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CNG im Elektrozeitalter VW will beim Erdgasantrieb nachlegen

Erdgas spielt als Kraftstoff für Autos eine unbedeutende Rolle. Volkswagen will die Idee trotzdem nicht aufgeben. Doch der entscheidende Durchbruch fehlt bisher.
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Auch der Bestseller soll mit Erdgas sauber gemacht werden.
Golf Variant TGI

Auch der Bestseller soll mit Erdgas sauber gemacht werden.

BerlinVorstandschef Herbert Diess hat keinen Zweifel aufkommen lassen, wie die Prioritäten im Volkswagen-Konzern verteilt sind. Minutenlang referierte er bei der Hauptversammlung im Mai über Klimawandel, Elektromobilität und die VW-eigene Strategie bei Batteriezellen. „Auf absehbare Zeit gibt es keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb“, dozierte Diess.

Das Elektroauto sei deutlich energieeffizienter als andere alternative Antriebe, die Elektromobilität das „Schlüsselelement der Kohlendioxid-Strategie“ von Volkswagen. Für andere Antriebsarten bleibt da nicht mehr viel Raum.

Für den Erdgasantrieb fallen in Diess' Rede gerade einmal zwei magere Sätze ab. „Beim Gasantrieb sind wir Weltmarktführer und besser aufgestellt als der Wettbewerb. Auch diese Technologie werden wir ausbauen und verbessern“, verspricht der VW-Chef vor den Aktionären.

Doch die Verkaufs- und Zulassungszahlen machen deutlich, warum sich der Vorstandsvorsitzende von VW so zurückhaltend zum Erdgasantrieb, im Fachterminus „Compressed Natural Gas“ (CNG) genannt, geäußert hat. VW mag der Weltmarktführer sein, doch das auf einem extrem niedrigen Niveau: Im vergangenen Jahr hatten von knapp elf Millionen vom Konzern verkauften Fahrzeugen keine 100.000 einen Erdgasantrieb. In Deutschland gibt es einen Bestand von nahezu 60 Millionen Kraftfahrzeugen, keine 100.000 besitzen einen CNG-Antrieb.

Trotz der neuen Elektrooffensive und der nicht unbedingt überzeugenden Erfahrungen will es der Volkswagen-Konzern mit den Erdgasautos noch einmal versuchen. CNG-Fahrzeuge werden zwar bei weitem nicht die geplanten Stückzahlen der Elektroautos erreichen. Aber immerhin verspricht sich Volkswagen eine gewisse Aufwärtstendenz, vor allem gestützt durch neue Modelle.

Zudem gibt es ein gutes Argument, sich für ein Erdgas-Fahrzeug zu entscheiden: Die Autos sind umweltfreundlicher als der klassische Benziner, das Erdgas verbrennt sauberer. „Wir erreichen mit unseren Modellen niedrigste Schadstoffwerte“, sagte Stephen Neumann, Erdgas-Beauftragter des VW-Konzerns, an diesem Dienstag bei den „CNG-Mobility“-Tagen in Berlin.

Volkswagen und mehrere Schwestermarken aus dem Konzern präsentieren dort ihre Neuentwicklungen mit Erdgasantrieb. Beim CNG-Antrieb wird handelsübliches Erdgas für die Verbrennung im Motor verwendet. Es ist nicht zu verwechseln mit dem stärker verbreiteten Autogas („LPG“), das wegen seiner chemischen Nähe zum Benzin auf schlechtere Abgaswerte kommt.

Minimaler Marktanteil

Bei der Erdgas-Verbrennung im Fahrzeug entsteht fast überhaupt kein Feinstaub, die Stickoxid-Werte sind ebenfalls um einiges niedriger als beim Benziner. Die Kohlendioxid-Belastung fällt um mindestens 20 Prozent niedriger aus als beim klassischen Ottomotor. Technisch arbeiten Erdgasmotoren sehr ähnlich wie Benzinaggregate. Deshalb gibt es in vielen Modellen auch einen kleinen Nottank für Benzin. Damit können die letzten Kilometer bis zur nächsten Erdgastankstelle immerhin überbrückt werden.

Doch auch mit diesen Argumenten hat es der CNG-Antrieb in den vergangenen Jahren nicht geschafft, nennenswerte Verkaufszahlen zu erreichen. „Zugegeben, damit bewegen wir uns auf einem sehr niedrigen Niveau“, gestand der VW-Erdgasbeauftragte Neumann ein.

Der Volkswagen-Konzern sorge dafür, dass der CNG-Antrieb noch nicht endgültig in den Schubladen verschwinde. Ohne VW würde es diesen Antrieb schon nicht mehr geben. Im vergangenen Jahr sind in Deutschland gerade einmal 11.000 Erdgasfahrzeuge zugelassen worden (Pkw-Gesamtmarkt: 3,4 Millionen).

In Deutschland kommen die CNG-Autos aus dem Volkswagen-Konzern auf einen Marktanteil von 95 Prozent, in ganz Europa sind es immerhin noch an die 70 Prozent. Zu den anderen Anbietern – mit einem kleineren Fahrzeugangebot – gehören vor allem Opel und Fiat. Zusätzlich zu den Pkw sollen jetzt auch vermehrt Nutzfahrzeuge mit Erdgasantrieb verkauft werden. Zu den Anbietern gehören Iveco aus dem Fiat-Konzern und die VW-Töchter MAN und Scania.

Im Volkswagen-Konzern hat es bislang 17 Pkw-Modelle mit dem CNG-Antrieb gegeben. Bis zum Jahresende werden es 19 werden, die tschechische Tochter Skoda steuert zwei weitere Modelle bei. Den Erdgasmotor gibt es im Volkswagen-Konzern nicht nur im klassischen Pkw, sondern auch bei mehreren Geländewagen. Damit will der Konzern der stark gewachsenen Popularität der SUV Rechnung tragen. Die Ingolstädter Premiumtochter Audi hat einen gasgetriebenen Kombi im Programm.

In Wolfsburg gibt es die Hoffnung, dass es mit dieser breiten Modellpalette beim CNG-Antrieb langsam vorangeht. Außerdem gilt bis 2026 ein ermäßigter Mineralölsteuersatz, der im Vergleich zu Benzin gut 30 Prozent niedriger ausfällt. Die Energieeffizienz beim CNG-Motor liegt etwa auf dem Niveau eines Benziners. Nutzfahrzeuge sind in Deutschland zumindest bis Ende kommenden Jahres mautfrei.

Biomethan soll Gas klimaneutral machen

Nachholbedarf gibt es auf jeden Fall bei den Tankstellen. Volkswagen propagiert schon seit einigen Jahren, dass die Tankinfrastruktur deutlich ausgebaut werden solle. In Deutschland gibt es etwa 900 Erdgastankstellen; diese Zahl soll mehr als verdoppelt werden.

Doch ein entscheidender Durchbruch ist bislang ausgeblieben. Möglicherweise leidet das Erdgas immer noch unter einem schlechten Image: Zuletzt war vor drei Jahren der Tank eines Erdgas-Fahrzeugs explodiert, Tankstellen hatten den Kraftstoff-Verkauf danach für einige Zeit eingestellt. Problematisch wird der Ausbau des Tanknetzes, weil CNG dabei jetzt verstärkt mit der Elektromobilität konkurrieren muss.

Vor allem wachsendes Umweltbewusstsein soll dem CNG-Antrieb am Ende zu mehr Popularität verhelfen. Der überwiegende Anteil des heute verwendeten Kraftstoffes kommt wie das Heizgas aus Gasfeldern in Norwegen, den Niederlanden und Russland. Etwa 20 Prozent entfallen inzwischen auf biologisch erzeugten Kraftstoff („Biomethan“), der vor allem aus Bioabfall aus der Landwirtschaft produziert wird. Dieser Anteil soll in den nächsten Jahren weiter gesteigert werden.

„Damit werden wir sofort klimaneutral“, sagte VW-CNG-Experte Neumann. Mindestens vier Millionen Pkw könnten in Deutschland mit Biomethan betrieben werden, erwarten VW-Wissenschaftler. Andere Schätzungen wie etwa vom Leipziger Biomethan-Hersteller Verbio kalkulieren damit, dass es möglicherweise sogar doppelt so viele sein könnten.

Eine wachsende Bedeutung bekommt dabei die Methan-Fertigung aus Stroh, das nicht mehr auf den Feldern verbrannt, sondern umgewandelt als Erdgas in den Autotanks landen soll. Neumann verbreitet die Hoffnung, dass im Jahr 2025 in Deutschland etwa eine Million Erdgas-Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sein könnten.

Experten bleiben trotzdem skeptisch, ob der CNG-Antrieb in den kommenden Jahren einen gewissen Durchbruch erreichen kann. Das größte Problem bestehe darin, dass jetzt auch der großangelegte Aufbau der Ladeinfrastruktur für die Elektrofahrzeuge beginnt. Für den Autofahrer werde es langsam unübersichtlich, was alles an neuen Tank- und Ladesäulen entstehe.

„Das Erdgas wird uns bei der Dekarbonisierung nicht helfen“, sagte Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Denn auch CNG werde wie Benzin und Diesel verbrannt. Echte saubere Energie gebe es nur aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind.

Der Erdgasantrieb sei aus Kundensicht schon in den vergangenen zehn Jahren nicht relevant geworden, so Bratzel weiter. Deshalb sei die Frage berechtigt, warum das CNG ausgerechnet jetzt stärker an Bedeutung zulegen solle. Der Erdgasantrieb sei wahrscheinlich allenfalls eine Überbrückungstechnologie – bis sich der Stromantrieb endgültig durchgesetzt habe.

Immerhin profitiert auch Volkswagen davon, wenn künftig mehr Erdgasautos verkauft werden. Mit ihren besseren Abgaswerten können die CNG-Fahrzeuge dabei helfen, die von der EU festgelegten Flottengrenzen zu senken. Mögliche Strafzahlungen fallen damit für die Wolfsburger niedriger aus.

Mehr: Volkswagen will ein neues Werk in einem Billiglohnland bauen. Die Wahl fällt voraussichtlich auf einen Standort, an dem die politische Lage heikel ist: die Türkei.

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3 Kommentare zu "CNG im Elektrozeitalter: VW will beim Erdgasantrieb nachlegen"

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  • Es ist ein Jammer, dass man hier in die Sackgasse geraten ist. Dabei hat es fantastische und saubere Lösungen. Die Mobilität der Zukunft ist elektrisch - das ist für die Berliner Neutrino Energy Group vollkommen klar. Allerdings werden Zwischenstopps an den Ladesäulen demnächst der Vergangenheit angehören. Die Autos der Marke Pi beziehen ihre Energie aus Energiewandlern, die diese aus Strahlung gewinnen. Dabei geht es um sehr leichte Elektrofahrzeuge, deren Karosserie nicht aus Aluminium besteht, sondern aus Karbon. Dieses Kohlenstoffverbundmaterial ist nicht nur extrem leicht, sondern ermöglicht auch die problemlose Integration der Energiewandler. Somit kann der gesamte Fahrzeugkörper für die Energiegewinnung genutzt werden. Der griechische Buchstabe Pi wurde als Markenname gewählt, weil er für Unendlichkeit steht. So wie Fotovoltaikanlagen Strom aus dem sichtbaren Licht gewinnen, wandelt die Neutrino-Voltaik nicht-sichtbare Strahlung in Energie um. Damit ergibt sich ein bedeutender Vorteil: diese Energiegewinnung ist nicht vom Tageslicht abhängig. Die extrem kleinen, hochenergetischen Teilchen stehen rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, an jedem beliebigen Ort zur Verfügung. Wenn unsere Autoindustrie hier andockt, sind sie wieder an der Weltspitze. http://motorzeitung.de/news.php?newsid=569670

  • Die einzige zur Zeit funktionierende sowohl ökologisch als auch ökonomisch Mobilitätstechnologie ist die CNG-Technologie!
    Es ist gut, dass sich VW dazu bekennt und weitere Entwicklungen betreibt. Die Schulung der Verkäufer in den Autohäusern über die CNG-Technologie zeigt allerdings deutliche Defizite. Die Möglichkeiten der CNG-Fahrzeuge wird viel zu wenig bis gar nicht den Kaufinteressenten offeriert.

    Das das Handelsblatt einen Politologen (Prof. Bratzel) zum Kronzeugen gegen die CNG-Technologie macht spricht weder für das Handelsbalt und für den Politologen aber sicher auch nicht gegen die CNG-Technologie. "Schuster bleib bei Deinen Leisten!"

  • Es ist gut, dass VW auf Erdgas-Antriebe setzt. Allerdings meiner Meinung nach nicht konsequent genug. Ich selbst wollte gerne im Jahre 2012/2013 einen Golf Erdgas kaufen. Leider wurde dieser Motor deutlich später als die Diesel- und Benzinmotoren eingeführt. Wenn ein neues Auto rauskommt und ich Interesse habe, will ich nicht noch 2 Jahre warten, bis der Erdgasmotor nachgereicht wird.

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