Als Taxifahrer in New York unterwegs König von Manhattan, für einen Tag

Taxifahren in New York – das kann ja jeder! Auf der Rückbank vielleicht. Aber wer einmal vorne links Platz nimmt, der sieht die Stadt plötzlich mit ganz anderen Augen. Erst recht, am Steuer des „Taxi of Tomorrow“.
  • Benjamin Bessinger
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  • Spotpress
Ich habe für die Schönheit der Stadt heute keinen Blick, und kämpfe mich durch einen Verkehr, der nie zur Ruhe kommt.  Quelle: Nissan
The City Never Sleeps

Ich habe für die Schönheit der Stadt heute keinen Blick, und kämpfe mich durch einen Verkehr, der nie zur Ruhe kommt.

Gut, dass die meisten Touristen hier mit dem Flugzeug ankommen. Denn Autofahrern in New York ist echt die Hölle. Nicht umsonst ist die Fahrzeugdichte in Manhattan geringer als irgendwo sonst in den USA. Wer sich den Luxus irgendwie leisten kann, der lässt das mit dem eigenen Wagen, so dick ist der Verkehr, so lange die Staus und so nervig der Weg von Downtown nach Uptown.

Doch des einen Leid ist des anderen Freud. Denn was in Manhattan an Privatwagen fehlt, das machen rund 14.000 Yellow Cabs wieder wett: 50.000 Taxifahrer spulen mit ihnen im Schnitt knapp 500.000 Touren am Tag und umrunden jeder fast drei Mal im Jahr den Globus.

Bis sie soweit sind, müssen sie normalerweise zumindest rudimentäres Englisch beherrschen und sich wenigstens halbwegs in der Stadt auskennen. Und sie müssen rund 500 Dollar in eine Prüfung investieren, in der sie diese Mindeststandards nachweisen müssen.

Dass die nicht sonderlich hoch sein können, weiß jeder, der schon einmal in New York Taxi gefahren ist. Und wer es nicht glauben will, dem hilft vielleicht ein Blick in die Statistik. Denn nur ein Bruchteil der Cabbies sind Amerikaner, und mehr als die Hälfte kommen aus Bangladesch, Pakistan oder Indien. Und viele von ihnen wirken auf der Fahrt von Flughafen nach Manhattan so, als seien sie selbst erst fünf Minuten vor ihren Fahrgästen am JFK-Airport gelandet.

Autofahrern in New York ist echt die Hölle. Nicht umsonst ist die Fahrzeugdichte in Manhattan geringer als irgendwo sonst in den USA.  Quelle: Nissan
Autofahren in New York ist echt die Hölle.

Fahrzeugdichte und Einbahnstraßensystem in Manhattan sind besondere Herausforderungen.

Aber keine Regel ohne Ausnahme, und eine davon bin ich. Denn um für das „Taxi of Tomorrow“ zu trommeln, schickt mich Nissan für einen Tag als Cab Driver am Steuer des NV 200 in den Dschungel von New York. Das Auto hat gute Publicity bitter nötig.

Denn nachdem die Japaner 2011 den Wettbewerb für das Taxi-Monopol in Manhattan gewonnen haben, gab es statt Applaus nur jede Menge Ärger. Die Gerichte haben die Wettbewerbsregeln etwas aufgeweicht und auch wieder andere Taxen in die Zulassung geboxt, die Fahrer wehren sich mit Händen und Füßen gegen den seelenlosen Kastenwagen und im Straßenbild setzt sich das „Taxi of Tomorrow“ nur ganz, ganz langsam durch.

Die Umstellung wird nicht ganz so vollkommen, wie es sich Firmenchef Carlos Ghosn erhofft hatte. Und ganz so schnell geht es auch nicht.

Doch am Ende werden binnen zehn Jahren trotzdem 25.000 gelbe Kastenwagen durch die fünf Boroughs rollen und den Japanern bei einem Stückpreis von rund 30.000 Dollar ein erkleckliches Sümmchen in die Kasse spülen. Außerdem ist der Einsatz in Manhattan eine gigantische Werbung für das Taxi, das seit dem Votum aus Amerika auch in London, in Barcelona und in vielen anderen Städten im Einsatz ist.

Diese Autonamen gingen voll in die Hose
Audi A3 E-tron
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Audi verkauft inzwischen mit dem A3 E-Tron einen sogenannten Plug-In-Hybrid, also ein Auto, das einen Verbrennungsmotor und einen Elektromotor an Bord hat, dessen Batterie über ein Kabel aufgeladen werden kann. Und nach Worten von Vertriebsvorstand Luca de Meo verkauft sich der Wagen auch in Frankreich gut - trotz des Namens. Denn „étron“ heißt auf Deutsch unter anderem „Kothaufen“. Bisher habe das aber nicht zu Problemen geführt, sagte de Meo am 10. März 2015 in Ingolstadt.

Mitsubishi Pajero IV
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Eines der ältesten Beispiele für einen in der Übersetzung missglückten Automodellnamen lieferte Mitsubishi mit dem Pajero. Im Spanischen bedeutet das, wenig verkaufsfördernd, "Wichser". Immerhin, der Hersteller reagierte schnell, das Modell wird auf der iberischen Halbinsel als Montero verkauft.

Mazda Laputa
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Wenig Gespür bewies Mazda mit dem "Laputa" zumindest für den iberischen Markt. "La Puta", gleichbedeutend mit "die Hure", das macht den Wagen für weibliche Kundschaft praktisch unverkäuflich.

Toyota MR2
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Weil der "MR2" französisch ausgesprochen zu"merde" (= Scheiße) wurde, bot Toyota ihn in Frankreich als MR an. 

Lada Nova Combi
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Noch ein Beispiel aus Spanien: Lada (hier im Bild) und Chevrolet waren bei den Modellen Nova (No va = "Geht nicht") nicht gerade kreativ.

Volkswagen Vento
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In Windeseile: Durch einen Namen wie "Vento" wird ein eigentlich ganz nüchterner Volkswagen in den frühen 90er Jahren in manchen Ländern zum "Furz" auf Rädern.

VW Jetta
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Kein Glücksgriff für den italienischen Markt war beim Rucksack-Golf die Bezeichnung "Jetta". Pechsträhne liegt phonetisch ganz nah, nämlich "ietta".

In New York sind immerhin die ersten 500 Nissans mittlerweile gelb lackiert und in einem davon kurve ich gerade am Südzipfel der Insel um den Battery Park. Während die Passagiere hinten fast fürstliche Platzverhältnisse genießen, fühle ich mich zwischen der Frontscheibe und der Trennwand aus Plexiglas wie ein viel zu großer Fisch in einem viel zu kleinen Aquarium. Und dass die Fahrgäste durch ein großes Panoramadach die Skyline genießen können, ist mir gerade herzlich egal.

Denn ich habe für die Schönheit der Stadt heute keinen Blick, und kämpfe mich durch einen Verkehr, der nie zur Ruhe kommt. Die Ohren klingeln vom ewigen Hupen der Kollegen, die Sinne sirren von den Sirenen, mit denen sich immer und überall und natürlich immer auf meiner Spur ein Krankenwagen oder ein Feuerwehrtruck Bahn bricht. Die Augen laufen über in einem Meer von Rücklichtern, Ampeln und Leuchtreklamen, die rund um den Times Square zu einem gigantischen Gleißen verschmelzen und den Kopf an seine Kapazitätsgrenze bringen.

Was in Manhattan an Privatwagen fehlt, das machen rund 14.000 Yellow Cabs wieder wett: 50.000 Taxifahrer spulen mit ihnen im Schnitt knapp 500.000 Touren am Tag.  Quelle: Nissan
Was in Manhattan an Privatwagen fehlt, das machen rund 14.000 Yellow Cabs wieder wett.

50.000 Taxifahrer spulen mit ihnen im Schnitt knapp 500.000 Touren am Tag.

Wenigstens die Angst vor den anderen Autos verliert man nach wenigen Minuten: Denn Taxifahrer, das merkt man schon an der ersten Kreuzung, haben Narrenfreiheit in New York – oder nehmen sie sich zumindest. Erst noch ein bisschen zögerlich und später mit einer fast diebischen Freude, wechselt man ebenso rücksichtslos wie unvermittelt die Spuren, schneidet an Kreuzungen bedenkenlos die ganze Schlange der Linksabbieger, bleibt stehen wo man will und dreht auf den wenigen Straßen ohne Einbahnregelung ohne Rücksicht auf Verluste.

„Hup doch, in deinem ärmlichen Geländewagen“, wirft man den erbosten Hintermännern im Geiste zu und schickt ein mitleidiges Lächeln hinterher: Ich bin schließlich Cabbie und damit King of the Road. Und überhaupt: Wie soll man auch auf Verkehrsschilder und andere Autos achten, wenn man die ganze Zeit an den Straßenrand starrt, ob dort vielleicht gerade jemand die Hand hebt und „Taxi“ ruft?

Allein auf der Fahrt bis hinauf zum Times Square hätte ich heute ein kleines Vermögen machen können. Allerdings hätte ich dafür vorher auch ein großes Vermögen in die TLC-Medaille investieren müssen, die meinen Nissan zu einem echten Taxi machen würde.

Das ist die offizielle Lizenz der Behörde, die jedes Cab stolz wie ein Kriegsveteran seine Orden auf der Motorhaube trägt. Und weil die „Taxi and Limousine Commission“ davon nicht einmal 14.000 Stück ausgibt, kann man diese Blechschilder nicht einfach kaufen, sondern muss sie für aktuell rund 800.000 Dollar ersteigern.

In New York sind immerhin die ersten 500 Nissans mittlerweile gelb lackiert. Quelle: Nissan

In New York sind immerhin die ersten 500 Nissans mittlerweile gelb lackiert.

Gut, dass ich mich damit nicht beschäftigen muss. Mir reicht der Kampf mit meinem Nissan und mit den miserablen Straßen der Stadt. Mag ja sein, dass der Vierzylinder kaum mehr halb so viel säuft wie der 4,6 Liter große V8-Motor des Crown Victoria und meine Kollegen deshalb nicht mehr 50, sondern nur 20 Dollar pro Schicht in den Tank schütten.

Aber dafür muss ich jetzt mit 188 Nm und 131 PS auskommen und mich obendrein mit einer stufenlosen Automatik herumschlagen, die jeden Funken Fahrfreude im Keim erstickt. Kurz vor Rot über die Ampel huschen, mal eben einen Kollegen abhängen oder schnell in die Lücke auf dem Joe DiMaggio-Highway einscheren – das ist mit dieser Antriebskombination eine echte Mutprobe.

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