Bilanz des Oldtimer-Jahres 2015 Autoversteigerer in Partylaune

Die Klage, so sagt ein geflügeltes Wort, sei des Kaufmanns Gruß. Für Versteigerer klassischer Fahrzeuge kann diese Regel nicht angewendet werden. Sie dürften zurzeit aus dem Feiern überhaupt nicht mehr herauskommen.
Unter den zehn teuersten Klassikern, die 2015 für insgesamt 140 Millionen Euro bei Auktionen den Besitzer wechselten, waren allein sechs Ferrari. Quelle: Sotheby’s
Hier kommt der 1956er Ferrari 290 MM Scaglietti unter den Hammer

Unter den zehn teuersten Klassikern, die 2015 für insgesamt 140 Millionen Euro bei Auktionen den Besitzer wechselten, waren allein sechs Ferrari.

Die Bezeichnung „RM Group of Companies“ dürfte bislang nur Fachleuten etwas sagen. Aber hinter dem Begriff steckt der likrative Zusammenschluss der beiden wichtigsten Auktionshäuser der Welt für automobile Raritäten: Auction America und Sotheby's. Unter dem Zuschlagshammer der Unternehmen landen häufig Traumkarossen amerikanischer, britischer, deutscher oder italienischer Herkunft, deren Wert sich regelmäßig im siebenstelligen Bereich bewegt. Der Jahresumsatz der RM Group mit automobilen Spezialitäten belief sich 2015 auf mehr als eine halbe Milliarde, nämlich genau auf 541 Millionen Euro.

Für Rob Myers, Präsident und Gründer der RM-Gruppe, der keine weiteren Ergebniszahlen nennen möchte, ist die Summe ein Beweis für „einen gesunden Markt für Produkte mit höchster Qualität.“ Sotheby's allein war 2015 für einen Umsatz mit Liebhaber-Karossen von 480 Millionen Euro verantwortlich.

Fünf neue bei den zehn teuersten Oldtimern
Die Preise seltener Hochpreis-Oldtimer haben innerhalb weniger Jahre erneut stark angezogen.
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Wer als Oldtimer-Sammler im High-End-Bereich etwas auf sich hält, für den führt derzeit offenbar kein Weg an einem 50er/60er-Jahre Ferrari mit Rennhistorie vorbei. Mittlerweile sind neun von den aktuell zehn teuersten Oldtimern der Welt Pretiosen aus Maranello.

„Keines der Top-Ten-Ergebnisse ist älter als 2013!“ wundert sich Oldtimer-Experte Frank Wilke von Classic Analytics.
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Die Marktanalysten aus Bochum haben ihre firmeneigene Auktionsdatenbank befragt und ein aktuelles Ranking erstellt. Fünf Rennwagen mit dem Pferd-Logo sind sogar erst in diesem Jahr in die Top-Ten aufgestiegen.

„Man sieht daran nicht nur, dass seltene, straßentaugliche Ferrari aus den 50er und 60er Jahren zu den begehrtesten Modellen unter Autosammlern zählen, sondern auch dass speziell in den letzten drei Jahren die Preise für solche Autos sprunghaft angestiegen sind“, sagt Classic-Analytics-Mann Frank Wilke.

Platz 1: Ferrari 250 GTO von 1962
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Auf Platz eins im Ranking der Auktionsergebnisse liegt seit August 2014 ein Ferrari 250 GTO aus dem Jahr 1962, erst bei 38,12 Millionen Dollar fiel der Hammer. Versteigert wurde der Wagen vom Auktionshaus Bonhams.

So begehrt ist der 250 GTO unter Sammlern, weil nur 39 Stück wurden gebaut, davon 28 mit klassischem Blechkleid und 3-Liter-V12. Das Preisrekordauto trägt die Chassisnummer 3851 GT und wurde am 11. September 1962 ausgeliefert - als siebzehntes Auto diesen Typs.

78.7650 D-Mark verlangte Ferrari für den GTO in den frühen Sechzigerjahren in Deutschland, als der billigste Käfer 4.200 DM kostete.

Platz 2: Mercedes W196 Silberpfeil
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In den Top Ten der versteigerten Oldies ist nur ein einziges Fahrzeug, das nicht von Ferrari stammt: Ein Mercedes Benz W 196 „Silberpfeil“ von 1954 brachte es auf 29,65 Millionen Dollar und Platz zwei in der Liste.

Erzielt wurde die Verkaufssumme 2013 als das Fahrzeug von Bonhams im englischen Goodwood versteigert wurde. Die Historie des Wagens ist herausragend: Mit ihm siegte die argentinische Rennfahrer-Legende Juan Manuel Fangio im Jahr 1954 unter anderem beim Großen Preis von Deutschland und wurde später Formel-1-Weltmeister.

Platz 3: Ferrari 290 MM Scaglietti von 1956
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Versteigert wurde der Wagen mit der auffälligen blauen Schnauze, den ebenfalls einst Juan Manuel Fangio fuhr, für 28 Millionen Dollar von RM Sotheby´s im Dezember 2015. Enzo Ferrari hatte den Wagen in Auftrag gegeben, um Maserati und Mercedes in der Sportwagenweltmeisterschaft Paroli zu bieten, was 1956 und 1957 auch gelang.

Grundlage des Rankings von Classic Analytics sind die Auktionsergebnisse der letzten 30 Jahre, keine Privat- oder Händlerverkäufe. Denn nur Auktionen geben ein unverfälschtes Bild. Wenn bei einer bestimmten Summe der Hammer fällt, muss diese Summe auch bezahlt werden.

Platz 4: Ferrari 275 GTB/4 NART Spyder
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Das rote Stoffdach-Cabrio von 1967 erzielte 27,5 Millionen Dollar. Grund eins: Dieser wurde für das North American Racing Team (NART) gebaut, und insgesamt gibt es nur zehn Stück. Grund zwei: Dass der Spyder im August 2013 eine derartige Bieterschlacht bei der Auktion in Pebble Beach auslöste, hängt damit zusammen, dass der Wagen aus erster Hand stammt.

Den Rekordpreis von 27,5 Millionen US-Dollar bot Lawrence Stroll, ein kanadischer Unternehmer, der in den 1990er-Jahren die Marke Tommy Hilfiger mit aufgebaut hatte.

Platz 5: Ferrari 275 GTB/C Speciale von 1964. In Monterey versteigert für 26,4 Millionen Dollar.
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Diesen Wagen versteigerte das Auktionshaus Sothebys im August 2014 in Pebble Beach. Die Karosserie kommt von Scaglietti, Motor und Chassis sind nummerngleich. 320 PS leistet die Maschine, ein Leichtbau-V12 mit 3.286 ccm Hubraum. Weitere technische Details: 6 Weber-Vergaser, Fünf-Gang-Handschaltung, Transaxle-Bauweise, Einzelradaufhängung, vier Scheibenbremsen. Es ist außerdem der erste von nur drei jemals gebauten Werks-Renn-Berlinettas, und damit seltener als die (teils teureren) 250er GTO.

Für die zehn in dieser Bilderstrecke gezeigten zehn teuersten Oldtimer der Welt legten Sammler zusammengerechnet 237 Millionen Dollar oder 216 Millionen Euro auf den Tisch.

Bei zehn Auktionen in vier Ländern kamen 784 Fahrzeuge erfolgreich unter den Hammer. Für 113 dieser Autos wurden jeweils mehr als 4,5 Millionen Euro gezahlt, sechs erzielten Auktionssummen von mehr als zehn Millionen.

Auf den ersten fünf Plätzen der Erfolgsskala lagen bei Sotheby's:
• ein Ferrari 290 MM von 1956 mit 25,6 Millionen Euro
• ein Ferrari 250 LM von 1964 mit 16 Millionen Euro
• ein Aston Martin DB4GT Zagato von 1962 mit 13 Millionen Euro
• ein McLaren F1 "LM-Specification" von 1998 mit 12,5 Millionen Euro, und mit gleichem Ergebnis jeweils
• ein Ferrari 250 GT Berlinetta Competizione "Tour de France" von 1956 und
• ein Jaguar C-Type Works Lightweight von 1953 mit zwölf Millionen Euro.

Die erfolgreichste Veranstaltung erlebte Sotheby's im kalifornischen Monterey anlässlich des berühmten Pebble Beach Concours d’Elegance im Sommer, einer Pflichtveranstaltung für wohlhabende Oldtimer-Fans aus aller Welt. Andere Highlights waren Auktionen in Arizona, Paris, Amelia Island, Hershey und New York. Ebenfalls herausragend die Versteigerung der Oldtimer-Sammlung von Paul and Chris Andrews im Mai in Texas, die 50 Millionen Euro einspielte.

Dass die Marke Ferrari gleich mit sechs Exemplaren unter den zehn ertragreichsten Fahrzeugen vertreten ist, wundert nicht. Schließlich besitzen die Fahrzeuge aus dem italienischen Maranello schon seit einigen Jahren den höchsten Wiederverkaufswert aller Automobile.

Für den Wirtschaftsdienst Bloomberg zählen historische Fahrzeuge nach wie vor neben Finanzprodukten wie Hedge Funds zu den ertragreichsten Investments. Die Klassikexperten von Historic Automobile Group International (HAGI) errechneten in den letzten Jahren im Markt der besonders edlen Vintage-Autos eine durchschnittliche Rendite von 25 Prozent.

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