Genius Award
Auszeichnung für gute Ideen

Die Moderatoren Miriam Höller und Robin Schmid verkünden die Sieger des Abends.

Genius Award Preisgekrönte Ideen für die Mobilität von morgen

Die Mobilitätsbranche ist im Umbruch, auch in Deutschland. Die Sieger des Genius Awards zeigen, dass Skepsis und Bedenken überflüssig sind.
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Jury entscheidet über Innovationen mit Zukunft

BerlinStaus gehören längst zum Alltag vieler Metropolen, Hunderttausende Menschen leiden unter Abgasen – selbst der öffentliche Nahverkehr kommt vielerorts an seine Grenzen: Die Lage, das belegen unzählige Studien, ist in vielen Städten dieser Welt dramatisch. Aber sie ist nicht ausweglos.

Das zeigen die Sieger von Germany’s New Mobility & Connectivity Award – kurz Genius Award –, den das Handelsblatt dieses Jahr erstmals mit dem Stuttgarter Projektbüro zet:project vergibt. Die Preisträger der fünf Kategorien – aber auch alle Finalisten – haben das Potenzial, Teil der Lösung der Mobilitätsprobleme von morgen zu werden.

„In der öffentlichen Wahrnehmung ist die Diskussion über neue Mobilität sehr problemorientiert“, sagt Volker Zetsche, Geschäftsführer von zet:project und Jurymitglied des Preises. Viele Deutsche, so glaubt Zetsche, seien bei neuen Ideen skeptisch. So ist etwa die Verbreitung von Elektroautos in anderen Ländern deutlich größer. Die USA und China haben sogar Teile großer Städte für autonome Fahrzeuge freigegeben.

Deutschland dagegen zögert. „Stattdessen diskutiert unser Land über Schummelsoftware und Abschaltvorrichtungen“, sagt Sebastian Matthes, Stellvertreter des Chefredakteurs des Handelsblatts zur Eröffnung der Preisverleihung. „Viel zu wenig sprechen wir dagegen über die Unternehmen und Start-ups, die dabei helfen, die Verkehrsprobleme in den Städten zu lösen.“

Das soll der neue Award ändern: „Wir wollen mit Genius ein Netzwerk schaffen, in dem die wichtigsten ‧Innovatoren zusammenkommen, um Erfahrungen auszutauschen und mögliche Partner zu finden“, so ‧Matthes. Der Grundstein dieses Netzwerks wurde am Donnerstagabend in Berlin bei einer feierlichen Gala mit mehr als 250 Gästen gelegt.

Durchbruch wird kommen

Gerhard Künne, Leiter der Mobility-Unit bei Volkswagen Financial Services und Genius-Jurymitglied, ist vom Durchbruch in der Mobilität überzeugt, „spätestens, wenn er von der regulierenden Seite begleitet wird“. Er beobachtet: „Bei den Autoherstellern findet ein Umdenken statt – weg vom harten Blech, von der Hardware, hin zu Software und höchstmöglichem Kundennutzen.“

In der Classic Remise in Berlin, wo die Gala stattfand, treffen sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: Jahrzehntealte Fahrzeuge von Aston Martin, Ferrari, Rolls Royce, Porsche stehen in der Halle – gleich daneben sitzen die Ideen für die Mobilität von morgen.

„Wir sind gerade in einer ähnlichen Situation wie vor 120 Jahren“, sagt Matthes, „Mobilität ist zwar nicht mehr so teuer wie damals, aber sie ist in vielen Städten ähnlich langsam wie zu Zeiten von Esel und Pferdekutsche.“ Es brauche daher neue Antriebe, künstliche Intelligenz und radikale Ideen, wie bestehende Technologien neu miteinander verknüpft werden können.

Es brauche aber auch Menschen, die diese neuen Entwicklungen erklären. Solche Menschen werden beim Genius Award in der Kategorie „Best Motivator“ ausgezeichnet.

Siegerin dieses Jahres ist Clare Jones, Kundenmanagerin des britischen Start-ups What3Words. Das Unternehmen hat ein Navigationssystem entwickelt, das jedem Punkt der Erde eine Adresse aus drei Wörtern zuordnet.

Jones erzählt, wie durch das neue Adresssystem Paketzusteller schneller das richtige Gebäude oder Verletzte den Eingang zum richtigen Krankenhausflügel finden; wie Obdachlose eine Adresse erhalten und ihnen so besser geholfen werden kann; und wie Ärzte im Slum rechtzeitig zu ihren Patienten kommen.

Viele tauschen sich während der anschließenden Vorspeise über die Idee von What3Words aus, denn zwischen den Preisverleihungen wird den Gästen ein Drei-Gänge-Menü serviert. Einige Gäste prüfen auf ihren Smartphones, welche Drei-Wort-Kombination ihr Eingang zu Hause bekommen hat.

Um disruptive Geschäftsmodelle geht es auch in den anderen vier Kategorien des Genius Awards: In der Kategorie „Driving Disruption“ wird ein Geschäftsmodell ausgezeichnet, das bestehende Märkte verbindet, „Connecting People“ prämiert eine Dienstleistung, die Menschen zusammenbringt, „Inspiring Innovation“ ein Produkt, das Veränderungsprozesse anstößt, und „Visionary Reality“ eine innovative Idee, die noch nicht als Produkt auf dem Markt ist.

Die Gäste sehen Kurzfilme zu den Finalisten. Die Bandbreite der Geschäftsmodelle reicht von elektrischen Rollatoren über Solarstraßen bis hin zu Ticketplattformen für den öffentlichen Nahverkehr.

Mobilität der Zukunft – Die Bilder des Genius Awards
Gerhard Künne
1 von 26
Volker Zetsche
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Franz W. Rother, David Eberli, Martina Hickethier
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Katja Tschakert
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Sebastian Matthes, Elke Hanel, Robert Klarner
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Benjamin Rudolph (Mitte mit Urkunde) mit seinem Team, Sebastian Matthes
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Adriano Leidi
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Gewinner der Kategorie „Driving Disruption“ ist MotionTag. Das Berliner Start-up bietet eine Smartphone-basierte Ticketing-Technologie. Das Unternehmen eCarUp siegt in der Kategorie „Connecting People“ mit einer Plattform für das Finden, Aktivieren und Abrechnen von Elektroauto-Ladestationen. In der Kategorie „Inspiring Innovation“ fällt die Wahl auf Rytle.

Das Start-up baut Elektrolastenräder – eine Alternative zum Lieferwagen in der Stadt.

Vielzahl an Bewerbungen

Insgesamt bewarben sich 90 Unternehmen für den Genius Award, darunter Industriekonzerne, Start-ups und öffentliche Träger. Die Entscheidung über den Sieger der Kategorie fällte eine neunköpfige Jury. 

Die Jury setzte sich neben Matthes, Zetsche und Künne aus Oliver Lang, Technikvorstand des Autozulieferers Benteler Automotive, Eckehard Fozzy Moritz, CEO der Innovationsmanufaktur, Marion Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung, Franz Rother, Edison-Chefredakteur, Christian Hochfeld, Direktor des Thinktanks Agora Verkehrswende, und Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität, zusammen.

Nur in der Kategorie „Visionary Reality“ kürt das Publikum den Sieger. Zunächst müssen die Finalisten ihr Geschäftsmodell in drei Minuten präsentieren. Der erste ist S O NAH. Das Unternehmen will mittels Sensoren die Parkplatzsuche in Städten vereinfachen.

Danach ist Solmove an der Reihe. Das Berliner Start-up hat Photovoltaikplatten mit speziellen belastbasten und rutschfesten Glasplatten kombiniert, sodass sie auf Radwegen und Straßen verbaut werden können. Zuletzt präsentiert Tobias Rasche das Konzept von Yptokey.

Das Unternehmen hat eine Software entwickelt, mit der Autos oder Büros per Smartphone geöffnet werden können. Der Zugang kann auch Anderen zur Verfügung gestellt werden. Die gesamte Software basiert auf der Blockchain-Technologie.

Nun ist das Publikum an der Reihe: Die Gäste zücken ihre Smartphones. Mit nur einem Klick entscheiden sie, wer die Genius-Trophäe mit nach Hause nehmen wird. Zwei Minuten haben sie Zeit.

Auch im Publikum wurde über die Ideen der Sieger diskutiert.
Angeregte Diskussionen

Auch im Publikum wurde über die Ideen der Sieger diskutiert.

Miriam Höller, Stuntfrau und Moderatorin des Grip-Motormagazins, und Robin Schmid, Influencer und Youtuber, stehen auf der Bühne und warten auf das Ergebnis des Live-Votings. Beide haben durch den Abend geführt. Schließlich wird ihnen der schwarze Umschlag überreicht. Der Gewinner ist: der Solarstraßenbauer Solmove (siehe Kasten).

Großer Applaus und Jubelpfiffe. Der Gründer Donald Müller-Judex betritt die Bühne und nimmt die gelb-schwarze Genius-Trophäe entgegen.

Den Abschluss des offiziellen Teils der Veranstaltung bildet Claudia Plattner von DB Systel, dem Digitalpartner der Deutschen Bahn. „Ein Staatsunternehmen wie die Deutsche Bahn ähnelt einem riesengroßen Tanker. Bis dieser sich in Bewegung setzt, muss einiges passieren“, sagt sie.

Den Anstoß dazu gäben andere Firmen wie Google oder Amazon, die „alle schon vor unserer Tür stehen“. Die Antwort darauf seien Veränderungen, Kooperationen und „Netzwerke, wie wir sie heute Abend bauen“, fügt sie hinzu.

Nach dem offiziellen Teil des Abends folgt ein lockeres Beisammensein bei Musik, Desserts und Drinks. Die Gäste sprechen über Ideen der Zukunft, tauschen Visitenkarten aus. Wer genug hat, kann den Shuttleservice nutzen, um nach Hause zu kommen – noch ganz klassisch mit dem Auto.

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