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63. IAA Das große Comeback des kleinen Trabi

Vor zwei Jahren gab es ihn nur als Modell. Jetzt kann man den neuen Trabi in groß und himmelblau bewundern, vorgestellt vom Modellautohersteller Herpa. Und das Besondere ist: Er stinkt nicht mehr und fährt mit Batterie. Der Trabi ist einer der Hingucker der IAA 2009.
Ein Traum in Himmelblau? Quelle: dpa

Ein Traum in Himmelblau?

(Foto: dpa)

FRANKFURT. Erst ist nur ein kugelrunder Kulleraugen-Scheinwerfer zu sehen, dann der himmelblaue Kühler. Zentimeter für Zentimeter kommt die Motorhaube zum Vorschein. Der Rest ist noch von einem silbernen Tuch verdeckt. Doch jetzt schon sind Dutzende von Kameras auf das Auto gerichtet.

Mit einem Ruck ziehen drei Männer das Tuch komplett weg, und die Fotografen lassen ihre Apparate klicken. Ein kleines Auto im großen Blitzlichtgewitter: der neue Trabant, der Klassiker des DDR-Verkehrs, die rollende Ostalgie, allerdings mit einem Elektromotor, mehr Zylindern und einem neuen Design. Deutlich runder ist er geworden, größere Räder hat er bekommen und ein schräges Heck.

Ein Konsortium um den Modellautohersteller Herpa stellte gestern eine Studie des neuen Trabis auf der Automobilausstellung IAA vor. Die Unternehmen haben große Pläne: "Es wäre sportlich, aber nicht auszuschließen, dass er 2012 wirklich fährt", sagt Klaus Schindler, Initiator des Projekts und Geschäftsführer von Herpa. So wie es längst einen VW New Beetle und eine Neuauflage des Minis gibt, will Schindler einen modernen Trabi auf die Straßen bringen.

Das Comeback bereitet Herpa bereits seit einigen Jahren vor: Auf der IAA 2007 zeigte das Unternehmen ein Modell des neuen Trabis und fragte gut 11000 Messebesucher, was sie davon hielten.

Das Ergebnis hat Herpa motiviert, an der Idee festzuhalten: 93 Prozent der Befragten stimmten für eine Wiedergeburt des Trabanten. Das sei zwar noch kein Kaufinteresse, sagt Schindler, "aber ein gewisses Grundinteresse ist da".

Der batteriebetriebene Trabant ist für kurze Strecken gedacht und eher als Zweitwagen - mit einer Reichweite von 160 Kilometern und einer Höchstgeschwindigkeit von 130 Stundenkilometern ist er schneller als der Ur-Trabi. Der brachte es nur auf 90 Stundenkilometer. Weniger als 20 000 Euro soll die Elektro-Version kosten. "Das ist die Akzeptanzschwelle für breite Teile der Bevölkerung", sagen die Initiatoren.

Was schon das DDR-Kultauto auszeichnete, hat Designer Nils Poschwatta bei dem neuen Trabi übernommen: "Er hat nur das, was man wirklich braucht, keinen Schnickschnack", sagt Poschwatta. Er ist vom Erfolg des Projekts überzeugt - so sehr, dass er seinen Arbeitsplatz bei Volkswagen kündigte, um das Design für den Elektro-Trabi zu entwickeln.

Der Blick enttäuscht: So lang ist die Motorhaube dann doch nicht. Quelle: dpa

Der Blick enttäuscht: So lang ist die Motorhaube dann doch nicht.

(Foto: dpa)

Andere müssen noch überzeugt werden - etwa Christian Kleinhans, Autoexperte bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Einen Preis von unter 20 000 Euro hält er nicht für realistisch, um das Auto mit Gewinn zu verkaufen. Mit einem Preis von 30 000 könne man schon eher rechnen. "Allein die Lithium-Ionen-Batterie wird mindestens 15 000 Euro kosten", sagt Kleinhans. Ohnehin werde es für Neulinge in der Autobranche wie Herpa schwer, in diesem Geschäft zu bestehen und gegen Wettbewerber anzutreten, die deutlich finanzkräftiger sind und die bereits eine Kooperation mit einem Hersteller von Elektrobatterien abgeschlossen haben.

Herpa-Chef Schindler ist das bewusst. Er hofft daher auf politische Unterstützung: "Jetzt müsste eine Akkuprämie kommen", sagt er, "um Elektroautos zu fördern." Doch nicht nur das sei für den Durchbruch der Autos der Zukunft notwendig. Nötig sei "ein Umdenken, dass ich nicht mit dem Sechszylinder zum Einkaufen fahren muss", sagt Schindler.

Bis dahin muss auch das New-Trabi-Konsortium noch einige Hürden nehmen: Vieles sei noch improvisiert, räumt Schindler ein. Im nächsten Schritt werde man jetzt einen Partner für die Serienfertigung suchen. "Wir brauchen einen großen Investor, der rund 30 Millionen Euro investieren kann", sagt Ronald Gerschewski, Geschäftsführer von Indikar. Das sächsische Unternehmen baut Sonderfahrzeuge und Prototypen für Autohersteller und treibt gemeinsam mit Herpa das Comeback des Trabis voran.

Vor 18 Jahren lief der letzte Trabant in Zwickau vom Band. Drei Millionen Autos waren seit Beginn der Produktion Ende der 50er-Jahre verkauft worden. Eigens für den Trabant entwickelte ein Ingenieur das Material Duroplast, eine Mischung aus Harzpulver und Baumwolle. Das Ganze war aus der Not geboren: Eigentlich sollten im sächsischen Zwickau die einstigen Horch- und Audi-Werke nach dem Krieg einen eigenen Volkswagen bauen. Doch es gab zu wenig Blech. Versuche mit Pappe als Ersatz verliefen ganz vielversprechend - bis der erste Regen kam und der Wagen Beulen bekam.

Duroplast war der Ausweg. Der billige Werkstoff brachte dem Wagen später den Spitznamen Rennpappe ein. Auch als Duroplastbomber oder Zweitakt-Zwerg wurde der Trabi geschmäht.

Bis heute hat der kleine Stinker aber zahlreiche Fans. Trabis sind nicht nur Museumsstücke. Erstaunlich viele scheppern noch über Deutschlands Straßen. Etwa 50 000 sind bundesweit zugelassen.

Geht es nach Herpa und Indikar, wird diese Zahl bald steigen - wenn auch die Trabanten, die nicht stinken und nicht qualmen, auf den Markt kommen. Doch die Unternehmen räumen ein: "Technologisch", sagt Indikar-Chef Gerschewski, "ist noch viel zu tun."

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