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Elektromobilität Italien will bei E-Autos ganz Europa überholen

Italien will in den kommenden Jahren eine Million Elektroautos auf die Straße bringen. Wie das gelingen soll, weiß allerdings noch niemand.
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Elektroautos: Italien will ganz Europa überholen Quelle: Imago
Elektro-Smart vor dem Kapitol in Rom

Im vergangenen Jahr wurden in Italien nur 2600 vollelektrische Pkw verkauft.

(Foto: Imago)

Rom, Mailand Die neue Regierung in Italien will bei der Elektromobilität durchstarten und in den kommenden Jahren eine Million E-Autos auf die Straßen des Landes bringen. Dieser Plan dürfte das Land Milliarden kosten – und hat trotzdem wenig Chancen auf Erfolg.

Bei den Verhandlungen über eine Regierungsbildung mit der rechtspopulistischen Lega im Mai brachte die Fünf-Sterne-Bewegung einen Absatz in den Koalitionsvertrag ein, der „Reduzierungen bei Benzin- und Dieselfahrzeugen“ verspricht. Gefordert werden „Anreize zum Kauf von Elektro- und Hybridfahrzeugen“.

Im Koalitionsvertrag werden zwar keine Zahlen genannt. Luigi Di Maio, Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung und derzeit Minister für Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung, hat aber das Ziel von einer Million batteriegetriebener Autos im Jahr 2022 ausgegeben. Dieses ehrgeizige – allerdings auch unrealistische Ziel – würde Italien zum Spitzenreiter in Europa machen.

Bereits im Wahlkampf hatte Di Maio diesen Plan präsentiert, während er mit einem elektrischen Nissan durch Sizilien tourte. Das Eine-Million-Ziel ging auch in das Parteiprogramm der jungen Fünf-Sterne-Bewegung ein, die bei den Wahlen im März stärkste Partei wurde.

Ein Regierungssprecher bestätigte, dass Italien auf dieses Ziel hinarbeitet. Er wollte aber nicht klarstellen, ob sich die Zahl von einer Million auf vollelektrische Fahrzeuge oder auch Hybridautos bezieht. Auch zu den Kosten wollte er keine Stellung beziehen.

Subventionen wie in Norwegen wären nötig

Im vergangenen Jahr wurden in Italien nur 2600 vollelektrische Pkw verkauft, bei einem Gesamtmarkt von zwei Millionen Fahrzeugen. Nach Schätzung des europäischen Automobilverbands Acea kommen dazu noch rund 2200 Plug-in-Hybride. Auf den Straßen des Landes dürften aktuell weniger als 5000 vollelektrische Autos unterwegs sein.

Um den Sprung vom Elektro-Nachzügler zum Spitzenreiter zu schaffen, müsste Italien daher mindestens so hohe Subventionen wie Norwegen bieten, sagen Kritiker. Dies könne mehrere Milliarden Euro kosten. Und selbst das könnte nicht ausreichen.

„Wenn man in den kommenden fünf Jahren eine Million Elektroautos auf die Straße bringen will, muss man so große steuerliche Anreize wie Norwegen bieten“, sagt Gian Primo Quagliano, Leiter des Forschungsinstituts Promotor. Er analysiert seit 25 Jahre die Autoverkäufe in Italien. „Die Regierung müsste über 9000 Euro je Auto zuschießen“, sagt er. „Trotzdem bleibt es fast unmöglich, das so schnell zu erreichen.“

In Norwegen werden Elektroautos nicht nur steuerlich gefördert, es gibt auch Ausnahmen bei der Maut und kostenlose Fährüberfahrten. Für einen elektrischen VW-Golf erhalten Norweger rund 9000 Euro Zuschuss, für den kleineren Up sind es 7000 Euro. In Frankreich gibt es etwa 10.000 Euro je Auto.

Die Analysten von Bloomberg New Energy Finance schätzen, dass sich in Frankreich die Elektroverkäufe bis 2022 auf jährlich 150.000 Fahrzeuge verdreifachen. In ihrem Langfrist-Ausblick schreiben die Experten, dass Italien „weit hinter“ seinen Nachbarn liegt und den „europäischen Schnitt nach unten drückt“. In Deutschland waren zum Jahreswechsel 54.000 Elektroautos angemeldet.

Der Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung hat ambitionierte Pläne für die Elektromobilität. Quelle: Reuters
Luigi Di Maio

Der Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung hat ambitionierte Pläne für die Elektromobilität.

(Foto: Reuters)

Angewiesen ist die italienische Regierung auch auf Hilfe von Konzernen wie dem staatlich kontrollierten Energieversorger Enel. Dieser will zwischen 100 und 300 Millionen Euro investieren, um bis 2022 bis zu 14.000 Ladestationen im Land aufzustellen. Doch auch das Beispiel Enel zeigt, wie schwierig das Vorhaben ist.

„Die Entwicklung von öffentlicher Infrastruktur ist viel komplizierter, als wir erwartet haben“, sagt Francesco Venturini, Leiter von Enel X, der Elektromobilitätssparte des Konzerns. „Ohne klare Vorgaben der Regierung und eine klare Vision tappen wir im Dunkeln“, sagt er. „Die Autoindustrie bereitet sich auf diesen Wandel vor; es wäre gut, eine gemeinsame Vision mit der Regierung zu haben.“

Auch wenn Di Maios Ziel unerreichbar scheint, herrscht doch Einigkeit, dass Italien irgendwann auf Elektroautos umsteigt. Behörden und Politiker fordern emissionsfreie Fahrzeuge. Die Hauptstadt Rom verbietet Dieselfahrzeuge ab 2024, und auch Mailand arbeitet an einer dieselfreien Zukunft. Bereits jetzt ist Italien der größte europäische Markt für Erdgasautos. Im vergangenen Jahr wurden 230.000 Exemplare verkauft.

Auch Fiat-Chef Sergio Marchionne zählte lange zu den Elektro-Skeptikern. Jetzt hat er angekündigt, dass sein Konzern neun Milliarden Euro in die Entwicklung von E-Autos steckt. Er rechnet damit, dass 2025 weniger als die Hälfte der weltweit verkauften Fahrzeuge noch einen Verbrennungsmotor haben.

Di Maio, dessen süditalienische Heimatstadt nicht weit vom Fiat-Werk in Pomigliano liegt, hat Marchionne kürzlich öffentlich Beifall gezollt. Er schrieb auf Facebook: „Endlich können wir unsere Projekte angehen, einschließlich dem Ziel von einer Million Elektroautos.“
Mit Material von Bloomberg

So sieht die E-Limousine von Byton aus
Futuristischer Anblick
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Die von ehemaligen BMW-Managern angeführte Elektroauto-Firma Byton hat als ihr zweites Modell eine Limousine vorgestellt. Die Front-Scheinwerfer des „K-Byte“ zeichnen sich durch besonders schmale LED-Scheinwerfer aus. Wo bei Benzinern der Kühlergrill sitzt, hat der Byton eine so genannte „Smart-Oberfläche“ – die soll eine Kommunikation mit der Außenwelt ermöglichen.

(Foto: )
Für autonomes Fahren vorbereitet
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Der K-Byte soll 2021 auf den Markt kommen. Zur Objekterkennung nutzt die auf autonomes Fahren vorbereitete Limousine „Lidar-Sensoren“: Gut erkennbar an Kotflügeln und Dach.

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Lidar-Sensoren auf dem Dach
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Die Lidar-Sensoren dienen zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. Sie nutzen Laserstrahlen und messen anhand von Ort und Geschwindigkeit die Rückstreuung des Lichts.

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4,95 Meter Fahrzeuglänge
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Die Fronträder des „K-Byte“ sitzen weit vorne. Das ermöglicht einen Radstand von drei Metern, der viel Platz in der Fahrgastzelle ermöglicht: Besonders die Fond-Tür fällt durch ihre Länge auf. Gut erkennbar unter der markanten C-Säule: Der Anschluss für die Stromzufuhr.

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Klar gehaltenes Heck
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Das Heck des K-Byte zitiert die Form der Front und zeichnet sich vor allem durch Schlichtheit aus: Nur ein schmales Rücklicht unterbricht die organische Oberfläche. Wie bei Audi-Modellen ziert es dafür fast die gesamte Wagenbreite.

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Byton arbeitet an drei Modellen
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Der Plan der Firma ist, relativ schnell auf eine Jahresproduktion von 250.000 bis 300.000 Autos pro Jahr zu kommen. Byton will das mit einer Modellpalette aus drei Fahrzeug-Typen erreichen: 2022 soll ein Minivan mit 7 Sitzen hinzukommen.

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Modulares Elektroauto
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Der „K-Byte“ setzt auf ein modulares System. Er soll mit unterschiedlichen Antrieben und Batterien gebaut werden können, die mindestens 400 Kilometer und weit mehr als 500 Kilometer Reichweite bieten können sollen.

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