Als der VW Golf auf den markt kam Käferkiller mit Ecken und Kanten

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In den USA trotz Ölkrise zunächst ein Flop

Zwei Jahre später sah dies bereits anders aus, da hatten Journalisten den Golf schon über die Route Alaska-Feuerland geprügelt und 100.000-Kilometer-Stresstests mit Diesel-Motorisierung absolviert. Beim Marktstart zählten noch andere Argumente. Der Golf war um 40 Zentimeter kürzer als der vergleichbare Käfer 1303, bot aber dennoch mehr Platz im Interieur und verfügte über einen damals noch innovativen variablen Kofferraum.

Hinzu kamen die besseren Fahrleistungen des Golf und ein damals günstiger Testverbrauch von nur 9,5 Litern auf 100 Kilometer für den Basis-Golf mit 37 kW/50 PS. Immerhin drei Liter weniger als der gleichstarke Käfer verlangte.

Volkswagen Golf Diesel 1977 Quelle: vw

Volkswagen Golf Diesel 1977

(Foto: vw)

Noch sensationeller war der 1976 eingeführte ebenfalls 37 kW/50 PS leistende Golf Diesel, dem die Presse ähnliches Temperament wie dem Benziner bescheinigte, dies aber bei Verbrauchswerten von nur gut sieben Liter.

Mit dem Selbstzünder unter der Haube sollte der Golf auch den Amerikanern die Freude am Spritsparen vermitteln, was aber trotz der Ölkrisen jener Jahre letztlich fehlschlug. Daran änderten weder die spezielle US-Modell-Bezeichnung Rabbit etwas, noch das eigens gebaute amerikanische Werk Westmoreland, das 1988 wieder geschlossen wurde.

Der Klassiker, der nie in die Jahre kam

Während der Golf Europa im Sturm eroberte, hielten die Amerikaner an traditionellen Pickups und Limousinen fest. Weshalb der Golf ab 1979 auch mit Stufenheck als Jetta lieferbar wurde. Eine Karosserievariante, die in Deutschland bis heute Nebendarsteller blieb, aber in anderen Ländern tatsächlich Erfolge einfuhr.

Ähnlich verhielt es sich mit dem Pickup Caddy, der zunächst in Westmoreland als Rabbit Pickup vom Band lief, um dann ab 1983 in Sarajevo (damals Jugoslawien) für Europa gebaut zu werden. Seine eigenen Gesetze hatte auch der südafrikanische Markt, wo die Golf-Fertigung 1978 startete. Der Ur-Golf genoss in Südafrika eine so große Beliebtheit, dass er unter der Bezeichnung Citi Golf parallel zu seinen Nachfolgern bis 2009 gebaut wurde.

VW Golf GTI Pirelli 1983 Quelle: vw

VW Golf GTI Pirelli 1983

(Foto: vw)

Golfsport in gänzlich neuen Dimensionen bot der 1976 eingeführte GTI. Mit anfangs 81 kW/110 PS Leistung passte der Zweitürer in die Liga der damals die Straßen und Strecken dominierenden kompakten Kraftpakete Ford Escort RS und Opel Kadett GTE.

Nur in einer Disziplin war der Wolfsburger seinen Rivalen mit Hinterradantrieb und Starrachse unterlegen: Bei Showeinlagen durch spektakuläre Driftwinkel in Kurven auf losem Untergrund. Im Alltag aber war der mit dem Motor des Audi 80 GTE ausgestattete Golf der schnellste, sparsamste und praktischste Sportler des Trios, wie Fachpresse und Käufer konstatierten.

Aus anfänglich geplanten 5.000 Golf GTI wurde ein Millionseller, nach dem schließlich das gesamte Segment der kompakten Sportlimousinen benannt wurde.

Wer nach noch mehr Leistung und vor allem Exklusivität für seinen GTI suchte, auf den wartete die Armada der Tuningindustrie. Artz, Abt, Mahag, Nordstadt, Oettinger oder Zender boten den teils exorbitant teuren Spaß, selbst Sportwagen in die Schranken zu weisen.

Produktionsrekord auch fürs Erdbeerkörbchen

64.000 Mark verlangte etwa Nordstadt für einen Golf GTI mit 92 kW/125 PS, Telefon, Fernseher – und erhielt angeblich eine ganze Serie an Bestellungen von frustrierten Porsche-911-Fahrern, die die Frage leid waren, ob ihr Auto über oder unter 80.000 Mark gekostet habe. In den von neuem Sozialneid geprägten Siebzigern keine Seltenheit. Seinen Vorsprung gegenüber allen Rivalen konnte der Golf GTI aber vor allem in der Serienversion ausbauen.

VW Golf Cabrio ab 1979 Quelle: vw

VW Golf Cabrio ab 1979

(Foto: vw)

Diese Überlegenheit bewies der Golf ab 1979 auch in aller Offenheit: Das bei Karmann gebaute Golf Cabriolet trat die Nachfolge der scheinbar unsterblichen Open-Air-Version des Käfers an und reüssierte trotz anfänglich heftig kritisierten fest stehenden Überrollbügels. Mit bis heute über 700.000 gebauten Einheiten in fünf Generationen ist das Golf Cabriolet der meistproduzierte offene Viersitzer aller Zeiten.

Sorgen machen musste sich Volkswagen eigentlich immer nur in einer Hinsicht: Den Golf von Generation zu Generation genau so zu evolutionieren, dass er eine unendliche Erfolgsgeschichte bleibt. Zumindest während der ersten sieben Generationen zeigten die Wolfsburger dafür genau das richtige Gespür.

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