Handelsblatt Rethink Work: „Die Hardcore-Gamer sind die Arbeitnehmer der Zukunft“
Johannes Ehrenwerth im Podcast Handelsblatt Rethink Work
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Angefangen hat es, wie so oft, mit lustigen Bildern im Internet. Sebastian Galla und Johannes Ehrenwerth, beide Werber, suchten ein Ventil, um ihren Frust über den ausbeuterischen Alltag in der Werbebranche zu loszuwerden. Es entstand der Instagram Account „Agentur Boomer“, der über Memes von einer Welt erzählt, in der Obstkörbe und glitzernde Jobbezeichnungen für schlechte Arbeitsbedingungen wettmachen sollen.
Zu dem Thema gab es allerdings schnell Resonanz, das weit über die Werbewelt hinaus ging, erzählt Johannes Ehrenwerth im Podcast Handelsblatt Rethink Work. „Die Leute waren so hungrig danach, uns zu erzählen, was bei ihnen im Büro gut läuft und was schief läuft“, sagt Ehrenwerth.
Heute ist Agentur Boomer eine Filiale der Dortmunder Werbeagentur „Brandneo“ und berät Unternehmen zu Internetkultur mit Fokus auf Web3, also dem auf Blockchain-Technologie basierenden Internet. „Man sieht das ja immer noch, dass große Unternehmen und Konzerne sich von ganz großen Unternehmensberatungen coachen lassen zur Digitalisierung. Aber dann denke ich immer: Das Digitale, das sollte eigentlich schon seit zehn Jahren der STANDARD sein, wir sind längst schon weiter.“
Das viel diskutierte Metaverse ist dabei aus seiner Sicht gar nicht die wichtigste Veränderung, sondern vor allem die sichtbarste: „Viele denken, wir werden demnächst alle nur noch mit Mark Zuckerbergs VR-Brille unterwegs sein und irgendwelche 3D Bilder malen. Ich finde, das ist es überhaupt nicht.“
Aus Ehrenwerths Sicht werde hingegen der völlig neue Umgang mit Communities maßgeblich die Arbeitswelt verändern – eine Entwicklung, die er auch jetzt schon auf dem Werbemarkt beobachten könne.
Während bis vor Kurzem vor allem noch Influencerinnen und Influencer auf Instagram als Werbepartner gefragt gewesen seien, würde nun auf einmal eine ganz neue Generation interessant werden, die sich dezentral im Metaverse organisiert. „Das sind Leute, die mit Teams, die teilweise zehn Menschen umfassen und nicht mehr, innerhalb von Wochen und Monaten riesige Business-Ideen aus dem Boden stampfen und die dann auch umsetzen digital. Und die dann auch in ihrer Bubble innerhalb von Wochen eine riesige Relevanz aufbauen können“, sagt Ehrenwerth.
Dementsprechend werde sich auch das Recruiting der Arbeitskräfte in den kommenden Jahren verändern, nicht nur in der Werbebranche. Ehrenwerth ist sich sicher: „Die Hardcore-Gamer sind die Arbeitnehmer der Zukunft“.
Warum er in seiner Agentur trotzdem auch manchmal noch Unternehmen dazu rät, lustige Rap-Videos für Social-Media aufzunehmen und inwiefern auch die Werbewelt mittlerweile im New Work angekommen ist, erzählt Johannes Ehrenwerth in der aktuellen Folge Handelsblatt Rethink Work.
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