Dienstwagen-Check der DUH Umweltministerin fährt nicht klimafreundlich

Die Deutsche Umwelthilfe untersucht regelmäßig, wie klimafreundlich deutsche Politiker sich chauffieren lassen. In diesem Jahr muss ausgerechnet Bundesumweltministerin Barbara Hendricks einen bösen Absturz verkraften.
Die Deutsche Umwelthilfe hat ihren jährlichen Umweltcheck für Politiker-Dienstwagen vorgestellt. Quelle: picture alliance/dpa
Wie sauber sind Politiker-Dienstwagen?

Die Deutsche Umwelthilfe hat ihren jährlichen Umweltcheck für Politiker-Dienstwagen vorgestellt.

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BerlinDie deutsche Umweltministerin ist im Dienstwagen nicht gerade klimafreundlich unterwegs: Von den Bundesministern nutzt Barbara Hendricks das Auto mit dem höchsten CO2-Ausstoß (159 Gramm pro Kilometer). Den letzten Platz im diesjährigen Dienstwagen-Check der Deutschen Umwelthilfe (DUH) teilt sie sich mit zwei SPD-Parteikollegen, Justizminister Heiko Maas und Familienministerin Manuela Schwesig.

Vor einem Jahr hatte Hendricks noch den ersten Platz belegt - ihr neues Auto stößt aber mehr CO2 aus, zudem haben viele Kollegen sich sparsamere Wagen zugelegt. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt, der von Umweltschützern selten Lob hört, steht dagegen ganz gut da: Der CSU-Politiker wird im Wagen mit dem zweitgeringsten CO2-Ausstoß gefahren, nur Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ist noch sparsamer unterwegs.

Diese Regeln für den Dienstwagen sollten Sie kennen
1. Einheitliche Regelung
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In puncto Dienstwagen, so heißt es in einer Übersicht, die das creditreform-magazin.de erstellt hat, sollte es einen transparenten Verteilungsmodus geben. Das gilt vor allem dann, wenn es einen Betriebsrat gibt, der bei den Entlohnungsgrundsätzen ein Mitbestimmungsrecht hat. Dieser darf etwa dann mitreden, wenn Firmen-Pkws auch privat genutzt werden. In der Praxis ist es üblich, dass die Firma im Rahmen ihrer Carpolicy eine Bandbreite vergleichbarer Pkw-Kategorien für bestimmte Mitarbeitergruppen vorsieht, die dann im Detail zwischen verschiedenen Modulen wählen dürfen. Sogar die Vorgabe bestimmter Automarken ist möglich – beides sollte im Arbeitsvertrag fixiert werden.

(Tipp: hier gelangen Sie zum Handelsblatt Dienstwagen-Rechner)

2. Extras abrechnen
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Und wenn der Mitarbeiter Sonderwünsche bei der Ausstattung hat und damit die finanziellen Vorgaben sprengt? Dann muss er für diese Extras aus eigener Tasche aufkommen. Damit kein Neid aufkommt, sollte das auch allen Beteiligten im Unternehmen klar sein – schließlich gilt ein Dienstwagen immer auch als Wertschätzung durch den Chef, sichtbar für alle Kollegen, Geschäftspartner und Kunden.

3. Pflichten fixieren
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Auch wenn es noch so selbstverständlich sein sollte: Halten Sie in der Carpolicy Ihres Unternehmens schriftlich fest, dass der Dienstwagen pfleglich behandelt wird, stets in einem betriebsbereiten und verkehrssicheren Zustand ist und sämtliche Tüv- beziehungsweise Wartungstermine eingehalten werden. Was Sie außerdem unmissverständlich klarmachen sollten ist, dass der Dienst-Pkw nur in fahrtüchtigem Zustand, also beispielsweise nicht unter Alkoholeinfluss gefahren wird. Wichtig ist auch, dass der Mitarbeiter eine gültige Fahrerlaubnis hat – verliert der Kollege den Führerschein, muss er das also sofort melden.

4. Kostenübernahme klären
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Nimmt der Mitarbeiter seine Pflichten aus der Carpolicy ohne Beanstandung wahr, übernimmt der Arbeitgeber meistens die Aufwendungen für Wartung, Inspektion und Prüfungen. Das gliche gilt für Reparaturen, wenn sie in Absprache mit der Firma vorgenommen werden. Auch die Ausgaben für Benzin und Öl werden meistens vom Arbeitgeber übernommen. Natürlich vorausgesetzt, dass die in einem vorher definierten Kostenrahmen bleiben.

5. Privatnutzung erlauben
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Wenn Sie Mitarbeitern erlauben, den Dienstwagen auch privat zu fahren, sollte festgeschrieben werden, dass die darauf entfallenden Steuern auch vom Mitarbeiter zu tragen sind. Ratsam ist auch, die gewerbliche Nutzung des Wagens ausdrücklich zu verbieten und den Kreis der privaten Fahrer auf den Mitarbeiter, dessen Familienangehörige bzw. andere Personen in Begleitung des Arbeitnehmers zu beschränken. Das ist vor allem auch versicherungstechnisch relevant, heißt es beim creditreform-magazin.de Und: Damit Ihre Firma nicht auch übermäßig lange Urlaubsfahrten mit dem Dienstwagen unterstützt, übernimmt der Betrieb häufig nur die Kraftstoffkosten, die im Inland anfallen, oder Sie beschränken den Gesamtumfang der zulässigen Privatkilometer.

6. Steuermodell wählen
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Ganz klar: Wenn Mitarbeiter den Dienstwagen auch privat nutzen, dann muss das auch als geldwerter Vorteil versteuert werden; genauso muss die Sozialversicherung abgeführt werden. Am einfachsten umzusetzen ist dabei die Ein-Prozent-Methode: Dabei zahlt der Mitarbeiter im Rahmen seiner Gehaltsabrechnung jeweils ein Prozent des Bruttolistenpreises für das Fahrzeug; einschließlich fest eingebauter Extras wie Klimaanlage, Navi oder Freisprechanlage. Außerdem müssen noch die Fahrten zwischen Wohnung und der ersten Tätigkeitsstätte mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises für jeden Entfernungskilometer versteuert werden. Das ist umso vorteilhafter für den Mitarbeiter, je neuwertiger der Pkw ist und je häufiger er das Firmenauto auch außerhalb seiner Arbeitszeit privat fährt.

7. Alternative überdenken
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Statt Ein-Prozent-Methode kann der Mitarbeiter auch ein Fahrtenbuch führen, in dem zeitnah alle Touren dokumentiert werden – mit Datum, Start- und Zielort, Entfernung, Kilometerstand und Zweck der Fahrt. Lediglich der private Fahrtenanteil muss dann versteuert werden. Das ist natürlich ein enormer Aufwand, der gleichzeitig ein großes Problem darstellt, weil die Fahrtenbücher oft nicht ordnungsgemäß geführt werden.

Eine „grüne Karte“ für klimaverträgliche Fahrzeuge bekam kein Bundesminister. Die gab es nur für Autos mit weniger als 124 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer, Spitzenreiterin Wanka ist aber mit 132 Gramm unterwegs. Die EU erlaubt derzeit noch 130 Gramm pro Kilometer für neu zugelassene Autos, ab 2020 sollen es nur noch 95 Gramm sein.

Insgesamt vergab die Umwelthilfe in diesem Jahr nur acht „Grüne Karten“, alle  an Hybridautos mit kombiniertem Benzin- und Elektroantrieb. Die einzige „Grüne Karte“ auf Bundesebene erhielt Staatssekretär Enak Ferlemann (CDU) aus dem Bundesverkehrsministerium, der ein mit einem CO2-Ausstoß von 112 Gramm je Kilometer fährt. Im vergangenen Jahr gab es 42 „Grüne Karten“. Die meisten Spitzenpolitiker fahren jedoch Dieselautos.

Genau die möchte die DUH aus den Fuhrparks von Ministerien verbannt sehen. Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse aus dem Abgasskandal forderte sie die Politiker auf, vorerst auf die Anschaffung von Dieselfahrzeugen zu verzichten. Dies gelte zumindest so lange, wie die Autohersteller die Einhaltung von Grenzwerten für Stickoxidemissionen im Straßenbetrieb nicht sicherstellen könnten, erklärte der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch bei der Vorstellung des Dienstwagenchecks am Mittwoch in Berlin.

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