60 Jahre Radarfalle Angezündet, beschossen, abgeflext

Seit 1957 „blitzt“ es an deutschen Straßen, wenn Raser eine Radarfalle auslösen. Seit den frühen Anfängen haben sich die Geräte enorm verbessert, aber auch ihre Gegner haben aufgerüstet.
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Felix Hoffmann, Leiter des deutschen Polizeimuseums,  demonstriert in Original-Uniform den Umgang mit dem Radargerät VRG2 von Telefunken aus dem Jahr 1957. Das Gerät wurde bis in die Achtzigerjahre genutzt. Quelle: dpa
60 Jahre Radarfalle

Felix Hoffmann, Leiter des deutschen Polizeimuseums, demonstriert in Original-Uniform den Umgang mit dem Radargerät VRG2 von Telefunken aus dem Jahr 1957. Das Gerät wurde bis in die Achtzigerjahre genutzt.

(Foto: dpa)

Immer wieder waren sie der blanken Wut der Temposünder ausgesetzt: Radarfallen wurden mit Farbe besprüht und mit Klebeband umwickelt, sie wurden beschossen, angezündet, und abgesägt. Vor 60 Jahren wurde erstmals in Deutschland ein Radargerät getestet, das allzu flotte Autofahrer überführen sollte.

1956 war der Prototyp VRG 1 der Firma Telefunken auf der Internationalen Polizeiausstellung in Essen vorgestellt worden. Nach ersten Feldversuchen mit dem Gerät 1957 in Düsseldorf, Hamburg und Ulm - das geht aus dem Firmenarchiv hervor - trat die „Radarfalle” als Weiterentwicklung VRG 2 ihren bundesweiten Siegeszug an.

Zuvor war die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in der noch jungen Bundesrepublik trotz des relativ geringen Verkehrsaufkommens auf erschreckende 13 000 in die Höhe geschnellt.

Mit Blitzlicht konnten nun sogar in der Nacht Temposünder erwischt werden - die Zeitungen feierten die neue „Wunderwaffe” der Polizei, die ihrerseits davon begeistert war, „statistisch gesehen jeden Autofahrer alle zehn Tage kontrollieren zu können”.

Was sich 2017 für Verkehrsteilnehmer ändert
Verkehrssicherheit: Lang-Lkw fahren weiter
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Bis Ende 2016 noch Feldversuch, ab 1. Januar regulär auf deutschen Straßen: Nach Ankündigungen von Bundesverkehrsminister Dobrindt sollen die derzeitig 159 Lang-Lkw weiterhin auf dem freigegebenen Streckennetz unterwegs sein.

Zurzeit dürfen etwa 60 Prozent des Autobahnnetzes von überlangen Trucks befahren werden.

Nachdem auch Rheinland-Pfalz seine Vorbehalte aufgegeben hat, sind Berlin und das Saarland die einzigen Bundesländer, in denen die sogenannten Gigaliner nicht fahren dürfen.

Klimaanlage
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Mit Wirkung vom 1. Januar 2017 dürfen Klimaanlagen in sämtlichen Fahrzeugen nicht mehr mit fluorierten Treibhausgasen mit einem Treibhaus-Potenzial (Global Warming Potential, GWP) über 150 befüllt werden. Dazu zählt auch das bisher eingesetzte Kältemittel R134a. Ausgenommen sind Fahrzeuge, deren Typgenehmigung vor dem 01.01.2011 erteilt wurde.
Fahrzeuge mit einer Einzelgenehmigung, die ab dem 1. Januar 2017 erstmals in den Verkehr gebracht werden sollen, bekommen keine Zulassung mehr, wenn deren Klimaanlagen mit einem fluorierten Treibhausgas mit einem GWP-Wert über 150 befüllt sind.

Tempo 30-Zonen
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Tempo 30-Zonen können ab dem 1.1 2017 von Gemeinden unkomplizierter an Unfallschwerpunkten wie etwa Schulen, Altenheimen oder Kindergärten eingerichtet werden. Dies gilt auch für Hauptstraßen. Bislang durften Straßenverkehrsbehörden nur dann Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen anordnen, wenn Unfallschwerpunkte nachgewiesen werden konnten.

Pedelecs auf Radwegen
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Bis zu 25 km/h schnelle Pedelecs sollen künftig außerorts generell und innerorts auf Radwegen mit einem besonderen Hinweisschild „E-Bikes frei“ fahren dürfen. Die neuen Regelungen gelten ausdrücklich nicht für die schnellen Elektrofahrräder, die sogenannten S-Pedelecs, da diese deutlich schneller als 25 km/h fahren können.

Änderungen der StVO: Ampelzeichen für Radfahrer
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Mit dem Auslaufen der Übergangsregelung zum 31.12.2016 ändern sich die Vorschriften für Radfahrer an Ampeln. Bisher galten die Fußgängerampeln, wenn keine besonderen Lichtzeichen für Radfahrer vorhanden waren.

Künftig gilt nach § 37 Abs. 2 Satz 6 StVO: „Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten!“ Auf gekennzeichneten Radwegen gelten die besonderen Lichtzeichen für den Radverkehr.

Rettungsgasse
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Ab dem 1.1.2017 gilt auf Autobahnen und auf Straßen mit mindestens zwei Fahrstreifen eine neue Vorschrift zur Bildung der Rettungsgasse.

Bei Schrittgeschwindigkeit oder bei Stau müssen Verkehrsteilnehmer eine Rettungsgasse zwischen der äußersten linken un der angrenzenden rechten Spur bilden.

Auf Straßen mit drei oder vier Fahrstreifen müssen ebenfalls die Fahrzeuge auf der linken Spur nach links und alle anderen nach rechts ausweichen.

Bisher wurde die Rettungsgasse bei vier Fahrspuren in der Mitte gebildet.

Führerschein-Gebühren steigen
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Nach acht Jahren sollen die Gebühren für die Führerscheinprüfungen teurer werden. Die theoretische Prüfung soll künftig statt rund elf Euro 11,90 Euro kosten. Für die inzwischen übliche Prüfung am Computer werden in Zukunft 10,60 Euro fällig. Für die Abnahme der praktischen Pkw-Prüfung sollen 91,50 Euro berechnet werden. Die praktische Motorrad-Prüfung verteuert sich auf 121,38 Euro.

Als Stichtag der ersten Radarkontrolle gilt in vielen Publikationen der 21. Januar 1957 mit einem Test in Düsseldorf - doch Historiker und Archivare tun sich schwer, dieses Datum auf den Tag genau zu bestätigen.

In der Bevölkerung kam das neue Instrumentarium der Polizei nicht ganz so gut an, wie Fachzeitschriften damals vermerkten. Schnell wurden Begriffe wie Abzockerei und Wegelagerei laut.

Die Geschwindigkeitskontrolle ist sogar deutlich älter - nämlich gerade 100 Jahre alt geworden. 1906 maßen eifrige Polizisten im badischen Kehl das Tempo von Kraftfahrern im Geschwindigkeitsrausch. Auf einer bestimmten Streckenlänge wurden Autofahrer mit Fahnenzeichen und Taschenuhr „überführt”.

Ein Tourist aus den USA zeigte sich sehr erbost über die polizeiliche Maßnahme - die zu internationalen Verwicklungen führte und zur Drohung mit einem Tourismus-Boykott. Damals galt Tempo 20 als ziemlich unverantwortliche Raserei.

Inzwischen sind etwa 1800 Geräte als fest montierte „Starenkästen” über das Land verteilt - und versetzen mit ihren Blitzen Autofahrer immer wieder in ohnmächtige Wut.

Felix Hoffmann, Leiter des Deutschen Polizeimuseums im westfälischen Salzkotten, hat als Polizist früher selbst zahllose Tempokontrollen durchgeführt und ist von ihrem Nutzen felsenfest überzeugt: „Zu schnelles Fahren ist immer noch die Unfallursache Nummer Eins.”

Fotogalerien zeigen im Internet die kuriosesten Aufnahmen der Blitzer-Kameras: Enten im Tiefflug, Hubschrauber, Lamas, der Weihnachtsmann, die Oma mit Rollator - alle hatten es eilig, oder gerieten aus Versehen ins Visier von Radar und Laser.

Ein mit einem Radargerät ausgestattetes Streifenfahrzeug der Polizei im Jahr 2009. Seit 1957 „blitzt“ es an deutschen Straßen regelmäßig. Quelle: dpa
Radarkontrolle der Polizei

Ein mit einem Radargerät ausgestattetes Streifenfahrzeug der Polizei im Jahr 2009. Seit 1957 „blitzt“ es an deutschen Straßen regelmäßig.

(Foto: dpa)

Museumsleiter Hoffmann hat haarsträubende Einsprüche gegen die Bußgeldforderungen gesammelt: „Bei der Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass dem Verantwortlichen für das Königsschießen das Bier ausgegangen war.”

In einigen Fällen konnten Rechtsanwälte den Abbau der Blitzer erzwingen, wo deren Millioneneinnahmen allzu offensichtlich mehr der klammen Staatskasse dienten denn der Verkehrssicherheit.

Dennoch blitzt es seither ohne Unterlass - im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen allein durch die Polizei 2,1 Millionen Mal im Jahr 2015. Hinzu kommen die Aufnahmen der kommunalen Radaranlagen.

Die Gegner der Radargeräte haben illegal aufgerüstet: Warngeräte für das Auto und reflektierende Folien für das Nummernschild sollen vor Bußgeld, Punkten in Flensburg und Führerscheinentzug schützen.

Die Polizei kontert seit einigen Jahren mit modernen und kleinen Lasergeräten, die die Radartechnik in Genauigkeit übertrumpfen - und mit dem Blitz-Marathon, den 24-stündigen Kontrolltagen.

Kurioser Schnappschuss von: Ein Pferd wird auf der Bundesstraße 455 in Eppstein von einer Verkehrsüberwachungskamera geblitzt. Ausgelöst wurde die Anlage aber von einem dahinter fahrenden Pkw. Quelle: dpa
Pferd läuft in Blitzer

Kurioser Schnappschuss von: Ein Pferd wird auf der Bundesstraße 455 in Eppstein von einer Verkehrsüberwachungskamera geblitzt. Ausgelöst wurde die Anlage aber von einem dahinter fahrenden Pkw.

(Foto: dpa)

Welchen abgrundtiefen Hass eine Radarkontrolle auslösen kann, musste die Polizei im Jahr 2000 in Hessen erfahren: Als ein Fernfahrer „geblitzt” wurde und fürchten musste, seinen Führerschein zu verlieren, kehrte er um, erschoss einen der Polizisten und verletzte einen zweiten Beamten schwer.

Die neueste Generation der Polizei ist die halbstationäre Radarfalle. Die Anlagen sind auf Anhängern installiert und können personalsparend jeweils für mehrere Tage an wechselnden Orten aufgestellt werden, ohne von Beamten bewacht werden zu müssen. Derzeit werden sie in Köln getestet: 47.000 Autofahrer haben bereits in den ersten Wochen damit eine kostspielige Bekanntschaft gemacht.

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1 Kommentar zu "60 Jahre Radarfalle: Angezündet, beschossen, abgeflext"

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  • "Sergio Puntila27.01.2017, 09:30 Uhr
    Der Chefdemokratenfresser als Oberkommentator des HB sondert in gewohnt langweiliger Manier, klingt schon fast andressiert, was Sie hier tagtäglich vor sich hingeifern, werter Mark Hoffmann"

    Ich geifere nicht, ich kommentiere. Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren,
    um die Leute von der grün-sozialistischen Murkselregierung zu warnen.

    Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch zwei echte Kerle mit eigener Meinung, nicht wie unser sprechender Hosenanzug!

    Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

    Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!
    Danke

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