Concorso d’Eleganza Alles, was schön und teuer ist

Die Schönheitskonkurrenz Concorso d’Eleganza in der Villa d’Este am Comer See war bei ihrer Gründung 1929 eine Aktualitätenschau automobiler Köstlichkeiten. Heute verbinden sich hier Historie und Zukunft miteinander.
  • Ulf Böhringer
Kommentieren
  • Spotpress
Concorso d’Eleganza - Alles was schön und teuer ist Quelle: Ulf Böhringer/SP-X

Weil es sich am Comer See um eine echten Raritätenschau handelt, kamen in diesem Jahr Wagen aus Argentinien, Japan oder den USA, um hier den Ruhm ihrer Besitzer zu mehren – und ihren Wert zu steigern.

Das letzte Mai-Wochenende ist den Fans automobiler Raritäten heilig: Es wird für den seit 1929 bestehenden Consorso d’Eleganza Villa d’Este benötigt, deshalb ist für nichts anderes Platz in Kalender. BMW pflegt den Nimbus, in den Parks der herrschaftlichen Villa d’Este und der Villa Erba eine Schau der schönsten, seltensten und auch teuersten Automobile der Welt zu veranstalten, mit aller Konsequenz. Dieses Jahr stand die konzerneigene Marke Rolls Royce im Mittelpunkt, wird sie doch heuer 110 Jahre alt.

Deshalb sollte man freilich nicht glauben, BMW würde sich und die Konzernmarken ungehörig bevorzugen. Nobel, wie die Bayern nun mal sind, halten sie sich vornehm zurück und gönnen es auch Produkten anderer Hersteller, von der Jury mit Pokalen und Preisen dekoriert zu werden.

Petrus meinte es gut mit den Organisatoren der diesjährigen Veranstaltung: Eine kräftige Frühlingssonne strahlte den gesamten Samstag und Sonntag vom Himmel, kein Regentropfen weit und breit und auch kein lästiger kühler Wind wie im Vorjahr.

Was am Samstag den geladenen Gästen auf der Terrasse des Grandhotels Villa d‘Este einige schöne Stunden verhieß, defilierten doch die 52 in neun Klassen eingeteilten vierrädrigen Pretiosen ohne jegliche Gefahr eines Regengusses geruhsam bei Cappucino, Champagner oder Vino Bianco an ihnen vorbei.

Bis 1873 war die als Villa del Garavo in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts für den Kardinal von Como erbaute Renaissance-Villa privat genutzt worden, seither dient sie als Luxushotel.

Concorso d´Eleganza Villa d´Este 2014
Die Maserati-Sonderschau im Park der Villa Erba zog zahlreiche Besucher an.
1 von 14

Die Maserati-Sonderschau im Park der Villa Erba zog zahlreiche Besucher an.

Die Jury des Concorso d’Eleganza sprach den Besitzern des Alfa Romeo 6C 1750 GS (1931) den Pokal für die sensibelste Restaurierung zu; der ursprünglich von Zagato karossierte Sportwagen erhielt 1938 eine neue Karosserie von Aprile in Savona.
2 von 14

Die Jury des Concorso d’Eleganza sprach den Besitzern des Alfa Romeo 6C 1750 GS (1931) den Pokal für die sensibelste Restaurierung zu; der ursprünglich von Zagato karossierte Sportwagen erhielt 1938 eine neue Karosserie von Aprile in Savona.

Dieser Rolls Royce Silver Ghost trägt die Fahrgestellnummer 750 und wurde nur vier Jahre nach der Gründung des britischen Luxusfahrzeug-Herstellers gebaut.
3 von 14

Dieser Rolls Royce Silver Ghost trägt die Fahrgestellnummer 750 und wurde nur vier Jahre nach der Gründung des britischen Luxusfahrzeug-Herstellers gebaut.

Concorso d’Eleganza - Alles was schön und teuer ist
4 von 14

Weil es sich am Comer See um eine echten Raritätenschau handelt, kamen in diesem Jahr Wagen aus Argentinien, Japan oder den USA, um hier den Ruhm ihrer Besitzer zu mehren – und ihren Wert zu steigern.

Dieser Silver Cloud I erhielt seine Spezialkarosserie von Enclosed Estate in Crewe (UK) und wurde 1959 auf der New Yorker Automobilschau präsentiert.
5 von 14

Dieser Silver Cloud I erhielt seine Spezialkarosserie von Enclosed Estate in Crewe (UK) und wurde 1959 auf der New Yorker Automobilschau präsentiert.

Seit Jahren auf jedem Concorso vertreten ist dieser mobile Fassbier-Ausschank, der am Heck eines BMW 502 montiert ist.
6 von 14

Seit Jahren auf jedem Concorso vertreten ist dieser mobile Fassbier-Ausschank, der am Heck eines BMW 502 montiert ist.

Dieser Rolls Royce Phantom II (1934) trägt den Beinamen "Boat Tail"; er wurde von der Concorso-Jury zum Klassensieger gekürt.
7 von 14

Dieser Rolls Royce Phantom II (1934) trägt den Beinamen "Boat Tail"; er wurde von der Concorso-Jury zum Klassensieger gekürt.

Während der Concorso-Samstag stets für die geladenen Gäste reserviert ist und sich das gesamte Geschehen auf die Villa d’Este konzentriert, hat am Sonntag dann auch zahlendes Publikum Zutritt zum Concorso d’Eleganza. Ab dem frühen Morgen sind die automobilen Pretiosen auf den weiten Parkflächen des nahegelegenen Ausstellungszentrums Villa Erba geparkt, wo alsbald Heerscharen von Besuchern über sie herfallen. Es gibt fast keinen Besucher und auch kaum eine Besucherin, die nicht mittels Smartphone, Tablet oder Kamera ihre Eindrücke konservierten.

Die Objekte fotografischer Begierde sind wahre Juwelen der Automobilgeschichte. Ferraris sind stets stark vertreten, dieses Jahr wurde Maserati aus Anlass des 100jährigen Bestehens eine Sonderschau gewidmet.

Angesichts des Rolls Royce-Jubiläums eröffnete ein britischer Luxuswagen den Präsentationsreigen: Der Silver Ghost von 1908 war zunächst 57 Jahre im Besitz der Ersterwerber-Familie, doch auch die jetzigen Besitzer hegen und pflegen ihn bereits seit 49 Jahren.  

Ein höchst spezieller Rolls Royce vom Typ Silver Cloud I weist unter der Ladefläche des kombiartigen Hecks eine Staumöglichkeit für vier Jagdgewehre auf. Nicht nur diese beiden Fahrzeuge befinden sich in einem Zustand, der mindestens dem zum Zeitpunkt der Werksauslieferung entspricht.

Doch nicht nur der Fahrzeugtyp ist wichtig, um beim Concorso d’Eleganza antreten zu dürfen, sondern auch die individuelle Fahrzeug-Historie. Rein optisch ist der weiße Mercedes 300 SL Roadster mit rotlackiertem Hardtop nichts Besonderes. Außergewöhnlich ist das in Deutschland zugelassene Fahrzeug, weil es einst von Grandprix-Rennfahrer Rudolf Caracciola in den USA als Demonstrationsfahrzeug genutzt worden war.

Mille Miglia lässt Oldtimer-Fans jubeln
Jay Leno, Ian Callum
1 von 17

So etwas kann es nur in Italien geben: Ein Wochenende lang ist der Verkehr im halben Land lahm gelegt, Innenstädte sind gesperrt, Landstraßen blockiert und Autobahnen dicht gemacht ...

mille_miglia_2013_-roma_0-100_19
2 von 17

Doch statt zu hupen und zu schimpfen, stehen die Italiener am Straßenrand, jubeln, schwenken tausende von Fähnchen, inhalieren dieses unvergleichliche Gemisch aus heißem Benzin, verbranntem Öl und quietschenden Reifen und feiern eine furiose PS-Party: Es ist Mille Miglia-Zeit, und einmal mehr stürzen sich fast 400 Rennwagen in ein Abenteuer, das 1.000 Meilen währt, vielen wie eine Ewigkeit vorkommt und am Ende doch wieder viel zu schnell vorbei ist ... 

ampnet_photo_20140423_079984
3 von 17

Die spektakuläre Oldtimer-Rundfahrt folgt den Spuren des berühmten Langstreckenrennens auf den rund 1.700 Kilometern von Brescia nach Rom und zurück und hat nichts von ihrer Anziehungskraft verloren: Millionenteure Schätze aus den Werksmuseen der Fahrzeughersteller, die Schmuckstücke aus Sammlergaragen in aller Herren Länder und die Oldtimer bescheidener Privatiers formen ein mobiles Museum, das in einem Affenzahn über den Stiefel stürmt.

Jay Leno, Ian Callum
4 von 17

Weil fast nur echte Rennwagen zugelassen sind, könnte das Feld kaum spektakulärer sein: Wie vor über 50 Jahren ringen deshalb auch diesmal wieder Ferrari, Maserati, Jaguar, Porsche und Mercedes aus den Fünfzigern um die Bestzeiten.

ampnet_photo_20140516_081009
5 von 17

So bunt wie die Flotte sind auch das Feld der Fahrer und die Auswahl ihrer Pässe. Es reicht von PS-Promis wie Jay Leno und Martin Brundle, oder Jochen Mass und TV-Berühmtheiten wie Jeremy Irons und Adrien Brody bis zur Bäckereifachverkäuferin aus Basel und spannt den Bogen vom hintersten Orient bis nach Australien.

Allein im Prolog aus über 200 aktuellen Ferrari-Fahrzeugen sieht man Kennzeichen aus Amerika, Südafrika, Hong Kong, Russland, Japan oder China: „Die Mille Miglia ist die Mutter aller Straßenrennen, ein Traum für jeden Fahrer, da muss man einfach hin“, sagt einer der Teilnehmer.

Bereits seit 1977 startet die heutige touristische Mille Miglia jedes Jahr im Mai im Gedenken an die originale Mille Miglia.
6 von 17

Bereits seit 1977 startet die heutige touristische Mille Miglia jedes Jahr im Mai im Gedenken an die originale Mille Miglia.

ampnet_photo_20140428_080194
7 von 17

Im offiziellen Feld sind zwar nur Autos aus den Jahren von 1929 bis 1957, die technisch mit den Rennwagen von einst identisch sind. Doch jeder, aber wirklich jeder, der ein halbwegs interessantes Auto hat, reiht sich unterwegs einfach ein.

Zwei Dutzend Ferrari, ein paar alte Peugeot, der örtliche Lamborghini-Club oder der Freundeskreis Fiat 500 – man hupt ein bisschen, hängt ein paar Mille-Miglia-Fahnen aus dem Fenster und gibt einfach Gas.

Eben weil es sich am Comer See um eine echten Raritätenschau handelt, kamen in diesem Jahr verschiedene Wagen aus Argentinien, Japan oder den USA, um hier den Ruhm ihrer Besitzer zu mehren – und ihren Wert zu steigern. Denn eine Auszeichnung beim Concorso d’Eleganza Villa d’Este nimmt man auch in sehr vermögenden Kreisen immer gerne in Empfang.

Den Kontrapunkt zu den historischen Fahrzeugen setzten eine Reihe von Concept Cars verschiedener Hersteller, die zum Teil im Lauf der letzten Jahre am Comer See schon einmal zu sehen waren. Voller Stolz stellte BMW auch seine beiden i-Modelle i3 und i8 im Park der Villa Erba aus.

Bereits am Freitagabend hatten die Bayern zudem zwei neue Fahrzeugstudien enthüllt; der Mini Superleggera Vision ist ein Prachtstück von stylischem Roadster, der zudem elektrisch fährt.

In die Concept-Kategorie gehört auch das sehr viel Aufsehen erregende Boxer-Motorrad Concept Roadster, bei dem sich neben diversen Design-Spielereien auch einige Bauteile erkennen lassen, die wohl in nicht allzu ferner Zeit in einem unverkleideten Serienmotorrad zu sehen sein werden.

Oldie-Jahrgang 1984 im Überblick
Oldtimer - Endlich Geschichte – die neuen H-Klassiker
1 von 11

Welche Volumenmodelle waren die Trendsetter des Jahres 1984? Allen voran die Mercedes-Benz 200 bis 300E der Baureihe W 124, die nach einem Facelift zur ersten E-Klasse mutierte.

Ford Escort RS200 ab 1984
2 von 11

Selten, und bald mit H-Kennzeichen unterwegs: Ford Escort RS200 ab 1984

Subaru Justy 1984
3 von 11

Zu den Allradlern mit 30 Jahresringen zählen urige kleine Offroadklassiker wie der Suzuki SJ 413 und der Daihatsu Rocky, aber erstmals auch Limousinen, Kombis und Sportwagen aller Segmente wie Alfa 33, Audi 200, Subaru Justy, VW Passat Variant Syncro, Ford RS 200, Mitsubishi L 300 oder Honda Shuttle. Überhaupt die Vans. Sie waren die großen Unverstandenen jenes Jahres.

Renault Espace ab 1984
4 von 11

Renault Espace ab 1984

Nachdem Honda, Mitsubishi (Space Wagon) und Nissan (Prairie) zuerst in Japan den Kombi höher und variabler zu Raumkreuzern transformiert hatten, kamen die Vans nun nach Europa – zeitgleich zum Marktstart von Chrysler Voyager und Renault Espace. Es sollte aber Jahre dauern bis sich Familien und Firmen für die neuartigen Großraumlimousinen wirklich begeisterten.

Opel Kadett E Typ GSI
5 von 11

Opel Kadett E Typ GSI

Peugeot 205 GRD ab 1984
6 von 11

Peugeot 205 GRD ab 1984

Saab 9000 Turbo 1984
7 von 11

Saab 9000 Turbo 1984

Überhaupt: Seit vier Jahren päppelt BMW im Rahmen des Concorso die Zweiräder zum zweiten Standbein auf. Heuer erreichte das in sechs Klassen gegliederte Feld ein sensationelles Niveau; die sechs ausgestellten Weltrekord-Motorräder aus den Jahren 1929 bis 1937 beispielsweise waren weltweit noch niemals gemeinsam zu sehen gewesen.

Startseite

0 Kommentare zu "Concorso d’Eleganza : Alles, was schön und teuer ist"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%