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Handelsblatt Rethink Work„Neue Narrative“-Mitgründerin Lena Marbacher: So funktioniert die New-Work-Methode Holokratie

Beim Medienunternehmen „Neue Narrative“ wird in Rollen anstatt in Hierarchien gedacht. Wie ein Alltag ohne klassische Pyramidenstruktur aussieht.Charlotte Morré 11.04.2022 - 07:05 Uhr Artikel anhören

Die „Neue Narrative“-Mitgründerin spricht über das Konzept der Holokratie im Podcast „Rethink Work“.

Foto: Handelsblatt

Düsseldorf. Beim Medienunternehmen „Neue Narrative“ läuft vieles ziemlich anders als bei „klassischen“ Unternehmen. Der Verlag rund um Mitgründerin Lena Marbacher ist nämlich als sogenannte Holokratie organisiert und befindet sich in Verantwortungseigentum. Das bedeutet, dass die 22 Mitarbeitenden nicht in einer klassischen Pyramidenstruktur mit Befehlsketten von oben nach unten arbeiten, sondern in Rollen, angeordnet in Kreisen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es keine Hierarchien gibt. Im Handelsblatt-Podcast „Rethink Work“ erklärt Marbacher das mit folgendem Beispiel: „Wenn wir in einer Gruppe mit Freunden und Freundinnen zusammen sind und es darum geht, ob wir lieber Pizza essen gehen wollen oder zur Currywurst-Bude, gibt es auch so etwas wie eine natürlich entstehende Führung. Jemand macht einfach einen Vorschlag, und andere Leute schließen sich dem an oder machen einen besseren Vorschlag. Diese Art von Führung haben wir, und wir gehen immer davon aus, dass wir derjenigen Person die Führung überlassen, die die größte Kompetenz hat. Also hätten wir einen Pizzabäcker in unserem Team, dann sollte er vielleicht entscheiden, welche Pizzeria die beste ist.“

Verantwortungseigentum bedeutet wiederum, dass das Unternehmen den Mitarbeitenden gehört – wenn auch nicht im finanziellen Sinne. Aktuell setzt sich Marbacher dafür ein, dass diese Unternehmensform auch rechtlich anerkannt wird.

Über das Gehalt wird im Kollektiv entschieden

„Ohne eine komplette oder sehr, sehr großzügige Transparenz kann Selbstorganisation nicht funktionieren“, sagt Marbacher. Dementsprechend kann bei „Neue Narrative“ auch jeder Mitarbeitende sein Gehalt selbst vorschlagen, über das dann im Kollektiv entschieden wird. Es gibt regelmäßige Feedbackrunden, Personalentscheidungen werden offen diskutiert.

Bei Marbacher hat das dazu geführt, dass sie irgendwann von ihrer Führungsrolle zurückgetreten ist – und auch auf Gehalt verzichtet hat. „Es fühlte sich total beschissen an im ersten Moment, weil ich natürlich weniger Geld auf dem Konto habe, und das bedeutet ja was für mein Leben und meine Existenz“, sagt sie. Trotzdem sei sie davon überzeugt, dass Selbstorganisation die beste Form für ein Unternehmen ist.

Das sieht sie auch bei den Unternehmen, die „Neue Narrative“ regelmäßig berät und die sich immer stärker für diese Unternehmensform interessieren. Warum sich Marbacher trotzdem manchmal selbst wütende Sprachnachrichten schickt und inwiefern in der Coronapandemie auch bei ihr im Unternehmen starke Führung gewünscht war, erzählt sie in der neuen Folge von „Rethink Work“.

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