbruchs, dass ihr neuer Arbeitgeber – immerhin Google – das mit dem Büro noch nicht hingekriegt hat. Wer braucht das denn heute noch: Office, feste Arbeitszeiten, die Statik und Jobstruktur aus einer anderen Ära?

Um Golbins Sprung ins Universum der US-Internetriesen in seiner ganzen Tragweite zu verstehen, muss man wissen, dass sie einer völlig anderen Welt entstammt. 25 Jahre lang war sie für den Pariser Louvre Kuratorin in dessen Musée des Arts Décoratifs, für das sie einige der spektakulärsten Mode-Ausstellungen der Welt erschuf.

Sie verkuppelte Kunst und Fashion. Eine Liaison, die bis heute die buntesten Früchte trägt – und sie selbst zum Star machte. Nun sollen beide Branchen mit Golbins Hilfe aus der Vergangenheit retrospektiver Verehrung in eine neue Hightech-Zukunft starten.

Seit Kurzem ist Golbin künstlerische Direktorin von Jacquard by Google, der Bereich für Smart Textiles, bei dem sie Innovationen befeuern und Synergien schaffen soll zwischen Technologie, Kunst und Mode. Google trifft die Welt von Chanel, Dior und Louvre? Das klingt zunächst, als würden Algorithmen künftig Haute-Couture-Roben schneidern, ist aber anders gemeint: „Kunst war immer eine Inspiration für die Designer. Doch nun kommt zunehmend die Technologie dazu“, sagt Golbin. „Nach 25 Jahren, in denen ich in die Vergangenheit gesehen habe, schaue ich nun in die Zukunft.“ Orakel 4.0 gleichermaßen.

Die Neugier aufs Fremde hat sie im Gencode: Die 49-jährige Franko-Chilenin, Tochter eines Ingenieurs, geboren in Peru, die zwischen Südamerika, Paris und Miami mit ihrer Familie hin- und hergezogen ist, war schon früh fasziniert von Mode wie von abstrakter Kunst. Sie studierte an der Columbia-Universität in New York Kunstgeschichte.

Ihr erstes Kleid stammte von dem renommierten tunesischen Modeschöpfer Azzedine Alaia, sie trug es zu ihrem Highschool-Abschluss. Heute kleidet sie sich gern schlicht und elegant. Ihre schwarze Jacke ist von Chanel – und über 20 Jahre alt, darunter ein Rollkragenpullover von Uniqlo, ein Klassiker. „Ich bin kein Fashion-Victim. Fast Fashion interessiert mich nicht. Für mich ist Mode etwas, um sich selbst besser zu fühlen, ein Spiel. Wenn man viel ausprobiert, ist es leichter, seine Identität zu finden.“

Mit 23 zur Kuratorin ernannt

Ganz früh schlug sie auch in Paris erste Wurzeln. Dort lebte ihre Oma väterlicherseits. Die Dame hatte gute Kontakte zur Modewelt, mit deren Hilfe Golbin schon 1988 ein Praktikum im Musée des Arts Décoratifs neben dem Louvre ergatterte. Damals war sie erst 18 Jahre alt – und machte sich doch schnell unentbehrlich. Unter anderem organisierte sie eine Ausstellung und ein Buch über die Modeschöpferin Madeleine Vionnet. En passant lernte sie die ganze französische Modewelt kennen, unter anderem den 2008 verstorbenen Modeschöpfer Yves Saint Laurent.

Nebenbei arbeitete Golbin im Metropolitan Museum in New York, wo sie fürs berühmte Kostüminstitut zuständig war. Die Erfahrung half ihr, in Paris schon mit 23 zur Museumskuratorin ernannt zu werden, als das Musée des Arts Décoratifs sich anschickte, eine ständige Kostümgalerie zu eröffnen.

„Jede Ausstellung ist, wie ein Buch zu schreiben“
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