City-Maut, Tempolimits, Fahrverbote, Wassertaxis Europas Metropolen sagen Autoabgasen den Kampf an

Die jüngste Waffe des Pariser Bürgermeisters Bertrand Delanoe gegen Autoabgase kommt mit leisem Summen daher. 70 Jahre nach ihrer Verbannung ins Depot hat der Rathauschef die Straßenbahn wiederentdeckt, freilich in hochmodernem Gewand.
Der unter anderem aus Autoabgasen entstehende Feinstaub schleppt auch große Mengen Gifte in den Boden. Quelle: dpa

Der unter anderem aus Autoabgasen entstehende Feinstaub schleppt auch große Mengen Gifte in den Boden.

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ap PARIS. Die Tram ist ein zentraler Bestandteil seines Plans, den Autoverkehr bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren. Ein erster, knapp acht Kilometer langer Abschnitt wurde vergangenes Jahr eingeweiht, im kommenden Jahrzehnt wird er zu einem Ring ausgebaut.

Die klimaneutrale Bimmelbahn ist nur eine der Ideen, mit denen Delanoe der Luftverpestung seiner Stadt zu Leibe rückt. Sein Konzept wurde Anfang Februar vom Kommunalrat angenommen: Es sieht die Verlängerung von Metro-Strecken, die Sperrung von Straßen, die Verbannung von Spritmonstern vor. Auch die Seine will der Sozialist nutzen, auf ihr sollen Wassertaxis verkehren. Doch damit nicht genug: Das Rathaus stellt Einwohnern und Touristen bald 20 000 Fahrräder zur Verfügung.

„Man kann nicht den Öko-Film von Al Gore bejubeln und gleichzeitig für die Autolobby kämpfen“, hält er Kritikern aus der konservativen UMP entgegen. Delanoes Politik der Busspuren und Straßenbahnen hat sich für die Umwelt schon bezahlt gemacht: Die Schadstoffbelastung ist in den vergangenen fünf Jahren schon um 32 Prozent gesunken.

Zwangsmaßnahmen zur Verminderung der Feinstaubemissionen - wie sie ab 1. März in Deutschland drohen - sind in Frankreich noch nicht vorgesehen. Im Umweltministerium ist man über die deutsche Initiative verwundert: „Eine von uns geforderte Verschärfung der EU-Grenzwerte ist unter anderem am Widerstand Berlins gescheitert“, sagt ein Sprecher. Anders als in vielen deutschen Städten ist die Feinstaubbelastung in den französischen Ballungsgebieten freilich auch noch unter dem EU-Limit.

Wie in Paris ist auch in London der Bürgermeister einer der stärksten Verfechter reiner Luft. Ken Livingstone führte schon vor vier Jahren eine City-Maut ein, Anfang 2007 wurde sie ausgeweitet. Für die Fahrt durch die britische Hauptstadt muss man acht Pfund (zwölf Euro) berappen, den Anwohnern wird ein Rabatt von 90 Prozent gewährt. Seit Einführung der „Verstopfungsgebühr“ im Jahr 2003 ist der Verkehr in der Innenstadt um ein Fünftel zurückgegangen. Allerdings hat der „Rote Ken“ auch Kritiker: Wegen neuer Bus- und Radspuren habe die Zahl der Staus zugenommen, sagt die Opposition. In London fehlen breite Boulevards wie in Paris.

Der Schweizer Kanton Tessin und Norditalien haben dem Feinstaub gemeinsam den Kampf angesagt. Anfang Februar wurde in Mailand ein grenzüberschreitendes Abkommen unterzeichnet, das Fahrverbote, Filterpflicht und Tempolimits vorsieht. Fahrzeuge mit hohem Schadstoff-Ausstoß sollen aus dem Verkehr gezogen werden. Wie in Frankreich gibt es in der Schweiz zudem so genannte Energie-Etiketten, die die Menge des Treibstoffverbrauchs und C02-Ausstoßes neuer Autos anzeigt. Eine Abgabe von 1,5 Rappen pro Liter Benzin beschert dem Staatssäckel jährlich 100 Mill. Franken (60 Mill. Euro), die in Programme zur C02-Reduktion investiert werden.

Die Maßnahmen in Italien variieren von Stadt zu Stadt. Es gibt Fahrverbote für Innenstädte, wenn Ozon- oder Feinstaub-Grenzwerte überschritten werden. In Rom sind für dieses Jahr drei autofreie Sonntag geplant. Bis zum Frühjahr dürfen zudem an Donnerstagen jeweils nur Wagen mit geraden oder ungeraden Nummern auf dem Kennzeichen in die Stadt. Die Behörden in manchen Regionen bieten Anreize für den Wechsel von Umweltverpestern zu umweltfreundlicheren Wagen.

Nach dem Vorbild Londons plant die schwedische Regierung zum 1. Juli die Einführung einer Maut in Stockholm. In einer siebenmonatigen Testphase im vergangenen Jahr ging der Verkehr um zwanzig Prozent und die Luftverschmutzung um neun bis 14 Prozent zurück. Die zunächst ablehnende Bevölkerung gab angesichts der Zahlen in einem Referendum grünes Licht für die Gebühr. Die portugiesische Regierung denkt über einen derartigen Schritt zur Zeit nur laut nach, um erst mal die Reaktionen abzuwarten.

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