Ruhe bitte! Entspannen beim Schminken

Die erfolgreiche Influencerin Leonie Hanne begegnet ihrem Jobstress mit einer Achtsamkeits-App, gezielten Atemübungen und Meditationstraining.
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Der Influencerin folgen auf Instagram zwei Millionen Menschen. Quelle: Getty Images
Leonie Hanne

Der Influencerin folgen auf Instagram zwei Millionen Menschen.

(Foto: Getty Images)

Richtig gestresst bin ich, wenn ich etwas nicht beeinflussen kann. Wie zum Beispiel neulich, als das Flugzeug wegen eines Gewitters stundenlang nicht abheben konnte, um mich von Ibiza zurück nach London zu einem Event zu bringen. Ich kam dort total verspätet an.

Klar, niemand wirft einem das Wetter vor, aber dieses tatenlose Warten macht mich nervös. Ich genieße die hohe Taktung. Meine Anspannung ist am größten, wenn ich überraschend nichts zu tun habe und mich frage: Was mach ich jetzt nur? Was mich eher antreibt, ist der Druck, wenn ich schnell vom Flughafen in die Stadt muss, um mich noch für eine Abend-Gala zu stylen.

Im Schnitt haben mein Freund und Manager Alex und ich täglich mit rund hundert Leuten Kontakt. Über meine Webseite und Instagram. Nonstop muss ich darüber nachdenken, was ich meinen mittlerweile über zwei Millionen Followern bis in die Nacht hinein zeige.

Jeden Post betrachte ich als neue Chance. Aber auch wenn Feierabend in den sozialen Medien ist, sind Alex und ich für unsere Firma verantwortlich. Wir kümmern uns um Verträge, Steuerfragen, die Website, Produktionen und vieles mehr.

Früher, als ich noch als Strategieberaterin arbeitete, war mein Arbeitspensum niedriger. Dafür macht mir mein jetziger Job aber deutlich mehr Spaß. Weil jeder Tag anders ist, bemühe ich mich, beruhigende Routinen einzubauen, etwa jeden Morgen zusammen mit Alex erst mal einen Kaffee zu trinken.

Die Ansprüche von Kooperationspartnern und die Erwartungen meiner Follower wachsen. So bin ich inzwischen jährlich etwa 300 Tage auf Reisen.

London ist dafür ein idealer Standort, von hier gibt es viele Direktflüge in alle Teile der Welt und zurück. Aber die Hektik der Stadt überträgt sich auf mich. Durch die großen Glasfenster meiner Wohnung mitten in der City kann ich mich weniger gut abschotten. Vor etwa einem Jahr habe ich daher angefangen, einmal pro Tag mit einer Meditations-App runterzukommen.

Am liebsten in jener Viertelstunde, in der ich mich schminke. Während dieser Routinetätigkeit folge ich der Anleitung und konzentriere mich auf meinen Atem. Das wirkt ausgesprochen positiv. Ich fühle mich insgesamt entspannter und viel gelassener.

Auch im Flugzeug höre ich inzwischen über Kopfhörer lieber die beruhigenden Klänge der Achtsamkeits-App statt aktuelle Hits. Und das Beste am Meditationstraining via Smartphone: Ich habe reichlich Auswahl. Je nach Stimmung gibt’s die unterschiedlichsten Programme – von Fokussierung über Glück bis Dankbarkeit.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°6/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 11. Oktober 2019 am Kiosk erwerben.

Mehr: Das deutsche Supermodel Anna Ewers über Nachhaltigkeit im Fashion-Business, Konsequenzen aus der #MeToo-Debatte und Rollenbilder der Generation Instagram.

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