Ende eines Kleinstwagens Das billigste Auto der Welt vor dem Aus – Tata stellt den Nano ein

Mit dem Nano wollte der indische Hersteller einst ein Modell für die Massen bauen. Ein Erfolg wurde es nie. Nun könnte der Nano verschwinden.
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Weil einige Nano von Tata in Flammen ausbrachen, musste der Hersteller nachrüsten. Quelle: AFP
Klein und leicht entzündlich

Weil einige Nano von Tata in Flammen ausbrachen, musste der Hersteller nachrüsten.

(Foto: AFP)

DüsseldorfDas billigste Auto der Welt dürfte am Ende auch eines der erfolglosesten Autos der Welt werden. Mit dem Jahreswechsel will der indische Hersteller Tata die Produktion des Nano einstellen. Das Modell, das vor etwa zehn Jahren auf den Markt gebracht wurde, sollte den Indern den Umstieg vom Motorrad aufs Auto erleichtern.

Der Nano könnte „in seiner jetzigen Form nicht über 2019 hinaus bestehen“, teilte der Hersteller mit. Gerade einmal ein Auto wurde im Juni noch hergestellt, auch im Vorjahr war die Produktion mit 275 Fahrzeugen verschwindend gering. Auch im Ausland bliebt der Erfolg zuletzt aus. Exportiert wird der Nano nicht mehr.

Dabei wurde er 2008 noch als „Volksauto“ beworben. Doch allem Kostenbewusstsein zum Trotz konnten sich die Inder nie für das Billigmodell erwärmen. Dabei galt der Nano damals als Meilenstein der sparsamen Autokonstruktion. Der Preis von umgerechnet rund 2500 Euro war kaum schlagbar.

Doch fragwürdige Ergebnisse in Crashtests folgten. Der Nano erarbeitet sich den Ruf als „leicht entflammbar“. Die Inder griffen deswegen lieber bei Einstiegsmodellen von Konkurrenten wie Suzuki Maruti zu. Alleine der Kaufpreis scheint für indische Käufer kein Argument zu sein.

Vom Scheitern des Tata können vor allem ausländische Hersteller lernen, die seit Jahren auf den lukrativen indischen Markt schielen. So produziert Renault mit dem Kwid bereits ein günstiges SUV für den Markt, dass mit einem Einstiegspreis ab 3500 Euro ebenfalls sehr günstig ist. Und auch VW hat die Pläne, gemeinsam mit Tata ein Einstiegsmodell für die Schwellenländer zu entwickeln, mittlerweile aufgegeben und will ab 2020 nun alleine durchstarten.

Dabei bleibt der Markt attraktiv. Von Motorrädern über Autos bis zu Lastwagen - der indische Mobilitätsmarkt wächst. Allein die Autoverkäufe zogen im Juni um 38 Prozent an. Der Markt für Nutzfahrzeuge legte sogar um 42 Prozent zu und Zweiräder verkauften sich 22 Prozent besser. Davon profitiert der Marktführer Suzuki Maruti, der seine Verkäufe um satte 40 Prozent steigern konnte.

Statt auf Billigmodelle zu setzen, baute das indisch-japanische Joint Venture zuletzt das Geschäft mit profitableren Modellreihen wie dem Baleno, dem DZire und dem Brezza aus. In einigen Regionen kommt der Hersteller so auf einen Marktanteil von fast 50 Prozent. Darum wurde die Produktionskapazität zuletzt um 750.000 Fahrzeuge in den kommenden zwei Jahren erhöht.

Auch Hyundai, der zweitgrößte Autokonzern in Indien, erhöhte zuletzt ebenfalls die Preise einiger Modelle und versucht sich nun höher zu positionieren. Billig scheint in Indien nicht mehr gefragt zu sein.

Für den Nano stehen die Chancen einer Rückkehr darum schlecht. Selbst Ideen, ihn als Elektroauto neu aufzulegen, scheinen in Indien wenig erfolgversprechend. Elektroautos werden hier noch schlechter nachgefragt als in anderen Ländern. Und staatliche Unterstützung ist nicht in Sicht. Ein Elektroauto im Niedrigpreissegment bleibt so wohl ein Produkt der Phantasie.

  • bay
  • Bloomberg
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