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Elektroautos von Audi, BMW und Daimler Warum es die Tesla-Jäger schwer haben werden

Die deutschen Premiumriesen fordern Tesla heraus. Doch die neuen Modelle haben entscheidende Nachteile im Vergleich zum Elektropionier.
  • Holger Holzer
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  • Spotpress
New Mobility: Die neuen Tesla-Jäger - Das Establishment schlägt zurück Quelle: Audi
Audi E-tron

Der Konkurrent aus Ingolstadt basiert auf dem Verbrennermodell Q5.

KölnSeit gut sechs Jahren rollt Tesla bereits den Luxusautomarkt mit seinen Elektromodellen auf. Zuletzt überholten die Kalifornier mit dem Model 3 in den USA sogar die Mercedes C-Klasse. Nun wollen die deutschen Hersteller einer Antwort auf den Premium-Usurpator aus Kalifornien gefunden haben: In den kommenden Monaten starten mit Audi E-Tron, Mercedes EQC und dem Nachzügler BMW iX3 (erst ab 2020) gleich drei Modelle, die ganz klar das Tesla-SUV Model X ins Visier nehmen. Können die Herausforderer den Pionier wirklich ärgern?

Dass die deutschen Premium-Anbieter zunächst das Model X und nicht etwa die Limousine Model S als Gegner auserkoren haben, verwundert nicht. SUVs liegen weltweit im Trend, bieten ausreichend Platz für große Akkus und sind generell so teuer, dass auch der E-Technik-Aufpreis nicht übermäßig ins Gewicht fällt.

Audi und Co. greifen allerdings ein Fahrzeugklasse niedriger an. Während das Model X mit fünf Metern Länge in der SUV-Oberklasse fährt, sind die neuen Konkurrenten eine knappe Unterarmlänge kürzer und eher im mittelgroßen Crossover-Segment zuhause. Das passt zum einen besser in die europäische Straßenlandschaft, ermöglicht vor allem aber einen günstigeren Einstiegspreis.

Mercedes hat den GLC zum EQC umgebaut Quelle: Daimler
Mercedes EQC

Auch der Elektro-SUV von Mercedes teilt sich eine Plattform mit dem GLC.

Während der Tesla mindestens 95.830 Euro kostet, liegen die Deutschen im Bereich von 73.000 Euro (EQC) bis 80.000 Euro (E-Tron). Wie beim Model X dürfte die Optionsliste die Preise aber problemlos in den sechsstelligen Bereich treiben. Schaut man auf die technischen Daten und Fahrleistungen, fallen bei allen Elektro-SUV starke Gemeinsamkeiten auf.

So hat sich offenbar ein PS-Wert um die 400er-Marke als Branchenstandard eingependelt. Konkret: Der Audi kommt auf 300 kW/408 PS, der Mercedes auf exakt den gleichen Wert, BMW dürfte in einem ähnlichen Bereich landen und der bereits erhältliche Jaguar I-Pace kommt auf 294 kW/400 PS (77.850 Euro).

Eher gering fallen auch die Unterschiede bei der Reichweite aus. Sowohl der Basis-Tesla als auch die Herausforderer aus Deutschland und Britannien liegen alle im 400er-Bereich, wobei ein genauer Vergleich durch die unterschiedlichen Messverfahren erschwert wird. Audi hat für seine über 400 Kilometer genau wie Jaguar (480 Kilometer) den strengeren WLTP-Modus herangezogen, während Mercedes (450 Kilometer) und Tesla (417 Kilometer) für ihre offiziellen Dokumente die alte NEFZ-Norm nutzen, die etwas optimistischere Ergebnisse liefert.

Der wichtigste technische Unterschied liegt aber eh an anderer Stelle. Während das Model X - und auch der Jaguar - echte Elektroautos sind, die von Grund auf für den Einsatz von Strommotor und Batterie konzipiert wurden, sind die deutschen Modelle mehr oder weniger aufwendig umgebaute Verbrenner-Modelle. Unter der aufgehübschten Fassade des E-Tron steckt ein Q5, der EQC ist im Grunde ein GLC ohne Kühlergrill. Am ehrlichsten tritt noch der BMW auf, der seine Verwandtschaft zum X3 bereits mit dem Namen kundtut.

Die reinen Elektroauto-Plattformen der drei Hersteller sind in der Mache, tragen aber erst gegen Ende des Jahrzehnts erste Modelle. Bis dahin bleiben die E-Autos immer ein wenig kompromissbehaftet. Einer der wichtigsten Punkte: Aufgrund der konventionellen Konstruktion kann der Verzicht auf den Verbrennungsmotor, seine Aggregate und mechanischen Mitspieler nicht vollständig in Raumgewinn für Passagiere und Gepäck umgemünzt werden.

Das Model X ist innen daher längst nicht nur aufgrund seiner größeren Abmessungen um Welten luftiger als die neue Konkurrenz. Die größten alltagspraktischen Unterschiede dürfte es zunächst aber noch beim Aufladen der Batterie geben, vor allem auf Langstrecke. Dort kann sich der Tesla auf das dichte und gut funktionierende Netz an Superchargern verlassen, während die deutsche Autoindustrie noch mit dem Aufbau ihres gemeinsamen Schnellladeverbundes beschäftigt ist.

Aktuell ist in Deutschland erst eine der Gemeinschafts-Stationen in Betrieb, sieben weitere sind im Bau. Immerhin: Bis 2020 sollen europaweit 400 Ladestationen stehen, die dann mit bis zu 350 Kilowatt Ladeleistung potenziell deutlich schneller wären als die aktuellen Tesla-Säulen. Allerdings können Audi und Mercedes diese Power gar nicht nutzen, nehmen sie doch maximal 150 Kilowatt (Audi) beziehungsweise sogar nur 110 kW (Mercedes) auf und sind damit in der Praxis wohl auch nicht wirklich schneller als das Model X (bis zu 120 kW).

Der BWM iX3 soll 2020 starten Quelle: BMW
BMW iX3

Erst 2020 wird auch BMW einen ersten Konkurrenten für das Tesla Model X auf den Markt bringen.

Bei allen Elektro-SUV sollten Fernreisende daher eine Pause von 30 bis 40 Minuten einplanen, um die Akkus unterwegs wieder ausreichend aufzufüllen. Beim langsameren, aber deutlich weiter verbreiteten Wechselstrom-Laden in der Innenstadt oder der eigenen Garage kann sich Audi hingegen leicht von der Konkurrenz absetzen: Einerseits dank einer General-Ladekarte für 80 Prozent aller Stationen, andererseits über das schnellste Ladegerät, das (gegen Aufpreis und erst im Laufe des nächsten Jahres) bis zu 22 kW tankt. Bei Tesla sind es maximal 16,5 kW, Mercedes begnügt sich mit schwachen 7,4 kW. Über Nacht zuhause aufladen ist somit nur für Langschläfer möglich.

Unterm Strich mischen sich die Karten auf dem E-SUV-Markt durch den Start der Deutschen nicht komplett neu. Rein elektrotechnisch können sie den Tesla trotz seines höheren Alters kaum distanzieren, zudem haben die Kalifornier einen Vorsprung, was Ladeinfrastruktur und Langzeiterfahrung mit der neuen Technik angeht.

Kunden muss man aus Sicht der Deutschen also vor allem mit dem weniger protzigen Design und dem guten Namen locken, vielleicht noch mit Langzeitqualität, Verarbeitung und Innenraumgestaltung. Den ein oder anderen Tesla-Verächter, der nur auf ein Angebot der etablierten Hersteller gewartet hat, könnte man so gewinnen. Wenn er nicht bereits einen Jaguar I-Pace gekauft hat. Insgesamt hat aber wohl keines der europäischen Modelle revolutionäres Potenzial. Letztlich übertragen Audi, Mercedes, Jaguar wie schon Tesla das bekannte Premiumauto-Geschäftsmodell einfach auf den Elektroantrieb. Doch SUV werden auch mit E-Motor niemals zu Umweltschützern oder zur Lösung der weltweiten Verkehrsprobleme.

Jaguar hat den I-Pace bereits auf der Straße Quelle: Jaguar
Jaguar i-Pace

Die Briten haben ihren Tesla-Konkurrenten schon auf der Straße.

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