Gebrauchte Elektroautos Was Käufer wissen müssen

Elektroautos gelten als sauber und leise. Aber auch als teuer in der Anschaffung. Da könnte der Kauf eines gebrauchten Stromers in den Mittelpunkt des Interesses rücken. Aber es gibt erst wenige Erfahrungswerte.
  • dpa
Populäre Elektroautos sind leider teuer
Renault Twizy, bis 18 PS, bis 100 km Reichweite
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Genau genommen ist der Renault Twizy kein Elektroauto, in der Zulassungsstatistik läuft er als Quad. Dennoch kann er als preisgünstiger Einstieg in die Elektro-Welt herhalten. Dabei zeigt sich der kleine Elektroflitzer erstaunlich wertstabil: Neu ist er ab 7.000 Euro zu haben, die Gebraucht-Preise liegen in einem Ranking des Vergleichportals AutoUncle.de bei 6.850 Euro. Dafür gibt es einen Twizy des Jahrgangs 2012, der im Schnitt bereits 9.500 Kilometer gefahren ist. Für das Ranking haben die Gebrauchtwagen-Experten die Internet-Inserate von 1.589 in Deutschland zum Verkauf angeboteten Elektroautos untersucht. Einzige Voraussetzung neben dem Elektro-Antrieb: Von jedem Modell mussten mindestens 20 Inserate vorliegen, um Exoten auszuschließen.

Mitsubishi EV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero
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Eine weitere Erkenntnis der AutoUncle-Studie: Elektroautos sind am häufigsten weiß lackiert – über die Hälfte der aktuell zum Verkauf stehenden Elektroautos sind in neutralem Weiß gehalten. Wie auch dieser Citroën C-Zero mit 67 PS und maximal 150 km Reichweite. Das Trio Mitsubishi EV, Peugeot iOn und Citroën C-Zero läuft baugleich in Japan vom Band. Als Gebrauchtwagen unterscheiden Sie sich aber deutlich: Von 11.995 Euro für den C-Zero (7.226 Kilometer) über 13.945 Euro für den iOn mit 14.722 Kilometern bis zum Mitsubishi für glatte 16.000 Euro (17.578 Kilometer) ist die Bandbreite groß. Wer nicht an eine Marke gebunden ist, kann hier einige tausend Euro sparen.

Renault Fluence, 95 PS, 185 km Reichweite
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Trotz der Limousinen-Form taugt der Fluence kaum als Familienauto, der Kofferraum ist zum Großteil mit Akkus gefüllt. Deshalb hat sich der Fluence auch nie so recht durchgesetzt – entsprechend sehen die Gebrauchtwagenpreise aus. Statt des Neupreises von 25.950 Euro wird ein Fluence des Jahrgangs 2012 mit 9.850 Kilometern für gerade einmal 14.980 Euro gehandelt. Übrigens: Nur sechs Prozent der Elektroauto-Angebote kommen von Privatverkäufer, der Großteil von Händlern.

Renault Kangoo ZE
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Für einen neuen Kangoo ZE verlangt Renault 22.660 Euro zuzüglich der monatlichen Kosten für die Batterie. Gebraucht gibt es den Elektro-Lieferwagen mit 44 kW Leistung bereits ab 17.895 Euro. Für diesen Preis hat der Kastenwagen aus dem Jahr 2012 im Schnitt 6.550 Kilometer auf der Uhr. Er kommt maximal 170 km weit mit einer Batterieladung.

Smart Fortwo ED mit 75 PS und 145 km max. Reichweite
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Neu kostet ein Smart Fortwo electric drive 18.910 Euro – mindestens, denn die Aufpreisliste ist lang. Gebraucht kostet ein Elektro-Smart des Jahrgangs 2014 nicht viel weniger: AutoUncle listet den kleinen Zweisitzer mit 17.990 Euro bei 4.565 Kilometern Laufleistung. Da der Wagen fast neuwertig ist, liegen auch die Preise noch fast auf Neuwagen-Niveau. Die Gebrauchten dürften aber etwas besser ausgestattet sein als ein "nackter" Neuwagen.

Renault Zoë mit 120 PS und 210 km theoret. Reichweite
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Beim Renault Zoë ist zu beachten: Er kann nur per Adapter an einer Haushaltssteckdose geladen werden, eine (teure) Wallbox ist eigentlich Pflicht. Hat man aber eine Ladesäule gefunden, gehört der Zoë zu den Schnellladern. Verglichen mit anderen Elektroautos ist sein Wertverlust relativ groß: Statt zum Neupreis von 21.700 Euro werden gebrauchte 2014er-Modelle mit 5.900 Kilometern für 19.028 Euro gehandelt. Aber Vorsicht: Beim Zoë fallen monatliche Zusatzkosten für die Batterie an.

VW E-Up mit 82 PS und 160 km max. Reichweite
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Größer als beim Renault Zoë ist die Differenz zwischen Neuwagen- und Angebotspreis beim VW E-Up. Mit durchschnittlich 4.696 Euro haben die angebotenen e-Ups eine ähnliche Laufleistung wie der Smart, sind aber aus dem Jahr 2013. Mit 21.950 Euro im Internet unterbietet der Elektro-VW den Neuwagenpreis von 26.900 Euro deutlich.

Anfang 2015 bezifferte das KBA den Bestand mit 18.948 Autos - bei einem Gesamtbestand von 44,4 Millionen Pkw. So sind sie rar, doch es gibt sie, die Zweithand-Angebote mit Stecker. Dazu zählen unter anderem BMW i3, Ford Focus Electric, Renault Twizzy, Renault Fluence, Smart Fortwo Electric Drive und der VW E-Golf. Das bekannteste Modell dürfte der Tesla sein. Weltweit das meistverkaufte E-Auto ist jedoch der Nissan Leaf mit über 200 000 Exemplaren. Lohnt sich der Kauf?

„Seriöse Aussagen zu Schwachstellen bei gebrauchten Fahrzeugen, Mehrkosten oder der Rentabilität sind noch nicht pauschalisierbar”, sagt Johannes Boos vom ADAC. Verlässliche Werte gebe es wegen der begrenzten Zahl der Fahrzeuge auf dem Markt nicht.

„Beim Kauf eines gebrauchten Elektroautos sollten Käufer auf eine möglichst neue Hauptuntersuchung achten und bei seriösen Händlern oder Innungsmitgliedern kaufen”, sagt Boos. Wichtig sei auch, die Kompetenz der lokalen Werkstatt zu prüfen, da aufgrund der verbauten Hochvolttechnologie speziell geschulte Mechatroniker notwendig sind.

Laut BMW soll die Batterie im i3 mindestens zwölf Jahre und 150.000 Kilometer halten. Quelle: PR
BMW i3

Laut BMW soll die Batterie im i3 mindestens zwölf Jahre und 150.000 Kilometer halten.

(Foto: PR)

Volker Blandow vom Tüv Süd sieht wenig Probleme: „Alle aktuell verfügbaren Fahrzeuge weisen durchweg eine hohe Qualität auf.” Dazu zählen vor allem Autos wie E-Golf oder Passat GTE, die es auch mit Verbrennungsmotoren gibt. Bei den japanischen Herstellern wie Mitsubishi und Nissan sollte man auf das Modell und den Jahrgang achten: Im Laufe Zeit wurden die Modelle technisch verbessert, fahren weiter und verbrauchen weniger Energie. Je neuer die Fahrzeuge seien, desto besser sei die Qualität der Akkus und die der E-Motoren.

Interessenten sollten sich über die Reichweite und die mögliche Ladegeschwindigkeit Gedanken machen. „Von einer nominellen Reichweite wie beispielsweise 160 Kilometer kann man im Winterbetrieb 20-30 Kilometer abziehen, dies braucht die Heizung und die Batterie, die kalt etwas schlechter arbeitet”, sagt Blandow.

Bei moderneren Autos wie dem BMW i3 oder dem Tesla macht sich das weniger bemerkbar. „Die Technik in den Fahrzeugen reift sehr schnell, die Reichweitenangaben im Fahrzeug werden zunehmend zuverlässiger”, sagt Blandow.

Je jünger E-Autos wie der Nissan Leaf sind, desto besser ist die Qualität der Akkus und der E-Motoren. Foto: Nissan Quelle: PR
Nissan Leaf

Je jünger E-Autos wie der Nissan Leaf sind, desto besser ist die Qualität der Akkus und der E-Motoren. Foto: Nissan

(Foto: PR)

„Inzwischen haben alle Fahrzeuge sehr zuverlässige Batterien. Wer beim Händler ein Gebrauchtfahrzeug erwirbt, geht in diesem Punkt eine Stufe sicherer”, sagt der Experte vom Tüv Süd. Die Markenwerkstätten können über die Datenschnittstelle wichtige Batteriedaten auslesen. Die Batterie des BMW i3 soll ein ganzes Autoleben halten.

Das heißt: mindestens zwölf Jahre und 150.000 Kilometer. „Auch wer oft mit 50 kW lädt, wird innerhalb eines normalen Autolebens keine Einschränkungen feststellen”, sagt Manfred Poschenrieder von BMW. Bei Autos wie dem Renault Zoe lässt sich die Batterie mieten, so dass diese bei Defekten oder einer neuer Generation mit höherer Speicherkapazität getauscht wird. Nachteil: monatliche Folgekosten durch die Miete.

Kleine und spartanisch ausgestattete Fahrzeug wie der Mitsubishi iMiev oder Renault Zoe kosten als Gebrauchte nur noch wenig Geld. Auch den oft in Flotten betriebenen Nissan Leaf wird es in den nächsten Monaten und Jahren preiswert geben. Dann, wenn die ersten Leasingverträge auslaufen.

Ein Bezahlmodell, das auch Volker Blandow empfiehlt: „Wer sich unsicher bei einem Kauf ist, sollte sich ein Elektrofahrzeug für zunächst drei bis vier Jahre leasen.” Ein finanzielles Risiko bleibt dabei in Grenzen.

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