Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Elektroauto Ausgebrannter Tesla in Österreich wird zum hochgefährlichen Sondermüll

Die 600 Kilo schwere Batterie wirft Fragen über die Wiederverwertung auf. Wissenschaftler und Juristen sind ratlos, wie sie mit Wracks wie diesem umgehen sollen.
Update: 15.11.2019 - 14:30 Uhr 6 Kommentare
Die verbrannten Batteriereste sind für viele Recycling-Unternehmen ein Problem. Quelle: Reuters
Ausgebrannter Tesla

Die verbrannten Batteriereste sind für viele Recycling-Unternehmen ein Problem.

(Foto: Reuters)

Wien Als schickes Elektroauto ist der ausgebrannte Tesla nicht mehr zu erkennen. Der Besitzer Domink F. aus dem malerischen Walchsee in Tirol hat sein Luxusauto aus Unachtsamkeit zerlegt. Er war Anfang Oktober auf der Landstraße zwischen Walchsee und Kössen in Tirol gegen einen Baum gefahren. Sein Tesla ging in Flammen auf und brannte in wenigen Sekunden vollständig aus. Nach dem Brand nahe der Grenze zu Bayern blieb nur noch ein schwarzes Wrack übrig – und eine 600 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Batterie.

Eigentlich ist die Entsorgung eines ausgebrannten Autos in der Alpenregion eine Standardaufgabe. Aber im Fall des völlig ausgebrannten Teslas liegt der Fall anders. Denn die schwer beschädigte Batterie gilt als hochgefährlicher Sondermüll, den keiner der österreichischen Recycling-Unternehmen haben wollte.

„Ich hatte nie geglaubt, dass eine solche ausgebrannte Batterie eines E-Autos so ein großes Problem ist“, sagte der ortsansässige Abschleppunternehmer Georg Greiderer aus Walchsee dem Handelsblatt. Der hatte den ausgebrannten Tesla am Rande des Firmengeländes gebracht – aus Angst, dass der Wagen wieder zu brennen beginnt. Dort steht der Tesla bereits seit fünf Wochen.

Die mehr als eine halbe Tonne schwere Batterie war schon für die örtliche Feuerwehr Kössen eine ungeahnte Herausforderung. Das Autowrack wurde von den Experten unter Wasser gesetzt und 72 Stunden lang gekühlt. Die Feuerwehr wollte so verhindern, dass die Batterie wieder Feuer fängt.

Der Tesla-Eigentümer Domink F. fühlte sich von Tesla über Wochen in Stich gelassen. Ursprünglich hätte der amerikanische Autohersteller Tesla zwar eine problemlose Entsorgung zugesagt, sagte er dem ORF. Doch mehr als ein Monat war nichts passiert.

Tesla lenkt jetzt aber ein und nimmt die hochgefährlichen Batteriereste wieder zurück. „Erst auf Druck der Medien handelt Tesla“, sagt Abschleppunternehmer Greiderer dem Handelsblatt. „Tesla wird nächste Woche die Batterie aus dem Wrack ausbauen und dann endlich die Entsorgung übernehmen.“ Ein Tesla-Experte aus den Niederlanden werde so Greiderer deshalb Mitte nächster Woche in die österreichischen Alpen reisen und sich zusammen mit einem Techniker aus Österreich um die Batterie kümmern.

Der Fall wirft grundsätzliche Fragen im Umgang mit den gefährlichen Lithium-Ionen-Batterien auf. „Die Recyclingfirmen in Europa sind ausgerichtet auf eine quasi unbeschädigte Batterie. Aber in dem Tiroler Fall gibt es keine Lösung. Wir wissen nicht einmal nach dem Brand, wo fängt die Batterie an und wo hört sie auf“, sagt Roland Pomberger, Professor für Abfallverwertungstechnik an der Montanuniversität Leoben dem Handelsblatt. „Wir wissen nichts über E-Unfallautos. Damit hat sich bisher noch niemand auseinandergesetzt“, erklärt der bekannte Recycling-Forscher. Pomberger beschäftigt seit acht Jahren mit der Wiederverwertung von Lithium-Ionen-Batterien.

„Eine solche Batterie ist nicht nur gefährlich, sondern auch die Rechtslage ist unklar. Es ist nicht klar, ob der Tesla überhaupt noch ein Altfahrzeug ist. Nachdem das Wrack in einem Wasserbad geflutet wurde, ist die Rechtslage nicht eindeutig“, sagt Walter Kletzmayr, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Shredder in Österreich, auf Anfrage. In der Arge sind die sechs großen Auto-Schredder-Betriebe der Alpenrepublik versammelt. Das Wasser sei möglicherweise bereits eine gefährliche Lauge, die wiederum getrennt entsorgt werden muss, sagt der Ingenieur.

Auch der Transport der Batterie zu einem Entsorgungsunternehmen ins Ausland ist nicht einfach. Denn es handle sich um einen Gefahrgut-Transport, so Kletzmayr.

Abfallwirtschaft warnt vor gefährlichen Bränden

Dass sich kein Recycling-Unternehmen bereiterklärt hat, die verkohlte Lithium-Ionen-Batterie zu übernehmen, ist für den Experten Pomberger daher wenig überraschend. „Sie wissen weder technisch und rechtlich, was sie mit den beschädigten und verkohlten Batterien aus Unfallautos machen sollen“, sagte „Recycling-Papst“ Pomberger zur Erklärung der ablehnenden Haltung der regionalen Entsorgungsunternehmen. „Lithium-Ionien-Batterie sind Pakete aus Folien und leicht anzündbar. Für das Recycling ist das selbst im Fall einer unbeschädigten Batterie eine unglaublich große Aufgabe“, berichtet Pomberger.

Derzeit gibt es wenige Recyclingunternehmen, welche ausgediente Elektrofahrzeuge selbst im beschädigten Zustand zerlegen und wiederverwerten. Darunter ist das deutsche Unternehmen Redux Recycling in Offenbach. Die Tochter des österreichischen Entsorgungskonzerns Saubermacher ist nach eigenen Angaben seit mehr als zwei Jahrzehnten Weltmarktführer beim Recycling von Gerätebatterien. Im Mai geriet das Batterie-Recycling-Unternehmens durch einen Brand in der Produktionshalle in die Schlagzeilen. Im Herbst konnte Redux wieder seinen Betrieb aufnehmen.

Die Recycling-Unternehmen versuchen, die wertvollen Rohstoffe wie Kobalt, Nickel, Kupfer und Aluminium wiederzugewinnen. Lithium geht aber verloren. Nach Angaben von Redux und Saubermacher sind Lithium-Ionen-Batterien in ihrer Zusammensetzung sehr heterogen und haben auch am Ende ihres Lebens noch einen hohen Energiegehalt. Das macht das Recycling besonders schwierig und hohe Sicherheitsstandards notwendig.

In Österreich baut sich bereits Druck auf, die Anstrengungen landesweit besser zu lösen. Nächste Woche wird der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe und andere Organisation eine Studie zum Umgang mit im Umlauf befindlichen, hochexplosiven Lithium-Batterien in Alltagsgeräten wie elektrische Zahnbürste oder E-Bikes vorstellen, die für Entsorgungsbetriebe gefährlich sein können. Die Abfallwirtschaft warnt bereits vor der Zunahme gefährlicher Brände und will konkrete Forderungen an die Politik richten.

Pomberger fordert vom Autohersteller Tesla im Fall der Entsorgung von beschädigten Batterien aus E-Unfallautos endlich zu handeln. „Es ist ein großes Versäumnis der Hersteller von E-Autos sich mit dem Fall von beschädigten Batterien nicht auseinanderzusetzen. Die gesamte Autobranche muss endlich, dieses ungelöste Problem gemeinsam anpacken“, verlangt der Abfallexperte, der selbst ein Elektrofahrzeug fährt. „Es ist dringend notwendig, dass die Hersteller etwas unternehmen.“

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels stand fälschlicherweise eine unkorrekte Aussage über die Lage der verbauten Batterien in einem Tesla Model S.

„Unter Umständen könnte Tesla eines Tages bei einem deutschen Unternehmen landen“

Mehr: Tesla-Fabrik für Berlin – Wie Elon Musk die deutsche Autobranche demütigt.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Elektroauto - Ausgebrannter Tesla in Österreich wird zum hochgefährlichen Sondermüll

6 Kommentare zu "Elektroauto: Ausgebrannter Tesla in Österreich wird zum hochgefährlichen Sondermüll"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Spinnen jetzt alle?

    Was soll denn an einem Li Akku Sondermüll sein? Da ist nur Kupfer, Stahl, Kunststoff, etwas Elektronik und wenig Lithium drin. Nichts davon ist Sondermüll, außer vielleicht Plastik. Aber dann ist jegliche Technik Sondermüll. Und mttlerweile gibt es einige Recycling-Firmen für Li Akkus. Das Zeug verkauft sich nämlich wieder sehr gut.

    Und dann zur Brandgefahr: E-Autos brennen 5 x weniger als Benziner und dann brennen E-Autos auch viel langsamer und kontrollierter ab. Ein brennendes Benzinauto in einer Garage will ich nicht erleben. Ist ja auch klar: ein 70 L Benzintank besitzt die Energie von 750kWh im Vergleich zu einem großen Lithium Akku mit z.B. nur 60 kWh.

  • danke für den Artikel - dazu die Frage: das gilt wohl nicht nur für TESLA - was ist mit den
    anderen E-Autos-Anbietern in der Frage? Machen es die Deutschen E-Auto-Bauer besser?
    Danke für die Aufklärung

  • "Kontrolliert abbrennen lassen", lautet die Antwort der Feuerwehr, wie man diese Brände löscht.
    Stellen sich die Fragen:
    Was passiert in Tiefgaragen (mit Wohnungen überbaut und bei mehreren tausend Grad), Parkhäusern oder in der eigenen Garage?
    Was sagen die Versicherungen?
    Und kommt da ein noch größeres (als das BER bekannte) Brandschutz-Problem auf uns zu?

  • Nur so viel zu den scheinbar so umweltfreundlichen E-Autos.
    Das Hauptproblem, die Akkus, sind Entsorgungstechnisch ungelöst.
    Umweltfreundliche Stromerzeugung ungelöst.
    Es ist immer wie bei Merkels Hirngespinsten, alle Probleme werden nach dem Motto behandelt "Wir" schaffen das, wobei die Frage ist wer ist mit wir gemeint. Denka aber, mit dem wir sind wir Bürger gemeint, die die Hirngespinste unserer Fr. Merkel/CDU ausbaden dürfen.
    Dem/der unfähigen schlägt keine Stunde.

  • Es gilt generell, der deutsche Unternehmer wird solange malträtiert, bis er aufgibt, gar nicht erst gründet oder untergeht. Das nennt man dann hierzulande Wirtschaftspolitik. Das einzige, das hier wundert, ist, dass der Hase die letzten 10 Jahre noch einigermaßen läuft, aber wir bewegen uns in großen Schritten dem Ende der angenehmen Phase in (West-)Deutschland zu

  • Wenn Sie als Mittelständler ein neues Produkt auf den Markt bringen wollen, dann müssen sie lückenlos den Lebenszyklus des Produktes von der Entstehung bis zur Entsorgung nachweisen. Für große Konzerne, die ein solch "umweltfreundliches" Produkt verkaufen, scheint man die Regeln außer Kraft gesetzt zu haben.
    Erstaunlich, was so alles geht, wenn es politisch opportun ist.