Elektromobilität "In fünf Jahren drohen Überkapazitäten bei Elektroautos"

Über den Erfolg von Elektroautos entscheidet die Batterie, sagt Autoexperte Willi Diez im Interview. Die deutsche Industrie habe den Trend verpasst und hinke hinterher. Weil die Autos, die jetzt kommen, aber nur geringes Marktpotenzial haben, teuer und in der Nutzung eingeschränkt sind, ist der Rückstand aufholbar.
  • Matthias Breitinger
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Ladekabel eines Elektrofahrzeugs: 2030 werden weltweit gerade einmal zehn Prozent aller Fahrzeuge mit Elektromotor unterwegs sein. Quelle: dpa

Ladekabel eines Elektrofahrzeugs: 2030 werden weltweit gerade einmal zehn Prozent aller Fahrzeuge mit Elektromotor unterwegs sein.

(Foto: dpa)

ZEIT ONLINE: Herr Professor Diez, im Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) heißt es, Industrie und Wissenschaft brauchten in den kommenden drei Jahren vier Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung. Sollte die Autoindustrie die Entwicklung nicht selbst finanzieren und nicht gleich nach dem Staat rufen?

Willi Diez: Das ist grundsätzlich schon richtig. Allerdings muss zwischen Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung unterschieden werden. Was direkt in die Produktentwicklung einfließt, ist Sache der Automobilindustrie. Aber wenn es um grundlegende Forschung geht, ist der Staat gefordert. Das Problem liegt allerdings in der Abgrenzung: Wo hört Grundlagenforschung auf, wo fängt Produktentwicklung an?

Die Japaner und Koreaner bringen bereits die ersten Elektroautos auf den Markt, die deutschen Hersteller sind noch in der Test- und Entwicklungsphase. Wie problematisch ist dieser Rückstand?

Diez: Die Autos, die jetzt kommen, haben nur ein sehr geringes Marktpotenzial, weil sie teuer und in ihrer Nutzung eingeschränkt sind. Der Rückstand ist deshalb aufholbar, er muss aber schnell aufgeholt werden. Die nächsten fünf Jahre werden entscheiden, wer beim Elektroauto die Nase vorn hat. Von großer Bedeutung wird sein, wer die beste Speichertechnologie entwickelt - sowohl was die Reichweite als auch die Kosten betrifft. Die Batterie ist der Schlüssel, nicht das Auto.

Aber gerade auf diesem Gebiet sind Forschung und Produktion in Deutschland jahrelang vernachlässigt worden. Rächt sich das jetzt?

Diez: Ja. Lange haben die Autohersteller die Batterie nur als notwendige Technik gesehen, in der keine großen Potenziale liegen. Die Batterieentwicklung fand vor allem in Asien statt und folgte der Entwicklung in der Unterhaltungselektronik. In Laptops und Handys ist die Batterie ein sehr wichtiger Bestandteil. Unser technologischer Rückstand bei der Unterhaltungselektronik sorgt - komischerweise - jetzt dafür, dass wir auch beim Elektroauto in Rückstand sind.

Ende Oktober fuhr ein umgerüsteter Audi A2 angeblich rund 600 Kilometer mit einer einzigen Akkuladung, mit einer Batterie der Berliner Firma DBM Energy. Inzwischen wird aber erheblicher Zweifel daran geäußert. War die Rekordfahrt nur Schmu?

Diez: Ich kenne das Fahrzeug nicht, und die Kommunikation über die Technik und die Funktionsweise war äußerst spärlich. Es geht auch nicht darum, einmalig mit einer Akkuladung von München nach Berlin zu fahren - und das mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 90 km/h.

Ziel muss sein, Serienautos mit vernünftigen Reichweiten zu entwickeln, die sich jedermann leisten kann. Das scheint mir bei diesem Rekordauto nicht gewährleistet zu sein. Ich bin ohnehin immer vorsichtig, wenn Wunderfahrzeuge angekündigt werden. In den vergangenen Jahren wurden immer mal wieder Modelle entwickelt, die dann sang- und klanglos wieder verschwunden sind.

Im Moment herrscht durchaus Interesse an Elektroautos: So ist das Modell Leaf von Nissan in den USA schon vor dem Verkaufsstart ausverkauft. Wird man auch in Zukunft lange aufs Elektroauto warten müssen?

Diez: Im Moment werden die Elektromodelle in relativ geringen Stückzahlen gefertigt. Aber schon in fünf Jahren werden alle Autohersteller batteriebetriebene Elektrofahrzeuge anbieten - dann drohen Überkapazitäten und erhebliche Absatzprobleme. Bis 2015 werden weltweit etwa 1,6 Millionen Elektrofahrzeuge pro Jahr gefertigt werden, dem steht aber eine Nachfrage von nur rund 0,5 Millionen Autos gegenüber.

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8 Kommentare zu "Elektromobilität: "In fünf Jahren drohen Überkapazitäten bei Elektroautos""

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  • Professor Diez singt auch nur das Lied der Brötchengeber. Bis 2030 nur 10% e-angetriebene Fahrzeuge würde von mangelnder Qualifikation der physikalischen Ausbildung der Ingenieure zeugen. Was zieht besser? Ein Ofen der zufällig konvulsivisch pulsiert oder ein magnetisches Drehfeld? Oder hat Ihre Festplatte einen 4-Takter? Goodbye Audi BMW Mercedes - wir können über diese dann im Wikipedia neben Grundig, AEG, Telefunken in der Rubrik "untergegangene deutsche Wirtschaftsikonen" nachlesen...

  • Es ist genau diese in diesem Artikel deutlich werdende, unglaubliche ignoranz, welche uns Deutsche bei nahezu allen Zukunftstechnologien uralt aussehen lässt. Da fährt jemand eine Durchbruchstrecke mit seinem Akku, an dem er jahrelang geforscht hat und unsere Autogrößen ignorieren ihn, weil er keinen Diplomschein hat. ich hingegen glaube kaum, dass jemand aus dem institut für Automobilwirtschaft den zukünftigen bedarf an E - Autos realistisch beurteilen kann und durch wessen brille er blickt, dürfte unschwer zu erraten sein.
    Sicher bin ich aber, dass der Elektroantrieb die Zukunft der individuellen Mobilität darstellt, angetrieben durch solche Akkus und aufgeladen durch regenerative Energie - und wenn es hierzulande niemanden interessiert, kommt die Welle, wie so oft, eben aus Fernost und wir klagen wieder über eine verpasste Chance.

  • Ein interessanter Artikel bzgl. der Wichtigkeit von Ladestationen wurde bei automotiveiT herausgegeben:
    http://www.automotiveit.eu/storfall-elektromobilitat-die-fehlende-infrastruktur/blickpunkt/id-0020646

    Dem kann ich nur zustimmen. Die Vernetzung, bzw. bündelung von Ladestationen ist der Schlüssel zur Elektrifizierung. Und angesichts des nationalen Know-Hows, sollte das doch möglich sein. Richtige Rahmenbedingungen vorausgetzt.

    Euer
    Mr. Q

  • Eine neue Technologie muss sich aus sich heraus durchsetzen und ...

    das geht nicht wenn die Erfinder in den deutschen Unternehmen nicht beteiligt, sondern nur als Leiharbeiter beliebig eingestellt sind. Die idee wird höchstens geklaut. Der Leiharbeiter in deutschland entlassen.
    Und darum sagt keiner mehr was in den Unternehmen seit Jahrzehnten, weil die Mitarbeiter können die idee nicht umsetzen.

    Selbstverständlich ist bei infrastruktur immer der Staat als Auftraggeber mit im boot.

    Sie können als Einzelperson diese ideen nicht umsetzen sondern brauche die zugehörige infrastruktur. Wenn sie innerhalb dieser infrastruktur nicht erwünscht sind und lediglich "kostenfrei" arbeiten sollen und anschließend in die Gaskammer, liegt das Problem innerhalb von Deutschland.

    Niemand gibt ideen weiter, weil es wird lediglich kostenfrei ausgebeutet und die menschen nicht beteiligt, sondern ausgegrenzt.
    So kann ein Technologiestandort nicht funktionieren, wenn nur Menschen beteiligt werden die innerhalb des Systems hochbezahlt und mit aller MAcht ausgestattet agieren können und der Rest sind die Abfallmenschen auf denen beliebig herumgetrampelt werden darf.

  • Die Zahl heißt 2 Prozent.

    2 Prozent des Weltmarktes können mit batterie betrieben werden. Hört sich wenig an, ist aber ein Riesenmarkt.

    Auf den richtigen Mix kommt es an, genau wie im Energieumfeld.

  • @Klaus Ermecke:
    "..Die Energiedichte in einer batterie ist derjenigen in einem Tank voller Dieselöl derart unterlegen, dass damit die inzwischen übliche Mobilität nicht ansatzweise nachgebildet werden kann.."
    Dem ersten Argument kann man ja noch zustimmen. Die Energiedichte von Diesel ist sehr viel höher als die einer Lithium ionen batterie. Allerdings gleicht der Elektroantrieb dies durch den wesentlich höheren Wirkungsgrad aus, so dass im Endeffekt der Primärenergieverbrauch beim Elektroantrieb niedriger ist.

    Das zweite Argument, dass "...die inzwischen übliche Mobilität.." mit einem PKW mit Elektroantrieb nicht möglich sein soll ist ein klares Scheinargument. Es gibt sehr viele Autofahrer, für die es ohne Einschränkungen möglich wäre, auf ein Elektroauto mit 120 km Reichweite pro Ladung umzusteigen. Wenn man ein Lademöglichkeit zu Hause oder an der Arbeitsstelle hat, kann man jederzeit nachladen und fährt immer mit einem vollen Akku los. Wem diese Reichweite nicht ausreichend erscheint, der kann ja immer noch auf einen sparsamen Diesel-PKW oder einen Hybrid wie den GM Volt/Opel Ampera ausweichen.
    Es geht beim Thema Elektroantrieb nicht nur um die Vermeidung von CO2 sondern vor allem um die Unabhängigkeit von Ölimporten. Und das ist ein Problem das außer den OPEC-Staten alle Länder haben.

    Vor allem China hat die Abhängigkeit vom Öl als großes Problem für weiteres Wachstum erkannt und handelt entsprechend. So schlimm der chinesische Staat sein mag, die zentrale Planung für Zukunftsprojekte funktioniert und die Chinesen haben auch noch das Geld dazu um zig Milliarden in diese Projekte zu stecken.

  • "Eine neue Technologie muss sich aus sich heraus durchsetzen und kann nicht über staatliche Subventionen künstlich in den Markt gedrückt werden." Danke, Professor Dietz! besser hätte man es gar nicht ausdrücken können. Die Energiedichte in einer batterie ist derjenigen in einem Tank voller Dieselöl derart unterlegen, daß damit die inzwischen übliche Mobilität nicht ansatzweise nachgebildet werden kann. Das ganze Konzept ist Quatsch. Die Politik täte gut daran, jegliche Forderung nach weiteren Subventionen an sich abtropfen zu lassen. Autos in 50 oder 100 Jahren werden mit flüssigen Kraftstoffen fahren - nicht mit "Strom".

  • Aus der internetseite des iFA "Wer wir sind"
    "Darüber hinaus wurde ein Förderkreis (beirat) eingerichtet, dem namhafte Persönlichkeiten aus der Automobilwirtschaft angehören. Er berät die institutsleitung und fördert die iFA-Mitarbeiter bei der Durchführung von Forschungsarbeiten. "

    Da kann ich nur sagen. "Wes brot ich ess des Lied ich sing."
    Ob hier eine unabhängige Stimme spricht ? Die Kosten für Strom sind weit weniger Schwankungen unterworfen als die für Rohöl.
    Zudem sind in Lithium-ionen Akkus für Autos keine seltenen Erden enthalten. Die sind wenn schon in den Permanent-Magneten für Elektromotoren enthalten - und dafür gibt es alternative E-Motoren, die keine Permanentmagnete benötigen.

    Wir werden ja sehen, ob die Wette von GM Volt und Renault/Nissan mit einem ganzen Programm an Elektromobilen aufgeht oder nicht.

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