Ruhe bitte! Wie Alexandre de Betak in der Modebranche die Nerven behält

Manche Leute finden Stress anregend, der Modenschauen-Regisseur Alexandre de Betak nicht. Er weiß, wie er in der aufgeregten Branche Ruhe findet.
Kommentieren
Der Modenschauen-Regisseur hat 25 Jahre Berufserfahrung. Quelle: Marie-Laure Dutel
Alexandre de Betak

Der Modenschauen-Regisseur hat 25 Jahre Berufserfahrung.

(Foto: Marie-Laure Dutel)

Jeder Moment meines Lebens ist für mich auch Inspiration für den Job. Das ist manchmal anstrengend, klar, aber ich kenne es nicht anders. Jedes Jahr organisiere ich 80 bis 100 Modenschauen und Events, darunter Shows von Dior, Raf Simons, Michael Kors oder Viktor & Rolf. Für einige arbeite ich mehrere Wochen, bei anderen bis zu sechs Monate.

Dabei bin ich oft schon Jahre vorher auf Suche nach geeigneten Locations. Die buche ich, bevor ich weiß, welche Schau ich dort organisieren will. Schon jetzt suche ich zum Beispiel Orte für 2024, was besonders schwierig wird, weil dann die Olympischen Spiele in Paris gastieren.

Bei den Schauen bin ich der Regisseur, ich muss die passenden Dekors zur Mode finden. Dafür wiederum muss ich natürlich die Ideen des Designers verstehen. Einige machen viele Vorgaben, andere geben mit einem einzigen Wort das Thema vor. Am Rande mancher Events wird viel geschrien, was in meinem Team streng verboten ist, weil es für nur noch mehr Stress sorgt.

Es gibt Leute, die finden Stress anregend, ich nicht. Deshalb rede ich immer ganz leise, dann hören die anderen zu. Mir ist der gegenseitige Respekt bei der Arbeit wichtig. Ich habe ständig 50 Mitarbeiter, über 100 bei den Schauen, da muss man ruhig bleiben und delegieren können.

Wirklich aufgeregt bin ich eigentlich nie. Das liegt auch daran, dass ich schon über 25 Jahre Erfahrung in dem Job habe. Man muss davon überzeugt sein, was man macht. Allerdings ist die Organisation der Modenschauen durch die Digitalisierung viel schneller geworden. Das Modeerlebnis muss man nun so organisieren, dass es auch auf dem kleinen Handy-Bildschirm wirkt. Schließlich geht es immer wieder darum, Emotionen zu schaffen.

Der aufregendste Moment bei einer Schau ist für mich der Anfang. Immer. Der erste Eindruck zählt, wie bei einem Menschen, den man kennen lernt. In dem Moment weiß ich, ob es mir gelingt, die Zuschauer zum Träumen zu animieren.

Wirkliche Katastrophen sind mir in meiner Karriere erspart geblieben, sonst wäre ich wohl auch nicht mehr im Job. Oft hat die Tierschutzorganisation Peta Schauen gestört, mal fiel der Strom aus, einmal lief ein Aquarium aus. Dann muss man ganz gelassen bleiben. Dazu hilft es mir sehr, mich mit meiner Familie, meinen zwei Jungen und meiner kleinen Tochter zu entspannen.

Wenn ich es recht bedenke: Eigentlich sind die Modenschauen heute sogar einfacher zu organisieren und ruhiger als früher, weil es weniger Probleme mit Supermodels gibt. Um die herum war früher immer irgendeine Aufregung. Das fehlt fast ein bisschen, dieses herrliche Drama.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°5/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 13. September 2019 am Kiosk erwerben.

Mehr: Influencer bringen Luxusmarken auf den Modenschauen in Mailand, New York und Paris Millionen. Ihr Anteil an der Medienwirkung wächst rasant.

Mehr zu: Ruhe bitte! - Wie Alexandre de Betak in der Modebranche die Nerven behält

0 Kommentare zu "Ruhe bitte!: Wie Alexandre de Betak in der Modebranche die Nerven behält"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.