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Automotive Aftermarket Gewinnmaschine unter Druck: Warum Auto-Werkstätten sich neu erfinden müssen

Das Geschäft mit Ersatzteilen und Werkstätten ist bisher sehr lukrativ gewesen. Doch mit dem Wandel der Autoindustrie muss sich der Aftermarket neu aufstellen.
Update: 29.10.2019 - 20:42 Uhr Kommentieren
Gewinnmaschine unter Druck – Werkstätten müssen sich neu erfinden Quelle: dpa
Werkstätten im Wandel

Das Geschäft mit Reparaturen und Ersatzteilen verändert sich.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Autowelt wird sich in den kommenden Jahren radikal verändern. Doch während über Antriebsarten leidenschaftlich diskutiert wird, während einige Zulieferer um ihre Zukunft fürchten, rückt ein Bereich der Automobilwirtschaft in den Hintergrund, der für einen großen Teil der Gewinne verantwortlich ist.

Der Aftermarket umfasst alle Geschäfte, die nach dem Verkauf mit dem Auto gemacht werden. Vom Ersatzteillieferanten über die Vertragswerkstatt bis zum Nachrüster: Für die gesamte Dienstleistungskette rund ums Auto verändert sich mit der neuen Autowelt mittelfristig das Geschäftsmodell.

Weltweit schätzt die Unternehmensberatung McKinsey den Umsatz des Aftermarkets auf 800 Milliarden Euro. „Es entsteht ein neues Aftermarket-Ökosystem“, ist Sebastian Kempf, Partner bei McKinsey, überzeugt. Der Aftermarket-Experte geht davon aus, dass das Geschäft mit Werkstätten und Ersatzteilen bis 2030 wachsen wird, „doch der Umsatzanteil der Marktteilnehmer wird sich massiv verändern“.

Bis zu 100 Milliarden Euro – 40 Prozent des Gesamtgewinns der Branche – werden sich zwischen Autoherstellern, Zulieferern, unabhängigen Werkstätten, Teilehändlern und neuen Wettbewerbern wie Technologieunternehmen neu verteilen, haben die Berater in einer Studie errechnet. Der Anteil des Aftermarkets am Umsatz der Autohersteller wird dagegen bis 2030 von 25 auf 19 Prozent sinken.

Denn vier Trends bestimmen die Entwicklung der Autobranche in den kommenden Jahrzehnten: Autos sollen in Zukunft vernetzt werden, autonom fahren und elektrisch angetrieben werden. Und sie werden geteilt statt besessen.

All diese Faktoren verändern nicht nur die Anforderungen an neue Automodelle, sondern an die gesamte Wertschöpfungskette. Das lukrative Geschäft mit Reparaturen und Ersatzteilen, das heute noch einen Großteil der Umsätze klassischer Autohersteller und -zulieferer ausmacht, verändert sich – und nicht alle Unternehmen werden diesen Wandel überleben.

„Wir erleben heute schon eine Konsolidierung des Marktes, insbesondere beim Großhandel von Ersatzteilen“, sagt Kempf. Neue Spieler treten in den Markt ein, neue Kooperationen entstehen.

Allein die Elektrifizierung ist für Werkstätten eine große Herausforderung. Weil weniger Verschleißteile an Bord sind, müssen Elektroautos seltener repariert werden. Heutige Standarddienstleistungen wie der Ölwechsel entfallen. Teure Reparaturen betreffen meist die Batterie, nicht mehr Motor und Getriebe. Software-Updates werden in Zukunft nicht mehr in der Werkstatt, sondern über das Internet ins Auto übertragen.

Auch die Anforderungen ans Personal verändern sich. Selbst langjährige Kfz-Mechaniker haben bislang kaum Erfahrung mit der Reparatur von Elektrofahrzeugen. Neue Dienstleister, spezialisiert auf die Elektromobilität, könnten klassische Hersteller herausfordern, die sich den immer kleiner werdenden Markt der Verbrenner teilen müssen.

Für die Werkstätten ändert sich auch die Kundschaft. Schon heute sinkt die Zahl der Autos, die auf Privatkunden zugelassen werden. Autovermieter, Dienstwagenflotten und neue Dienstleister wie Carsharer und Chauffeurdienste bauen ihren Einfluss aus.

Große Wartungs- und Reparaturverträge dürften damit zum neuen Standard werden. Das Preisbewusstsein nimmt zu. „Kleine Werkstätten werden es schwerer haben, sich in diesem Markt zu behaupten“, so McKinsey-Berater Kempf.

Vor allem sind es aber die Daten des Fahrzeugs, die den Markt radikal verändern werden. Der Verschleiß lässt sich in Zukunft deutlich zuverlässiger planen. Überraschende Ausfälle werden so deutlich seltener. Für die großen Hersteller ergibt daraus auch ein neues Geschäft.

Schon heute vermitteln einige Hersteller über das eingebaute Multimediasystem nötige Wartungen und Reparaturen an ihre Vertragswerkstätten. Auch Autoversicherungen arbeiten solche Angebote bereits in ihre Telematiksysteme ein.

Die Zukunft liegt im Service

Mit den Daten könnten im Aftermarket darüber hinaus ganz neue Dienstleistungen entstehen – von einer Echtzeit-Navigation über die Vermittlung von Parkplätzen bis hin zur automatischen Pannenhilfe. Allerdings werden gerade diese datenbasierten Geschäfte von neuen IT-Unternehmen und Start-ups besetzt, die im Aftermarket bislang kaum eine Rolle gespielt haben.

Hier entsteht das Geschäft der Zukunft: 54 Prozent der von McKinsey befragten Experten gehen davon aus, dass das Geschäft mit Dienstleistungen in Zukunft wichtiger wird, nur sechs Prozent rechnen damit, dass das Geschäft mit Ersatzteilen wichtiger bleibt.

Gelingt es den Herstellern, mehr selbstfahrende Autos auf die Straße zu bringen, dürfte auch die Zahl der Unfälle deutlich sinken. Was für die meisten eine gute Nachricht ist, belastet das Geschäft der Werkstätten und Ersatzteillieferanten massiv. Aktive Sicherheitsassistenten und langfristig auch selbstfahrende Systeme dürften den Umsatz mit Unfallreparaturen massiv senken.

Nur ein Trend wirkt dem Umsatzeinbruch entgegen: Werden Fahrzeuge geteilt, sind die Standzeiten geringer. Das verkürzt die Wartungsintervalle, Verschleißteile müssen öfter ausgetauscht werden.

Große Chancen sehen die Unternehmensberater auch im chinesischen Markt. Bislang werden hier vor allem Neuwagen verkauft. Mit einem Durchschnittsalter von 4,5 Jahren sind die Fahrzeuge deutlich jünger als in Europa und Nordamerika, die aktuell für den Aftermarket noch mit Abstand die wichtigsten Märkte sind.

Doch auch in China entsteht ein Aftermarket. McKinsey geht darum von einem jährlichen Wachstum des Geschäfts in China von 11,4 Prozent jährlich aus. Bis 2030 wächst der dortige Aftermarket so von 91 Milliarden Euro auf 233 Milliarden Euro.

Und auch für Unternehmen im Aftermarket, die heute schon über ein dichtes Servicenetz verfügen, entwickelt sich ein neues Geschäftsmodell. „Alleine in China wurden in den vergangenen Jahren mehr als 50 neue Autohersteller im Bereich Elektromobilität gegründet – von denen einige den Sprung auf den europäischen Markt schaffen und dann dementsprechende Aftermarket-Aktivitäten aufbauen wollen“, sagt McKinsey-Berater Kempf.

Mehr: Das Geschäft mit Ersatzteilen und Werkstätten wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern. Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich für die Branche? Das diskutieren zahlreiche Experten auf der Handelsblatt-Konferenz „Automotive Aftermarket“ am 14. und 15. November in Stuttgart.

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