Ruhe Bitte! Frederik Braun entgleist nur beim Fußball

Wenn Frederik Braun genug vom Trubel rund um seine Modellbahnen im Miniatur Wunderland hat, wird er zum Hardcore-Fan vom Hamburger SV.
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Der 51-jährige und seine Brüder betreiben im Hamburger Miniatur Wunderland die weltgrößte Modelleisenbahn. Quelle: Verena Brandt für Handelsblatt
Frederik Braun

Der 51-jährige und seine Brüder betreiben im Hamburger Miniatur Wunderland die weltgrößte Modelleisenbahn.

(Foto: Verena Brandt für Handelsblatt)

Hamburg Überraschenderweise herrscht bei uns von Juli bis September der größte Andrang – nicht im Herbst und Winter, wie manche vermuten. In den Sommerferien wollen täglich bis zu 10.000 Menschen unsere Modelleisenbahnanlage besuchen.

Gerade mal die Hälfte können wir aber bislang nur reinlassen. An unseren 16 Kassen ist dann Hochbetrieb, und die Wartezeiten für diejenigen, die keine Karten reserviert haben, sind lang. In der Hitze und mit heulenden Kindern, die Durst haben und nicht mehr stehen wollen, verliert so mancher die Geduld. Dann werden unsere Mitarbeiter auch mal angepöbelt.

In solchen Stoßzeiten stehe ich mit im Foyer. Ich bin ja selbst Vater von drei Kindern und weiß, wie anstrengend diese Situation ist. Vor allem dann, wenn ein Besuch unserer Ausstellung womöglich trotz stundenlanger Anreise und Anstehens nicht mehr klappt und die Enttäuschung der Kleinen riesengroß ist. Bei manchen Familien wird es dann richtig dramatisch.

Damit der Frust nicht eskaliert, helfe ich selbst mit, Eltern und Kinder zu beruhigen. Dabei gehe ich fest davon aus, dass jeder Mensch erst mal gut ist. Damit auch unsere Mitarbeiter gelassen reagieren, predige ich ihnen immer: „Versetz dich mal in deren Lage.“

Eigentlich bin ich ja zuständig für das Kaufmännische und die Verwaltung. Aber ob wir am Eingang ein Drehkreuz testen sollten oder die Platzierung neuer Ausstellungsstücke wie zuletzt des Palastes von Monaco, ich möchte gern alles wissen und überall mitreden. Außerdem habe ich selbst ständig neue Ideen.

Als Sensibelchen nehme ich dummerweise Probleme mit ins Bett. Der ganze juristische Kram rund um die geplante Erweiterung unserer Fläche um 3000 Quadratmeter zum Beispiel hat mich etliche Stunden Schlaf gekostet.

Von dem bekomme ich sowieso nur wenig. Manchmal bin ich von sechs Uhr morgens bis ein Uhr nachts im Miniatur Wunderland. Zu viel wird mir das aber nie. Im Gegenteil. Nach dem Trubel des Tages kann ich endlich in Ruhe nachdenken.

Lediglich dienstags und donnerstags will ich abends pünktlich um 18 Uhr raus, denn dann habe ich ein festes Date mit meiner Frau. Um sieben kommt der Babysitter, und wir genießen die Zweisamkeit. Keine Kinder, kein Handy. Stattdessen aber vielleicht eine Flasche Wein in unserem Lieblingsrestaurant.

Der wichtigste Tag der Woche ist jedoch der Sonntag. Meine Frau und ich sind Hardcore-HSV-Fans. Seit 1982 habe ich Dauerkarten für die Heimspiele. Ganz selten nur hab ich eins verpasst. Sogar unsere Urlaube plane ich drumherum. Am Spielfeldrand nehm ich mich nicht zurück, sondern schreie sofort alles heraus, worüber ich mich aufrege. Ganz schön befreiend, glauben Sie mir!

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°7/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 8. November 2019 am Kiosk erwerben.

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