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CO2-Label für Autos So umweltfreundlich wie ein kleiner Panzer

Nach dem Vorbild von Waschvollautomaten und Tiefkühltruhen: In wenigen Tagen werden Neuwagen mit einem Öko-Label etikettiert und in Effizienzklassen eingeteilt - mit teils absurden Konsequenzen. Ein Kommentar.
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Kampfpanzer Leopard 2: Wäre er als Neuwagen zulassungsfähig, bekäme auch er ein Energieeffizienz-Label. Und nicht das schlechteste. Quelle: dpa

Kampfpanzer Leopard 2: Wäre er als Neuwagen zulassungsfähig, bekäme auch er ein Energieeffizienz-Label. Und nicht das schlechteste.

(Foto: dpa)

Am 1. Dezember ist es soweit, dann bekommen wir Autokäufer endlich Auskunft über die Verbrauchswerte und CO2-Emissionen der Neuwagen, die uns interessieren. Nach dem Vorbild von Waschvollautomaten und Tiefkühltruhen! Freuen Sie sich auch schon so darauf? Nein? Sollten Sie aber, das wird von Ihren Steuergeldern bezahlt.

Es wird Effizienzklassen geben, vom grünen A+ - sozusagen für jedes halbwegs saubere Vehikel - bis zum roten G für ausgewiesene Dreckschleudern. Das ganze basiere auf einem "sogenannten relativen Modell", hieß es im Wirtschaftsministerium, dabei werde auch die Fahrzeugmasse berücksichtigt. Das macht ja auch Sinn, wer würde nicht sein Auto nach Gewicht kaufen?

Fast unnötig zu erwähnen, dass der mächtige Auto-Herstellerverband VDA maßgebliche seine Hand im Spiel hatte. Der absolute CO2-Ausstoß bzw. der realistische Spritverbrauch spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Im Klartext: Ein tonnenschwerer Geländewagen, der sich in Deutschland gerade so gut verkaufen lässt, fällt dann unter Umständen in eine bessere Effizienzklasse als ein Kleinwagen.

Beispiel: So landet ein 2.345 Kilo schwerer Audi Q7 3.0 TDI mit einem Kohlendioxidausstoß von 195 Gramm pro Kilometer ebenso wie ein 2,5 Tonnen schwerer Porsche Cayenne S Hybrid (193 g/km) in der zweitniedrigsten Klasse B, ein Kleinwagen wie der Toyota Aygo jedoch wird trotz wesentlich geringeren CO2-Ausstoßes in Klasse D eingestuft.

Sie halten das für Etikettenschwindel? VDA-Präsident Wissmann sieht das anders: Das machten sie im europäischen Ausland genauso, sagt er. Na, dann kann es ja nicht verkehrt sein.

Eine "verbraucherfeindliche Mogelpackung" dagegen nennt der Verkehrsclub Deutschland (VCD) das ganze. Nicht ganz zu Unrecht. Eine kleine Rechnung macht die ganze Absurdität klar: Der in aller Welt beliebte deutsche Kampfpanzer Leopard 2, der pro gefahrenem Kilometer 1.500 Gramm CO2 ausstößt, so rechnete der Club vor, würde dank seines Gewichts von 62 Tonnen in der Logik der neuen Effizienzklassen direkt neben einem VW Golf 1.4 landen.

Wenn Sie jetzt das Gefühl überkommt, was tun zu müssen: Fahren Sie im SUV schnell ein paar Runden um den Block. Dann bleibt es auch im nächsten Spätherbst draußen angenehm lange warm. Doch wenn Sie glauben, Sie hätten damit etwas für die Umwelt getan, sind Sie der Auto-Lobby und dem Wirtschaftsministerium auf den Leim gegangen.

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15 Kommentare zu "CO2-Label für Autos: So umweltfreundlich wie ein kleiner Panzer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein korrektes Kriterium wäre nicht das Eigengewicht sondern die Nutzlast. Beim Kühlschrank werden ja sicher auch nicht die Aussenmaße, sondern der Nutzraum zugrunde gelegt. Sonst könnte ich ja einen völlig unisolierten Kühlschrank in einen großen Schuppen stellen, und das ganze dann mit A+++++ bewerten.

  • R=m*0.8987+36,59079
    Leopard 2 wiegt mittlerweile so um die 62000kg und verbraucht 300~500 l/100km.
    1l Diesel wird zu etwa 2,65kg CO2 verbrannt.

    Pi*Daumen ergibt das nen Referenzwert von 5500 gegenüber einem Ausstoß von Größenordung ~10000.
    Effizienzklasse G.

    Nicht dass ich ihre grundsätzliche Kritik nicht teile... aber die Polemik gepaart falschen Infos ist peinlich.

    Redakteur durchgefallen und Greenpeace reingefallen.

  • Und wer hat diesen Nonsens erfunden? Entweder ein plausibles Label oder gar keines. Über diese deutsche Methode lacht doch die Welt. Und unsere Volksvertreter haben das noch abgesegnet. Nichts verstanden oder zu sehr lobbyhörig? Auf jeden Fall nicht vertauenswürdig.

  • Beim Thema "CO2 geht es um "Geld und Macht für die Retter!". Wer sich darüber noch keine Gedanken gemacht hat, oder allen Ernstes noch an die angebliche Klimagefahr glaubt, der mag unseren Report "Rettung vor den Klimarettern" lesen.

  • Köstlich! Danke für diesen wunderbaren Artikel voller Ironie. Selten so gelacht. Politik kann ja doch sehr witzig sein. :)

  • "Dann bleibt es auch im nächsten Spätherbst draußen angenehm lange warm."
    *Auch* im naechsten Spaetherbst? Mal aus dem Fenster geguckt? Oder letztes Jahr um die Zeit?

  • Ist das ein Gastbeitrag des VCD? So absurd das Rating ist, der letzte Absatz könnte tendenziöser nicht sein.

  • Da soll noch einer sagen, in Brüssel säßen keine Idioten!

  • Sorry, aber braucht man wirklich solch ein Label? Jedes Kind weiß doch, dass ein großes Auto mehr verbraucht als ein kleines! Wieso muss man das auch noch extra ausweisen?
    Wer gerne kleine "Öko"-Autos (Oxymoron) mag, weiß die Vorzüge dieser Fahrzeuge genauso zu schätzen wie derjenige, der ein SUV mag. Kommt demnächst vielleicht der Vorschlag, dass auf einem Trabbi stehen muss, dass es langsamer fährt als ein Ferrari? Sind denn alle irre geworden? (Ja!)

  • Das Label ist für den Eimer und wird von der nächsten Regierung (mein Tip: rot/schwarz, FDP da wo sie hingehört) sicherlich kassiert werden. Als Regulativ wäre eine Modifikation der KFZ-Steuer vollkommen ausreichend.

    Vorschlag: CO²-Menge / 10 x CO²-Menge / 10 = Steuer in Euro

    Das differenziert auch den Panzer...

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